14.11.2017 03:30 | Michael Balk

Flugverkehr Frankfurt-Berlin: Lufthansa setzt zusätzlichen Jumbo ein

Frankfurt Der Wegfall der Flüge der insolventen Air Berlin hat zu Engpässen im innerdeutschen Flugverkehr und hohen Ticketpreisen geführt. Das hat der Lufthansa Kritik eingebracht. Lufthansa-Chef Spohr verspricht Abhilfe mit 1000 neuen Flügen und einer Jumbo-Verbindung für die Rennstrecke Frankfurt-Berlin.

Um auch weiterhin den Bedarf auf der Strecke Frankfurt-Berlin decken zu können, setzt Lufthansa derzeit sogar eine Boing 747 ein. Archivfoto: dpa
Um auch weiterhin den Bedarf auf der Strecke Frankfurt-Berlin decken zu können, setzt Lufthansa derzeit sogar eine Boing 747 ein. Archivfoto: dpa Bild: Boris Roessler (dpa)

Seit der letzte Air-Berlin-Flieger in Berlin-Tegel gelandet ist, herrscht in Deutschland ein Kapazitätsengpass in der Luft. Die Lücke, die die insolvente Fluggesellschaft aufgerissen hat, lässt sich nicht von heute auf morgen schließen. „Von 140 Air-Berlin-Flugzeugen stehen 80 am Boden“, beschreibt Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr die prekäre Lage. „Damit fehlen 60 000 Sitze jeden Tag“, sagte er gegenüber „Bild“. Die Flugpassagiere haben sich auf die wenigen noch verfügbaren freien Plätze gestürzt. Mit dem Ergebnis, dass die Ticketpreise durch die Decke geschossen sind. Das betrifft in erster Linie die vom Air-Berlin-Aus besonders betroffenen Strecken wie Berlin-München oder Berlin-Köln.

Die Lufthansa und ihre Billigfluglinie Eurowings versuchen, den Engpass ein Stück weit zu beseitigen. Doch niemand kann erwarten, dass die Lufthansa kurzfristig den Wegfall von 80 Flugzeugen auffangen könne, hatte Spohr kürzlich dazu gesagt. Die Kranich-Linie wie auch die Eurowings-Tochter versuchen seit Anfang November alles zu mobilisieren, was Flügel hat.

Rennstrecke nach Berlin

So hat die Lufthansa für die Rennstrecke Frankfurt-Berlin seit nunmehr zwei Wochen einen Jumbo im Einsatz. Anstelle der Airbus-Familie A 320, die 100 bis 140 Passagiere fasst, fliegt eine Boeing 747-400 und bringt bis zu viermal täglich 430 Passagiere in die Hauptstadt oder zurück in die Bankenmetropole. Das soll keine Dauerlösung werden, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Der Einsatz der Jumbos solle lediglich die Verkehrsspitzen im November ausgleichen. Danach ist die Rückkehr zu den Airbus-Fliegern mittlerer Größe geplant.

Die Kapazitätsengpässe im innerdeutschen Verkehr können nach Aussage Spohrs erst dann kompensiert werden, wenn die Kartellbehörde die Übernahme von 81 Air-Berlin-Passagierflugzeugen durch die LH-Tochter Eurowings genehmigt hat. Damit wird erst 2018 gerechnet. Die EU-Kommission hat nach der Anmeldung des Deals vor knapp zwei Wochen 25 Arbeitstage Zeit, das Geschäft abzuklopfen. Haben die Wettbewerbshüter Bedenken, können sie vertieft prüfen. Dann wären es noch einmal 90 Arbeitstage. Bis zum Abschluss liegt das Geschäft auf Eis.

„Sobald wir grünes Licht aus Brüssel haben, wollen wir pro Monat allein bei Eurowings 1000 innerdeutsche Flüge dazunehmen“, kündigte Spohr an. „Das sind etwa 30 Flüge pro Tag.“

Spätestens dann dürften sich auch die Übertreibung bei den Ticketpreisen wieder normalisieren, lässt der Lufthansa-Chef durchblicken. „Ich kann versprechen, dass mit neuen innerdeutschen Flügen wieder stabile Preise kommen“, stellt er seiner verschreckten Kundschaft in Aussicht.

Keine Slots in Frankfurt

Von den angekündigten 1000 neuen Flügen dürfte aber kein einziger auf dem Frankfurter Flughafen starten oder landen. Denn Spohrs Strategie zielt darauf ab, alle von Air Berlin übernommenen Flugzeuge mit dem Eurowings-Logo zu beflaggen. Und die Billigfluggesellschaft besitzt bislang keine Start- und Landerechte am Airport in Frankfurt. Verhandlungen darüber laufen zwar, wie zu hören ist. Denn der Flughafenbetreiber Fraport hat schon erklärt, den Anteil der boomenden Billigflieger deutlich aufzustocken. Und nachdem der irische Marktführer Ryanair dank massiver Rabattzugeständnisse durch Fraport in Rhein-Main andocken konnte, fordert die deutsche Premium-Fluggesellschaft gleiche Bedingungen für ihre Tochter Eurowings.

Die Lufthansa hat erklärt, sie erwarte aus dem Kauf der Air-Berlin-Aktivitäten im nächsten Jahr etwa 1,5 Milliarden Euro Umsatz, aber noch rote Zahlen. Es gäbe Sonderkosten etwa für Umlackierungen der Flieger oder das Pilotentraining in Höhe von rund 50 Millionen Euro. 2019 soll dieses Geschäft dann schwarze Zahlen schreiben. Aus den internen Planungen geht hervor, dass Eurowings in diesem Jahr die Passagierzahl von 18 auf 32 Millionen fast verdoppelt und 2018 dann 40 Millionen befördern soll. Die Zahl der Eurowings-Flugzeuge soll auf 210 klettern, die Mitarbeiterzahl von 7000 auf 10 000.

Für den Lufthansa-Konzern hat Spohr fürs nächste Jahr die Zielmarke von 8000 neu eingestellten Mitarbeitern ausgegeben.

Kommentare



zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Ein neues Posting hinzufügen


Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername: *
gewünschtes Passwort: *
Wiederholung Passwort: *
E-Mail: *
Kundennummer falls vorhanden:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage: Asterix und …?: 

Weitere Artikel aus Wirtschaft

Weitere Artikel aus Wirtschaft

Rubrikenübersicht