Smartspeaker auf der IFA

Von Von Dirk Averesch, dpa
Googles bislang größter Smartspeaker: Der Home Max soll mit seiner Stoffbespannung in Wohnzimmern eine gute Figur machen.
Franziska Gabbert/FNP

Sie sind unscheinbar-elegant, und das sollen sie auch sein: Smartspeaker legen es nicht darauf an aufzufallen. Ihre Anbieter wollen, dass sie sich jeweils harmonisch in die Wohnumgebung einfügen. Trotzdem haben es die Lautsprecher mit Internetanbindung faustdick hinter der Abdeckung.

Sie gehorchen aufs Wort, suchen im Internet, lesen die Nachrichten oder das Wetter vor, halten Small Talk mit dem Nutzer, schalten das Licht an oder aus und spielen Musik ab - und das immer öfter auch in Hi-Fi-Qualität. Nun steht eine neue Speaker-Generation mit Display und Kamera in den Startlöchern, wie auf der Technikmesse IFA (31. August bis 5. September) deutlich wird.

Smartspeaker sind unter anderem Unterhaltungskünstler fürs Musikstreaming, also WLAN-Lautsprecher, die meist auch Bluetooth an Bord haben - nur dass sich die Musik auch per Sprache steuern lässt, weil Fernfeldmikrofone, die in den Raum hineinhorchen, und weitere Technik im Gehäuse stecken. Gut zwei Drittel (69 Prozent) der Nutzer von Sprachassistenten setzen diese laut einer Studie von Bitkom Research ein, um Musik abzuspielen oder Radiosender einzustellen.

Die Welt der Sprachassistenten in Smartspeakern ist aktuell recht übersichtlich. Auf der Messe sind fast ausschließlich neue Speaker mit Googles Assistant oder Amazons Alexa zu sehen. Zwar ist da noch Siri, die Apple aber bislang nur in den Homepod-Lautsprecher ausgelagert hat. Und bei Samsungs Bixby lässt eine deutsche Sprachversion noch auf sich warten. Der erste Bixby-Speaker mit der Bezeichnung Galaxy Home soll erst zum Jahresende 2018 verfügbar sein. Dieser soll in einer Liga mit Apples Homepod (350 Euro) spielen.

Auch Google will mit seinem bislang größten Smartspeaker, dem zur IFA in Deutschland startenden Home Max (400 Euro), im Hi-Fi-Bereich punkten. Eine hochwertige Stoffbespannung soll Max wohnzimmertauglich machen - ein Ziel, das auch Harman Kardon mit seinem Assistant-Speaker Citation 500 verfolgt, der für 650 Euro auch noch ein Touchdisplay zur Bedienung auf der Oberseite trägt und drei kleinere Geschwisterboxen (200 bis 400 Euro) mitbringt. Bang & Olufsen bietet indes seine Multiroom-Speaker Beosound 1 und 2 nun auch mit integriertem Google Assistant an (1500 bis 2000 Euro Euro).

Auch Smartspeaker zu Preisen zwischen 100 und 200 Euro finden sich in den Messehallen. LGs WK7 mit Assistant an Bord kann für 180 Euro hochauflösende Musikdateien (bis 24 Bit bei 96 KHz) wiedergeben. Weil er direkt in die Steckdose gesteckt wird, ist Flexibilität dagegen mit die wichtigste Eigenschaft des Assistant-Speakers Blaupunkt PVA 100 (140 Euro). Neue Smartspeaker mit Alexa in diesem Preisbereich kommen zum Beispiel auch von Medion oder aus Hamas Sirium-Serie.

Und wie geht es weiter? Smartspeaker schicken sich bereits an, mehr zu sein als eine Musikbox und die Steuerzentrale fürs vernetzte Heim. Displays und Kameras sollen sie auch für Videochats, zum Schauen von Filmen oder zum Anzeigen von Songtexten, Kochrezepten oder Kalendern fit machen. Amazon hat es mit dem Echo Show vorgemacht. Nun folgt zum Beispiel JBL mit dem rundlichen Link View mit 8-Zoll-Touchscreen. Oder Archos mit drei Android-basierten Hello-Geräten in rund (5 Zoll) oder eckig (7 oder 10 Zoll) zu Preisen zwischen 150 und 230 Euro.

Neben Verschlussklappen für die Kameras bringen die Hellos wie viele Smartspeaker auch einen Ausschaltknopf für die Mikrofone mit. Die Geräte daran zu hindern, permanent in den Raum hineinzuhorchen, ist aber nur das eine. Selbst wenn man davon ausgeht, dass bei aktivierten Mikrofonen wirklich immer nur die letzten aufgezeichneten Sekunden nach Nennung des Aktivierungswortes an die Server der Anbieter geschickt werden: Allein die Fragen und Suchen verraten schon viel Privates. Von jenen, die nicht mit Sprachassistenten arbeiten, gab in der Bitkom-Befragung deutlich mehr als jeder Zweite (58 Prozent) die Sorge um seine Daten als Grund der Nichtnutzung an.

Jene Privatsphäre-orientierten Anwender spricht etwa das französische Unternehmen Snips an. Es arbeitet an einem Sprachassistenten namens Air, der mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) vollständig auf dem Gerät läuft, ohne Daten an Internetserver zu verschicken, und der 2019 auf den Markt kommen soll. Auf der IFA zeigen die Franzosen einen Smartspeaker und mobile Mikrofone zur Bedienung von Geräten im Haus - von der Kaffeemaschine bis zum 3D-Drucker. Andere Hersteller sollen Air integrieren und Entwickler Apps beisteuern können.

(Von Dirk Averesch, dpa)
Von Dirk Averesch, dpa