18.03.2017 03:30 | Muriel Larissa Frank

Wenn die Umkleide Modetipps gibt: Textilhandelskette erprobt in Rüsselsheim intelligente Anprobekabinen

Rüsselsheim Die Modekette Adler drückt bei der Digitalisierung aufs Gas. Seit Kurzem sind in der Rüsselsheimer Filiale drei intelligente Umkleidekabinen im Einsatz. Und das ist noch nicht alles.

In der intelligenten Umkleidekabine erhalten die Kunden Informationen zu Kleidungsstücken und können sich per Finger-Touch alternative Produktempfehlungen anzeigen lassen. Bilder >
In der intelligenten Umkleidekabine erhalten die Kunden Informationen zu Kleidungsstücken und können sich per Finger-Touch alternative Produktempfehlungen anzeigen lassen. Bild: STEFAN SCHMITT

Die Kundin steht in der Umkleidekabine und probiert eine blaue Bluse an. Kurz darauf erscheint das Kleidungsstück wie von Zauberhand auf dem großen Touchscreen vor ihr. Und mit ihm weitere Produktvarianten: die Bluse in Weiß, in Rosa, in Größe M, L oder XL. Dazu gibt’s Tipps, womit sich die Bluse kombinieren lässt, etwa einem weißen Rock oder passenden Accessoires.

Was zunächst nach Science Fiction klingt, erleben Kunden seit knapp einem halben Jahr in der Rüsselsheimer Adler-Filiale, Am Steinmarkt 3. Möglich machen es drei intelligente Umkleidekabinen. Ein Pilotprojekt, wie Ansgar Gümbel vom Vertriebsinnendienst erklärt.

Anders als bei Wettbewerbern ist für die Identifizierung der Ware keine Aktion des Kunden notwendig. Über den Kabinen hängt jeweils eine Antenne mit Bewegungsmelder. Sobald ein Kunde die Kabine betritt, erfolgt ein Funk-Austausch zwischen Antenne und Kleidungsstück – es ist mit einem Radio Frequency Identification (kurz RFID) Etikett versehen und reagiert auf das von der Antenne gesendete Funksignal. Anschließend erscheint die Ware auf dem Touchscreen. Noch ist nur das Online-Sortiment – etwa 6000 Artikel – ins System eingepflegt. Das werde sich aber in Kürze ändern, verspricht Gümbel.

Sollte der Kunde Hilfe benötigen oder zusätzliche Beratung wünschen, kann er einen Hilfe-Button drücken. Die Adler-Mitarbeiter erhalten dann auf einem mobilen Endgerät eine Benachrichtigung und können dann gezielt dort sein, wo sie gerade benötigt werden.

Außen an der Kabine ist ebenfalls ein Bildschirm angebracht. Dieser zeigt dem Verkäufer jederzeit an, ob die Kabine besetzt ist und wie viele Artikel der Kunde gerade anprobiert.

Kunden sind skeptisch

Neben Rüsselsheim werden die intelligenten Umkleiden noch in Limburg, Erfurt und Mutterstadt getestet. Etwaige Probleme melden die Geschäftsleiter im Zwei-Wochen-Rhythmus an die Adler-Zentrale nach Haibach. „In Rüsselsheim läuft alles stabil“, sagt Gümbel zufrieden. Wie viel Geld das Unternehmen für die Kabinen in die Hand genommen hat, will es nicht verraten.

Die Kunden sind ob der neuen Technik noch skeptisch. „Wir müssen sie darauf aufmerksam machen und heranführen“, erzählt Gümbel. Deshalb soll es laut Geschäftsleiter Ralf Kuschel demnächst einen Infostand geben, an dem sich die Kunden über die Vorzüge der intelligenten Umkleidekabine informieren können. Dazu zähle nämlich beispielsweise auch, dass sich die Kunden auch unabhängig von den in der Kabine befindlichen Teilen von kompletten Outfit-Vorschlägen inspirieren lassen können, die auf aktuellen Kollektionen basieren.

Dass Adler den Einsatz intelligenter Umkleiden erprobt, hat vor allem zwei Gründe: Zum einen sollen die Kabinen die persönliche Beratung durch die Adler-Mitarbeiter ergänzen und zum anderen sollen sie durch entsprechende Empfehlungen perspektivisch Cross-Selling-Potenziale heben. In Zukunft könnte Adler aber auch nachvollziehen, welche Produkte anprobiert und welche dann schließlich gekauft wurden. Wertvolle Daten für den Einzelhändler. „Doch das ist Zukunftsmusik“, betont Gümbel.

Effizienz dank „Robbi“

Abgesehen von den Kabinen hat Adler noch eine weitere digitale Innovation im Einsatz: Robbi, ein menschengroßer Inventurroboter, der des Nachts durch die Gänge huscht und voll automatisch den Warenbestand prüft. Dabei peilt der Robbi die RFID-Etiketten der Waren an – Socken und Accessoires sind ausgenommen – und gleicht ab, ob der Ist-Bestand auch dem Soll-Bestand entspricht. „Früher haben wir Strichliste geführt. Heute unterstützt uns der Roboter und wir können effizienter arbeiten“, lobt Kuschel. Auf Basis der von Robbi erfassten Daten können die Mitarbeiter am nächsten Tag dann Waren nachsortieren und -bestellen. Adler ist das erste Unternehmen weltweit, das mit einem dauerhaft installierten Inventurroboter arbeitet. „Hier sind wir ein absoluter Early Mover“, sagt die Sprecherin Katrin Schreyer.

Ob in naher Zukunft mit neuen Digitalinnovationen zu rechnen ist? Die Sprecherin verneint. Derzeit gehe es darum, die bisher angestoßenen Projekte zu optimieren, um in einem späteren Schritt den Roll-out, also die Einführung der intelligenten Umkleiden in allen 183 Filialen, anzugehen.

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