Experten: Vogelgrippe war nie weg aus Europa

Von Von Iris Leithold und Martina Rathke, dpa
Noch ist unklar, wie der Vogelgrippe-Erreger der für Geflügel tödlichen Krankheit in den Bestand in Wismar gelangt ist.
Stefan Sauer/FNP

Nach dem Vogelgrippe-Ausbruch in einer Geflügelhaltung bei Wismar sind dort alle 130 Tiere getötet worden. Mit weiteren Maßnahmen halten sich die Behörden bislang zurück.

Das Veterinäramt hält die Hobbyhaltung und die Umgebung lediglich unter Beobachtung, wie der Landkreis Nordwestmecklenburg mitteilte. Die Behörden gehen von einem Einzelfall aus, wie eine Sprecherin sagte. Bei dem Erreger handelt es sich nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts um den Subtyp H5N6. Ein solcher Erreger wurde auch Anfang Juli bei toten Wildvögeln in Dänemark entdeckt.

Dem Landkreis lägen keine weiteren Verdachtsfälle oder Hinweise für das Auftreten der Geflügelpest vor - weder aus den Hausgeflügelbeständen noch aus dem Wildvogelbereich. Auch werde das Geflügelpestvirus bei hohen Temperaturen in der Regel schnell inaktiv. Eine Überwachungszone sei in Abstimmung mit dem Agrarministerium nicht eingerichtet worden. Es werde derzeit auch nicht für erforderlich gehalten, eine Stallpflicht für andere Geflügelhaltungen anzuordnen. Hintergrund sei, dass in den vergangenen Monaten kein lebendes Geflügel in den betroffenen Bestand hinein- oder aus ihm hinausgebracht worden sei. Im Umkreis von einem Kilometer gebe es keine gemeldeten Geflügelhalter.

Noch ist unklar, wie der Erreger der für Geflügel tödlichen Krankheit in den Bestand gelangt ist. Blut- und Tupferproben aus dem Stall sollen nun untersucht werden. Die Ergebnisse sollen Aufschluss darüber geben, wie lange die Infektion der Tiere zurückliegt. Die Ergebnisse könnten möglicherweise Hinweise zum Weg des Virus geben. Derzeit werden im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei 25 Proben, die bei den getöteten Tieren entnommen wurden, untersucht, wie eine Sprecherin des Schweriner Agrarministeriums sagte.

In dem Geflügelbestand waren in der vergangenen Woche mehrere Enten verendet. Ein am Freitag gestorbenes Tier wurde zur Untersuchung ins Labor geschickt und am Samstag war der Befall mit dem hochpathogenen aviären Influenza-A-Virus des Typs H5 dann offiziell.

Der Nachweis eines H5-Vogelgrippe-Erregers in Deutschland ist für die Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) nicht überraschend. Die Situation habe sich zum Frühlingsende und Sommeranfang in Europa zwar deutlich entspannt, dennoch habe es immer wieder einzelne Nachweise gegeben, sagte eine Sprecherin des Forschungsinstituts am Montag. So wurden Anfang Juli tote Wildvögel auf der dänischen Insel Vejrø positiv auf H5N6 getestet, davor auch in Großbritannien und Schweden. In Bulgarien hatte es im Sommer mehrere Ausbrüche von H5N8 in Legehennenbetrieben gegeben. In Deutschland wurde die Vogelgrippe das letzte Mal im März 2018 nachgewiesen. Dieser Ausbruch in einer Geflügelhaltung auf der Hallig Süderoog blieb damals ein lokaler Einzelfall.

Die Gefahr, dass die Tierseuche in Deutschland auftritt, sei weiterhin hoch, hieß es vom FLI weiter. Mit dem nahenden Herbst könnten sich die Bedingungen für den Erreger in Deutschland wieder verbessern. Bei sinkenden Temperaturen und mehr Feuchtigkeit blieben die Influenzaviren in der Umwelt länger stabil als bei Trockenheit und starker UV-Einstrahlung, sagte FLI-Sprecherin Elke Reinking. Zudem kämen durch den Vogelzug wieder mehr Wildvögel an den Rastplätzen eng zusammen, was ebenfalls eine Virusübertragung begünstigen könne. Geflügelhalter sollten deshalb auf die Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen achten und möglichst den Kontakt ihres Geflügels mit Wildvögeln vermeiden.

Mit 92 Ausbrüchen in Geflügelhaltungen und Zoos hatte Deutschland 2016/2017 die größte jemals dokumentierte Serie von Infektionen erlebt. Im darauffolgenden Winter wurde der Erreger ebenfalls nachgewiesen, allerdings deutlich seltener als im Vorjahr.

(Von Iris Leithold und Martina Rathke, dpa)
Von Iris Leithold und Martina Rathke, dpa