10.11.2017 03:00 | Thomas Baumgartner

Automobil: Opel-Chef Lohscheller: "Opel bleibt eine echte deutsche Marke"

Frankfurt Die Opelaner haben lange auf ein Sanierungskonzept warten müssen. Nun hoffen sie auf eine bessere Zukunft im PSA-Reich.

Fester Händedruck: PSA-Boss Carlos Tavares (links) mit Opel-Chef Michael Lohscheller gestern in Rüsselsheim.
Fester Händedruck: PSA-Boss Carlos Tavares (links) mit Opel-Chef Michael Lohscheller gestern in Rüsselsheim. Bild: Arne Dedert (dpa)

Wolfgang Schäfer-Klug, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Opel, bemüht ein eher unscheinbares Teil eines Autos, um das ganze Dilemma der Rüsselsheimer in der Ära General Motors (GM) aufzuzeigen: die Abschleppöse. Die Konkurrenten in Europa verbauen da eine eher schmale Öse – Opel und die britische Schwester Vauxhall dagegen mussten eine von den Amerikanern vorgeschriebene, extrem dicke Variante aus dem GM-Programm verwenden, mit der der Fahrer auch schwere Pick-ups an den Haken nehmen könnte. Und solche Vorschriften gab es für weitere Teile: „Wenn wir in Europa Anforderungen sowohl für die Sahara als auch für Alaska erfüllen müssen, treibt das natürlich die Materialkosten“, sagt Schäfer-Klug. „Da sieht man, wie man es nicht machen sollte!“

Seit 1. August nun ist GM Vergangenheit und die Marke mit dem Blitz eine Tochter der französischen Groupe PSA (Peugeot, Citroën). Und die möchte durch Synergien in Materialeinkauf, Produktion sowie Forschung und Entwicklung bis 2020 rund 1,1 Milliarden und bis 2026 sogar 1,7 Milliarden Euro einsparen. Auch in Sachen Vertriebseffizienz und Preisen könne sich Opel viel von den Franzosen abgucken, meint der Betriebsrat. Weniger Rabatte, weniger Flottenverkäufe und weniger Eigenzulassungen sollen dazu beitragen, wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen – und zwar, wie von Opel-Chef Michael Lohscheller und PSA-Boss Carlos Tavares zugesagt, ohne Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen.

Neues Modell für Eisenach

Vor allem Eisenach, das als zu klein gilt, hatte gezittert. Daher sorgte es für Erleichterung, dass an dem thüringischen Standort ab 2019 eine Neuheit auf PSA-Plattform vom Band laufen soll: ein größerer Geländewagen. In Rüsselsheim hatten sich vor allem die Ingenieure im Entwicklungszentrum Sorgen gemacht – und darum gekämpft, für das gesamte PSA-Reich die Kompetenz für Elektroantriebe zu bekommen. Daraus konnte angesichts des Vorsprungs von Paris nichts werden – doch immerhin dürfen sie künftig konzernweit zuständig sein für Brennstoffzellen und die Anpassung der Fahrzeuge an den nordamerikanischen Markt. Obwohl Motoren und Getriebe großteils aus dem größeren PSA-Konzern kommen werden, beharrt Lohscheller darauf: „Opel bleibt eine echte deutsche Marke, alle neuen Fahrzeuge werden in Rüsselsheim entwickelt.“

Dagegen soll die Zahl von zuletzt 200 000 aus Südkorea importierten Autos (unter anderem viele „Mokka“), laut Lohscheller „kein gutes Geschäft“, nach und nach reduziert werden.

In allen Modellreihen sollen bis 2024 Elektro- oder Hybridantriebe zusätzlich zu Verbrennern auf den Markt kommen. Der für 2019 angekündigte neue Corsa wird das nächste Elektroauto sein nach dem mit viel Pomp vorgestellten und noch von GM gebauten „Ampera-e“, der vermutlich niemals auf dem europäischen Markt ankommen wird. Tavares: „Opel bewegt sich aus einer Welt, in der Detroit das Zentrum war, in eine Welt, wo das Zentrum nicht Paris ist, sondern Rüsselsheim.“

Unter GM hatten die Betriebsräte vor allem ein Konzept für alternative Antriebe vermisst, mit dem künftige CO2-Ziele erreichbar gewesen wären – und Opel seien eigene Entwicklungen untersagt worden, sagt Schäfer-Klug: „Dies ist nun anders. PSA verfügt über eine klare CO2-Strategie, die Opel hilft, einen nachhaltigen Zukunftsplan zu präsentieren.“ Auch Lohscheller gestand ein, dass Opel ohne den neuen Plan nicht in der Lage gewesen wäre, die CO2-Ziele der EU für 2020 zu erreichen.

Mehr Exporte

Auch der Weg in die Welt steht nun offen. Bis Opel aber auf neuen Auslandsmärkten wie Saudi-Arabien, Taiwan oder Argentinien wirklich gute Geschäfte machen kann, dürfte es noch dauern. Entscheidender sind ohnehin große Märkte wie China – und vor allem die USA, wo aber auf GM-Plattformen basierende Fahrzeuge wie der Rüsselsheimer „Insignia“ weiterhin nicht angeboten werden dürfen und unter Präsident Donald Trump neue Handelshemmnisse drohen.

Die Renditeziele sind trotz des beschleunigten Wechsels zu PSA-Technologie die gleichen geblieben wie die im Frühjahr angekündigten: Demnach soll es Opel binnen drei Jahren operativ in die Gewinnzone schaffen und 2020 eine Marge von zwei Prozent erzielen (ohne Schuldendienst gerechnet. Bis 2026 sollen es sechs Prozent sein; ob das auch unter dem Strich schwarze Zahlen bedeuten würde, ließ ein Opel-Sprecher offen.

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