Rugby

BSC Offenbach will hoch hinaus

Von CHRISTIAN DÜNCHER
Nicht aufzuhalten: Frankfurts Nationalspieler und wohl bald Neu-Offenbacher Wynston Cameron-Dow schüttelt Heusenstamms Giorgi Elisavilli ab.
Juergen Kessler (Kessler-Sportfotografie)/FNP

Auch im Rugby ist das Transferkarussell längst in Bewegung. Für Aufsehen sorgen unter anderem die Aktivitäten von Zweitliga-Aufsteiger BSC Offenbach. Unterdessen gibt es Anzeichen dafür, dass Milliardär Hans-Peter Wild (Capri Sun) und der nationale Verband vor einer Versöhnung stehen.

Zumindest mittelfristig soll die Zweite Rugby-Bundesliga für Aufsteiger BSC Offenbach nur eine Durchgangsstation sein. Die Transferaktivitäten lassen aber vermuten, dass man direkt vorne mitmischen will. Der Ligapokalsieger von 1994 hat Informationen unserer Zeitung zufolge nämlich ein Spielmacher-Duo aus der Ersten Liga verpflichtet. Vom RK Heusenstamm kehrt Gedrängehalb Joshua Sayson zurück. An seiner Seite wird in Zukunft Verbinder Wynston Cameron-Dow spielen, der vom SC 80 Frankfurt über den Main wechselt. Der gebürtige Südafrikaner gab in der vergangenen Saison sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft und war zudem Teil der „Wild Titans“, die Deutschland im Europapokal vertraten und den zweitklassigen Continental Shield gewannen. BSC-Sprecher Bruno Vrga wollte die Personalien allerdings nicht kommentieren. „Ich habe diese Gerüchte aber auch gehört“, sagte er.

Mit Sayson und Cameron-Dow wäre man in der Schaltzentrale gut besetzt. Ob das aber reicht, um oben anzugreifen? In der West-Staffel gibt es einige ambitionierte Rivalen – wie den frisch gekürten Ligapokalsieger TGS Hausen, der um den georgischen Stürmer Georgi Elisashvili (zuletzt RK Heusenstamm) wirbt. Und im Kampf um den einen direkten Aufstiegsplatz würde man in den Play-offs wohl spätestens im Finale auf den Süd-Vertreter SC Neuenheim treffen, der direkt wieder hoch will und dafür zahlreicher Erstliga-Spielern (unter anderem vom TV Pforzheim) verpflichtet hat.

HRK-Trio für den SC 80

Der SC 80 Frankfurt hat übrigens bereits hochkarätigen Ersatz für Cameron-Dow gefunden. Vom Meister Heidelberger RK kommen übereinstimmenden Informationen zufolge mindestens drei deutsche Nationalspieler, neben den Stürmern Michael Poppmeier und Samy Füchsel auch Kickspezialist Raynor Parkinson, die Nummer eins in der Rangliste der Spielmacher der DRV-Auswahl. Das Trio war – wie fast alle HRK-Spieler – bei der von Milliardär Hans-Peter Wild (Capri Sun) finanzierten „Gesellschaft zur Förderung des Rugbysports“ angestellt, musste sich aber einen neuen Klub suchen, da Wild aufgrund eines Streits mit dem Verband seine Förderung eingestellt hat.

Das letzte Wort scheint hier aber ist aber offenbar noch nicht gesprochen. Beim WM-Qualifikationsspiel in Heidelberg gegen Tonga saß der in der Schweiz lebende Unternehmer neben dem neuen DRV-Präsidenten Robin Stalker. Es wurde für Capri Sun geworben und einige Fans dankten Wild per Plakat für dessen Engagement.

Vielleicht gibt es ja bald ein Comeback. Am Wochenende wählt das DRV-Präsidium den neuen Vorstand des Verbandes. Als Kandidaten werden auch einige Wild nahe stehende Personen gehandelt. Und: In Jürgen Zeiger (Heusenstamm) und Klaus Blank gehört ein Duo, mit dem Wild auf Kriegsfuß stand, nicht mehr dem Präsidium an. Zudem ist die erstmalige WM-Qualifikation, zu der der Milliardär dem Nationalteam verhelfen wollte, weiter möglich.

Im November geht es für die DRV-Auswahl bei einem Viererturnier um den letzten Platz für Japan 2019. Der Sieger trifft bei der Weltmeisterschaft in der Vorrunde auf Italien, Südafrika und den aktuellen Weltmeister, die legendären All Blacks aus Neuseeland. Eine bessere Werbeplattform kann man sich als Rugby-Sponsor kaum wünschen.

CHRISTIAN DÜNCHER