Vom Sandkasten in Liga eins

Von Stefan Fritschi
Hat seinen Rüsselsheimer Gegner Tobias Schirra im Griff: Daniel Gleim von Samurai Offenbach. Doch der zweite Kampf zwischen ihnen verläuft anders.
Hartenfelser (Hartenfelser)/FNP

Als der packende Kampf zwischen Samurai Offenbach und dem JC Rüsselsheim zu Ende war, nahm Daniel Gleim erst einmal Platz, wo sonst einer von drei Kampfrichtern sitzt. An der Schulter ließ sich der 73-Kilo-Mann des Aufsteigers behandeln, besondere Anzeichen von Schmerz waren nicht zu erkennen. Die Enttäuschung über die knappe Niederlage setzte dem 25-Jährigen da offensichtlich mehr zu.

„Am Teamgeist hat es nicht gelegen“, kommentierte Gleim das 6:8. Zur 4:3-Führung nach dem ersten Durchgang hatte der gebürtige Kasseler maßgeblich beigetragen. Mit einem Wurf hatte Gleim den Weggefährten aus Jugendzeiten und deutschen Meister von 2015, Tobias Schirra, überrascht. Auch in der zweiten Runde standen sich die beiden gegenüber. Der intensive Kampf endete unspektakulär, wegen Passivität erhielt der Samurai seine entscheidende dritte Strafe – und das 14 Sekunden vor Ablauf der Zeit.

„Im ersten Kampf war ich deutlich fitter, im zweiten hat am Ende die Power gefehlt“, konstatierte der Nordhesse. Das ist nicht unüblich bei hoher Beanspruchung, wenn man nicht verletzungsfrei durchs (Kampf-)Jahr kommt.

Für Offenbach ist Daniel Gleim nun im dritten Jahr aktiv. Interessant hatte er sich unter anderem auch mit Siegen über seine heutigen Teamkollegen Lorenz Fuchs, Sascha Puzik und Georgios Sonidis gemacht. Seinerzeit war er noch für den JC Wiesbaden am Start. Eine Saison davor hatte er für den Club aus der Landeshauptstadt schon mal Erstliga-Luft geschnuppert.

Seine schwierigste Phase in jungen Jahren hatte Gleim da bereits gemeistert. Wegen eines Wirbelbruchs fiel er 2010 komplett aus. „Es war ein Ermüdungsbruch, die Belastungen waren zu stark“, sagt Gleim und zeigt auf seine Narbe im unteren Bereich der Wirbelsäule. Vernagelt sei dieser geworden, um wieder Leistungssport auf hohem Niveau betreiben zu können. Gleim ist mit dem Ergebnis jedenfalls zufrieden.

Schnell und mit Technik

Zum Judosport kam er bereits im zarten Alter von fünf Jahren. „Ich habe im Sandkasten gerne gerungen“, sagt Gleim dazu. Allerdings nicht so erfolgreich wie gewünscht. Da habe ihn die Mutter zum Judo geschickt, und es ging aufwärts mit der Gewinnquote. „Dann hat sich immer mehr meine Technik und Schnelligkeit ausgezahlt“, grinst der Mittzwanziger. Zusammen mit Fabian Kühn zählte er bald zu den herausragenden Judokas von Grün-Weiß Kassel und machte sich für Bundesligisten interessant.

Heute bilden beide eine Fahrgemeinschaft, wenn es vom Norden in den Süden Hessens geht. „Der Klassenerhalt ist auf jeden Fall noch möglich. Wir wollen beweisen, dass wir erstklassig sind“, betont Daniel Gleim. Sein Können ist da freilich gefragt, Ausfälle kann sich der JC Samurai nicht leisten.

Stefan Fritschi