Handball

„Da wächst etwas Tolles zusammen“

Ganz Ohr: Viktoria Heilmann, beste Torschützin der TSG Oberursel in der Vorsaison, lauscht den Worten von Trainer Paul Günther.
Heiko Rhode (Heiko Rhode)/FNP

Ein Platz im oberen Mittelfeld wäre schön. So einen Satz würde man nie von Paul Günther hören. Wie langweilig. Man würde ihm auch gar nicht glauben. Mit viel zu viel Leidenschaft ist der Handballcoach dabei, um sich mit Mittelmaß zu begnügen. Leidenschaft, die er auch von seinen Mädels erwartet, Lust aufs Spiel, Emotion, Esprit.

„Da wächst etwas Tolles zusammen“, sagt Paul Günther von seiner neuen Mannschaft. Im zweiten Jahr ist er Trainer der TSG Oberursel, die seit Jahren zu den Top-Teams in Hessen gehört. Saisonziel? „Mit der Qualität sollten wir zumindest den Platz der Vorsaison bestätigen.“

Klingt bescheiden, zeigt aber bei genauerem Hinsehen den Anspruch des Trainers. Mit nur einem Punkt Rückstand auf Hessenmeister HSG Weiterstadt/Braunshardt/Worfelden wurde die TSGO im späten Frühjahr 2018 Vizemeister und verpasste den direkten Wiederaufstieg in die 3. Liga denkbar knapp.

Der Kern der Mannschaft, die auf dem Weg in die dritthöchste Spielklasse drei Aufstiege in Folge gefeiert hatte, blieb zusammen. Nicht weniger als sieben Neuzugänge geben dem Team von Günther aber ein neues Gesicht und zusätzliche Qualität auf mehreren Positionen.

Der Abgang von Torfrau Annika Steitz (Studium in den USA), der Rückzug von Lara Kürten, Elfi von der Wehl und Josefine Kahlstatt in die Landesliga-Mannschaft, die angekündigte Pause von Alina Lindner (England-Aufenthalt) und Nina Cutura haben Günther zum Spähen gezwungen, um eine weiterhin ambitionierte Truppe zu formieren, die auch die verletzungsbedingten Ausfälle von Julia Buße und Vanessa Müller (beide befinden sich im Aufbautraining) verkraften kann.

Das vorletzte Wochenende hat dem Trainer die Lichtblicke offenbart, die er nach der langen Aufbauarbeit erwartet hatte. Fünf Trainingstage und im Anschluss ein Turnier mit Drittligisten und Oberligisten, da zeigte sich, ob die Trainingsansätze richtig waren und gefruchtet haben. Ganz wichtig für Günther: „Dass wir da alle mit einem positiven Gefühl rausgegangen sind. Dass wir uns von Spiel zu Spiel gesteigert haben und vor allem der Teamgeist lebt. Auch nach drei Niederlagen mit einem Tor in den letzten Spielsekunden.“ Wegstecken, weitermachen. „Wir wissen, wo wir stehen, und müssen weiter Gas geben.“

Wichtige Erkenntnisse

Den Härtetest mit Blick auf den Saisonbeginn in der Oberliga hat Günthers Team also bestanden. Beim stark besetzten Mittelhessen-Cup der HSG Kleenheim/Langgöns zog sich sein junges Team gut aus der Affäre. „Wir können da mithalten, athletisch und in der Spielanlage“, das waren für den Coach die wichtigsten Erkenntnisse aus den zwei Turniertagen in Oberkleen.

Lediglich die Gastgeberinnen, aktueller Drittliga-Meister, der auf sein Aufstiegsrecht verzichtet hat, waren für die TSGO eine Nummer zu groß. 22:14 gewann die HSG Kleenheim/Langgöns, das Spiel mit geharztem Ball bekam den Oberurselerinnen in der Anfangsphase gar nicht, bereits zur Pause lagen sie mit elf Toren hinten. Positiv vermerkte Günther, dass der Favorit nur sechs Tore aus dem gebundenen Spiel machte.

Die Baustellen, auf denen bis zum Saisonstart am 15. September noch zu arbeiten ist, sind ausgemacht und teilweise auch hausgemacht. Rückzugsverhalten, Chancenverwertung bei hohem Tempo, Abschlussqualität – ähnliche Mängel hatte die TSGO-Offensive auch in der Vorsaison. Zufrieden konnte Günther nach den knappen Niederlagen gegen St. Leon (25:26), TV Netphen (17:18) und den TSV Bonn (20:21) sowie einem 20:15 gegen Oberligist TV Brühl aus der Württemberg-Liga aber sein. Die Kurve zeigt klar nach oben. Das Turnier in Oberkleen hat das Team endgültig zusammengeschweißt.

Aus Bad Soden sind mit Berrit Mies und Katharina Löbrich zwei junge Spielerinnen gekommen, mit denen Günther schon während seiner erfolgreichen Zeit dort gearbeitet hat, Löbrich behält ein Zweitspielrecht für Bad Soden, damit sie in der A-Jugend-Bundesliga auflaufen kann. Vom bisherigen Oberliga-Konkurrenten SG Bruchköbel sind Jennifer Krassmansky und Torfrau Claudia Schilling gekommen, Rückraumspielerin Lisa Greb stammt vom TV Langenselbold, Kreisläuferin Selina Walde aus Gettenau, Linksaußen Caroline Stahl rückt aus der eigenen Jugend auf.

Nach dem Turniersieg in Langenselbold bei einem allerdings eher schwächer besetzten Turnier organisierte Trainer Günther noch zwei Spiele, die eher Härtetests gleichen sollen: am Sonntag (15 Uhr) beim bayerischen Oberligisten SV Bergtheim, am Mittwoch (20.30 Uhr) bei Landesligist TSG Bürgel.

Der Saisonauftakt am 15. Septemberin der Erich-Kästner-Schule (Bleibiskopfstraße) könnte ein erstes Highlight werden – auf jeden Fall eine Standortbestimmung. Zu Gast ist die HSG Rodgau Nieder-Roden (19.30 Uhr). Der Tabellendritte der Vorsaison geht mit hohen Zielen in die Runde, „Nieder-Roden will hoch“, hat Trainer Paul Günther erfahren. Gegen eine Rückkehr in die 3. Liga würde sich auch der ehrgeizige Trainer der TSGO sicher nicht sträuben. red