18.03.2017 03:30 | Panagiotis Koutoumanos

2016 Rekordgewinn durch Entschädigungszahlung: Fraport ist wieder auf Wachstumskurs

Frankfurt 2016 haben der Fraport AG vor allem Krieg und Terror, aber auch die Streiks beim schwächelnden Stammkunden Lufthansa zu schaffen gemacht. In diesem Jahr will der Flughafen-Betreiber wieder durchstarten – sowohl in Frankfurt als auch im Ausland.

Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte zeigte sich gestern zufrieden.
Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte zeigte sich gestern zufrieden. Bild: Arne Dedert (dpa)

Nach einem eher durchwachsenen Jahr sieht sich die Fraport AG inzwischen wieder konzernweit auf Wachstumskurs: Wie Fraport-Chef Stefan Schulte bei der gestrigen Bilanzvorlage in Frankfurt bekanntgab, erwartet der Flughafen-Betreiber am hiesigen Heimatflughafen für 2017 einen Anstieg der Passagierzahl um zwei bis vier Prozent – nachdem im vorigen Jahr die Zahl der Fluggäste erstmals seit 2009 gesunken war: um 0,4 Prozent auf 60,8 Millionen. „Zu diesem Anstieg werden nicht nur die Billigflieger Ryanair, WizzAir und Sundair beitragen, die Frankfurt dieses Jahr in ihr Streckenprogramm aufnehmen“, sagte Schulte, „der gesamte Flugmarkt wächst, auch Stammkunden wie die Lufthansa und Condor legen in Frankfurt wieder zu.“ Den im Dezember erlangten Schwung habe der Flughafen mit ins Jahr 2017 genommen. Tatsächlich hat der Airport in den vergangenen Monaten einen Passagierrekord nach dem anderen verbucht. Zuvor hatten Terroranschläge in der Türkei, Paris, Brüssel und Nizza vor allem Touristen aus den USA und China von Reisen nach Europa abgehalten – was gerade einer internationalen Drehscheibe wie dem Frankfurter Flughafen zu schaffen machte. Zudem schmälerten die Streiks der Lufthansa-Piloten das Passagieraufkommen. Und dass der Luftfahrt-Konzern am Frankfurter Flughafen den Flugplan seiner teuren Kernmarke mit dem Kranich ausdünnte, trug zusätzlich dazu bei, dass die Herzkammer des Fraport-Konzerns unter Rhythmus-Störungen litt.

Hoffnung für Antalya

Neben dem Frankfurter Flughafen wird sich nach Einschätzung des Fraport-Managements auch der krisengeschüttelte türkische Flughafen Antalya, an dem die Frankfurter mit 50 Prozent beteiligt sind, wieder erholen. Dort war das Passagier-Aufkommen 2016 um knapp ein Drittel auf 19 Millionen zurückgegangen. Der Airport an der Mittelmeerküste litt unter den Terroranschlägen im eigenen Land sowie dem Reise-Embargo, das Russland nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets verhängt hatte. Dieses Embargo ist inzwischen aufgehoben. So geht Finanzvorstand Matthias Zieschang davon aus, dass zumindest die russischen Touristen wieder in Scharen nach Antalya fliegen werden und der dortige Flughafen dieses Jahr eine „schwarze Null“ schreibt, nachdem er 2016 tief in die roten Zahlen gerutscht war. Getragen wird diese Erwartung auch von dem erstarkten russischen Rubel, der Auslandsreisen für Russen erschwinglicher macht. „Am Flughafen St. Petersburg sehen wir wieder deutliche Marktzuwächse“ sagte Zieschang. Am dortigen Flughafen Milkowo sind die Frankfurter mit 25 Prozent beteiligt.

Griechenland ist soweit

Weiteres Umsatz- und Ergebnis-Wachstum erwartet Fraport für dieses Jahr von den 14 griechischen Regionalflughäfen, für die das Unternehmen Ende 2015 die Betriebskonzession erhalten hatte. „Diese Flughäfen werden wir noch vor Ostern übernehmen“, kündigte Schulte an. 2016 hätten die 14 Airports 25,3 Passagiere gezählt – ein Plus von neun Prozent. Das Fraport-Management geht davon aus, dass sie 2017 einen Umsatzbeitrag von 200 Millionen Euro leisten und den Konzern-Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 100 Millionen Euro erhöhen werden. Unterm Strich werden die griechischen Flughäfen laut Schulte im ersten Jahr zumindest eine „schwarze Null“ ausweisen.

Aufgrund der erwarteten Zuwächse beim Passagieraufkommen und der in Frankfurt zu Jahresbeginn erhöhten Flughafen-Gebühren um 1,9 Prozent stellte Schulte für 2017 einen Umsatzanstieg auf bis zu 2,9 Milliarden Euro in Aussicht. Im vergangenen Jahr war der Konzernumsatz um 0,5 Prozent auf 2,59 Milliarden Euro gesunken. Während die Erlöse im Auslandsgeschäft vor allem wegen der guten Entwicklung am Flughafen Lima deutlich zulegten und die renditestarke Sparte „Handel & Immobilien“ aufgrund zahlreicher Grundstücksverkäufe am Mönchshof leicht wuchs, gingen die Umsätze im heimischen Fluggeschäft zurück – nicht nur weil in Frankfurt die Passagierzahl sank, sondern auch weil Fraport 2016 nicht die Flughafen-Gebühren anheben durfte.

Rekordergebnis dank Manila

Dass das Konzern-Ebit trotzdem um 24,2 Prozent auf den neuen Rekordwert von 1,05 Milliarden Euro kletterte, hat Fraport zwei positiven Sondereffekten zu verdanken: Zum einen erhielt Fraport nach einem langen Rechtsstreit von den Philippinen Schadenersatz in Höhe von 240 Millionen Euro. Der Inselstaat hatte 2002 die Betreibergesellschaft eines neuen Terminals in Manila enteignet. Fraport musste daraufhin eine 30-Prozent-Beteiligung an dem Projekt abschreiben. Zwar gingen nun 41 Millionen Euro der zugesprochenen Zahlung an den Bund – dieser hatte für die Investitionen gebürgt und bereits eine Entschädigung an Fraport überwiesen. Aber damit blieben immer noch satte 199 Millionen Euro, die das Ebitda erhöhten. Weitere 40 Millionen Euro kamen hinzu, weil Fraport seinen Anteil am Flughafen St. Petersburg von 35,5 Prozent auf 25 Prozent senkte – die 10,5 Prozent wurden an die Qatar Investment Authority (QIA) verkauft. Ohne die Sondereffekte hätte das Ebitda laut Zieschang bei 853 Millionen Euro gelegen und damit auf Vorjahresniveau. Der Nettogewinn, der dank der Sondereffekte mit 400 Millionen Euro ausgewiesen wurde, hätte sonst 296 Millionen Euro betragen.

Dividende steigt

Gemessen an diesen bereinigten Werten, stellte der Fraport-Vorstand für 2017 deutliche Ertragszuwächse in Aussicht. Demnach soll das Ebitda auf 980 bis 1,02 Milliarden Euro steigen und der Nettogewinn auf 310 bis 350 Millionen Euro. Auch diesem guten Ausblick haben die Aktionäre des MDax-Konzerns die Erhöhung der Dividende von 1,35 Euro auf 1,50 Euro zu verdanken. Die soll für 2017 stabil bleiben.

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