04.11.2017 03:30 | Alexander Wolf

Rückwärtsläufer: Der Marathon-Mann

Main-Taunus Als es geschafft war, sank Hassan Kurt auf die Knie und in sich zusammen. Der 47 Jahre alte Taxifahrer aus Eschborn hat fünf Marathons in 29 Tagen absolviert. Nicht wie im Jahr 2011 vorwärtslaufend, sondern rückwärts – eine beispiellose Leistung, die weltweit ihresgleichen sucht.

Zieleinlauf: Hassan Kurt beim Frankfurt-Marathon.
Zieleinlauf: Hassan Kurt beim Frankfurt-Marathon. Bild: Huebner/Ulrich (Jan Huebner)

Nach 211 gelaufenen Kilometern in Köln, München, Amsterdam, Dresden und in seiner Frankfurter Heimat spürte der zweifache Familienvater nichts mehr – außer Freude und Glück, es endlich geschafft zu haben. „Auf dem roten Teppich in die Festhalle einzulaufen war wirklich ein würdiges Finale“, sagt der Extremsportler aus dem hiesigen Kreis, „wenn man überlegt, welche großen Athleten in der Sportgeschichte schon in der Festhalle aktiv waren und ich laufe rückwärts in diesen großen Ort ein…“. Nur weil er seinen Körper bei all den Strapazen „managen“ kann, dieser auch während seiner Arbeitszeit regeneriert und der Mitt-Vierziger mental tatsächlich auf einer Stufe mit Sportgrößen wie Muhammad Ali („Er hat auch in der Festhalle gekämpft und ist ein großes Vorbild“ – Kurt ) zu stehen scheint, konnte seine „nächste, verrückte Idee“ im Oktober 2017 in die Tat umgesetzt werden.

Nach einem knappen Jahr Vorbereitung startete der Weltrekordhalter im Rückwärtslaufen (100 Kilometer auf der Tartanbahn in Niederhöchstadt) sein Mammutprogramm in Köln. „Die Rheinländer mit ihrer sympathischen, offenen Art haben mir zugejubelt und mir wirklich geholfen“, berichtet Kurt vom Beginn seiner langen Rückwärts-Reise. In 5:22 Stunden – begleitet von seinem neuen, jungen Freund Jonathan, der zum ersten Mal überhaupt Marathon läuft – kommt der Eschborner ins Ziel. „Wir haben uns direkt ins Auto gesetzt und sind zurück nach Frankfurt“, berichtet der Gründer des Vereins „Reverse Runners Hessen Eschborn“. Mit seinem Physiotherapeuten Robert Thamm unternimmt Kurt noch das Nötigste, bevor er sich montags wieder ins Taxi setzt. „Ich konnte meine Arbeit unter der Woche natürlich nicht vernachlässigen.“ Weil ihm nach dem Rückwärtslaufen, anders als beim normalen Jogging, die Knie nicht wehtun, sondern eher die Waden- und Oberschenkelmuskulatur beansprucht wird, ist auch der nächste Wettkampf in München kein Problem. „Das ist eine angenehme Stadt mit frischer, aber kalter Luft“, erinnert sich Kurt an den 5:24-Stunden-Auftritt in der bayrischen Hauptstadt. Die schwerste Hürde folgt erst beim Amsterdam-Marathon. „Es war mit 26 Grad sehr heiß, und die Straßen sind dort sehr eng“, erklärt Kurt. Bei knapp 50 000 Startern in den Niederlanden muss er ab Kilometer 21 „kühlen Kopf bewahren“. „Aufgeben war sowieso keine Option, aber ich musste schon die Nerven behalten.“ Die 6:02 Stunden ziehen sich selbst für das Mentalitätsmonster in die Länge. Gut, dass er eine Woche später in Dresden schon das Ende in Frankfurt vor Augen hat.

„Beim vierten Marathon waren die Knochen wirklich müde. Die Vorfreude auf zuhause hat mich aber ins Ziel gebracht.“ Bei einer Zeit von 5:39 Stunden hat der türkisch-stämmige Extremsportler sogar noch Zeit, den Zwinger, die Frauenkirche und die Semperoper rückwärtslaufend zu bewundern. „Frankfurt war dann zwar kein Selbstläufer. Die vielen Freunde, Vereinsmitglieder und auch Fremde, die mir zugejubelt haben, haben es aber wesentlich leichter gemacht“, meint Kurt nach den 5:36 Stunden in seiner Heimatstadt. Nach den Strapazen gehe es nun darum, mit einem guten Gefühl, dem Körper eine verdiente Pause zu gönnen. „Ein paar Wochen muss man sich schon belohnen. Zum Silvesterlauf werde ich aber wieder antreten“, verrät Kurt. Und auch für das kommende Jahr hat der Rückwärtslauf-König aus dem Main-Taunus-Kreis schon eine Idee. „Hassan ohne Plan, das geht nicht“, sagt er und freut sich auf den nächsten Rekordversuch im 100-Km-Rückwärtslaufen. Im Mai 2018 sollen in Niederhöchstadt vor allem Spenden zugunsten des Vereins „Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt“ gesammelt werden . . .

(awo)

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