26.10.2017 03:30 | Daniel Gräber

Absage aus Angst vor Linken: Polizeigewerkschafter darf nicht an der Goethe-Universität sprechen

Heute Abend hätte der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft an der Goethe-Universität einen Vortrag halten sollen. Sein Thema: „Polizeialltag in der Einwanderungsgesellschaft“. Doch das Forschungszentrum, das ihn eingeladen hatte, sagte Wendt kurzerhand ab – und beugte sich damit politischem Protest von Links.

Landeskongress der Deutschen Polizeigewerkschaft
„Fernab eines aufgeklärten Diskurses“: Der Gewerkschaftsvorsitzende Rainer Wendt muss der Goethe-Universität fernbleiben. Bild: Bernd von Jutrczenka (dpa)

Eine prominent besetzte Vortragsreihe sollte es werden. Zum Auftakt hatte die Frankfurter Ethnologie-Professorin und Islamexpertin Susanne Schröter den Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft eingeladen. Rainer Wendt hätte heute Abend im Seminarhaus der Goethe-Universität über den „Polizeialltag in der Einwanderungsgesellschaft“ sprechen sollen. Doch daraus wird nichts. Schröters Büro sagte ihm kurzfristig ab – aus Angst vor linken Protesten. Zugeben will das an der Universität allerdings niemand.

Wendts Ausladung habe „keinen politischen Hintergrund“, behauptet ein Mitarbeiter des von Schröter geleiteten Universitäts-Forschungszentrums, nachdem die Frankfurter Rundschau gestern darüber berichtete. Die Zeitung erwähnt allerdings auch einen Protestbrief, den rund 60 Wissenschaftler der Goethe-Universität und anderer Institutionen unterzeichnet haben. Darin fordern sie das Forschungszentrum Globaler Islam auf, „Rainer Wendt keine Bühne an der Goethe-Universität Frankfurt“ zu bieten und den für heute Abend geplanten Vortrag abzusagen.

Gezielte Ressentiments

Sie werfen ihm vor, „fernab eines aufgeklärten Diskurses“ zu stehen, da er offensiv für eine „rassistische Polizeipraxis“ eintrete und „gezielt Ressentiments gegen Migrant*innen“ mobilisiere. Der durch zugespitzte Medienauftritte bekannt gewordene Polizeigewerkschafter verstärke „rassistische Denkstrukturen“.

Ein Mitarbeiter des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam sagt, dass der offene Brief am Montag eingegangen sei. Noch am selben Abend schreibt derselbe Mitarbeiter eine E-Mail an Wendts Polizeigewerkschaft in Berlin. Aus Sicherheitsgründen müsse der Vortrag leider abgesagt werden, heißt es darin. „Linksalternative Gruppierungen an der Universität haben gegen die Veranstaltungsankündigung mobil gemacht. Bislang waren wir von Bedrängnissen dieser Art verschont geblieben.“

„Trauriger Höhepunkt“

Gegenüber unserer Zeitung will der Absender dieser E-Mail allerdings nichts davon wissen. Die Absage habe keinen politischen Hintergrund, behauptet Schröters Mitarbeiter am Telefon. Bereits in der Vorwoche habe man sich für eine „inhaltliche Neuausrichtung“ der Vortragsreihe entschieden.

Rainer Wendt weist Rassismus-Vorwürfe vehement zurück und sagt: „Es ist bedauerlich, wenn man nicht dazu in der Lage ist, eine andere politische Position zu ertragen.“ Universitäten seien früher Orte des freien Meinungsaustauschs gewesen. „Heute sind das Orte, an denen Linke und Ganz-Linke unter sich bleiben wollen.“

Der unter Linken nicht gerade beliebte OB-Kandidat Volker Stein meldet sich ähnlich zu Wort. In einer Pressemitteilung spricht er vom „traurigen Höhepunkt einer in Frankfurt nicht mehr existierenden politischen Streitkultur“. Zuletzt hatten Proteste gegen die Präsenz rechtskonservativer Verlage auf der Frankfurter Buchmesse für überregionale Schlagzeilen gesorgt. Im Frühjahr führte ein geplanter Auftritt der damaligen AfD-Chefin Frauke Petry für hitzige Debatten in der Stadt – und schließlich zur Absage.

Präsidium hält sich heraus

Polizeigewerkschafter Rainer Wendt bekommt womöglich noch eine zweite Chance für seinen Vortrag in Frankfurt – allerdings nicht auf dem Campus. Zumindest schreibt es so der Universitätsmitarbeiter in seiner Absage-E-Mail an Wendts Büro: „Wir hoffen auf sein Verständnis und würden ihn gern unter anderen Umständen zu einer unserer zukünftigen universitätsauswärtigen Konferenzen wieder einladen dürfen.“

Die Universitätsleitung will zu dem Vorgang keine Stellung beziehen. „Die Vorbereitung und mögliche Änderung eigenverantworteter Vortragsreihen liegt im Ermessen der jeweiligen Professur“, heißt es aus der Pressestelle. „Das Präsidium war in die Entscheidungsfindung nicht eingebunden.“

Kommentare

  • Fragwürdige person
    geschrieben von thomascez (7 Beiträge) am

    Darüber bin ich erfreut

    solche Menschen sind teil des neoliberalen Systems

    sie verkaufen ihre Bücher und sind gern gesehene Talkshowgäste

    Solche Leute sind mir suspekt

  • Bravo!
    geschrieben von henry_jr (67 Beiträge) am

    Q.e.d.

  • Die neurechte "Linke-gleich-Nazis"-Masche
    geschrieben von Seckberry (375 Beiträge) am

    Erst heulen die als Nazi-Sympathisanten oder faktische Nazis Inkriminierten, sie würden völlig zu Unrecht beschuldigt, aber im gleichen Atemzug "verhalten sie sich jetzt so wie
    ihre Feindbilder und erkennen es noch nicht mal", da sie Linke gebetsmühlenartig mit der SA gleichzusetzen versuchen.

    Als paramilitärische Kampforganisation der NSDAP spielte die Ordnertruppe während der Weimarer Republik eine entscheidende Rolle beim Aufstieg der Nationalsozialisten, indem sie deren Versammlungen vor Gruppen politischer Gegner mit Gewalt abschirmte oder gegnerische Veranstaltungen massiv behinderte.

    Woran jedoch ein der damaligen NSDAP vergleichbarer Aufstieg der heutigen Linken, "der eigentlichen Nazis" erkennbar sein soll, bei den massiven Verlusten, der von der stürmischen Abteilung der National-Völkischen als linkslastig bewerteten etablierten Parteien, bleibt ein Rätsel der Rohzustands-Verdrehungstheoretiker, die zugegeben bewundernswert alleinstellungsmerkmalig-konfus daherkommen.

  • So ein Schwachsinn
    geschrieben von thomascez (7 Beiträge) am

    so ein Schwachsinn

    mach dich nicht noch lächerlicher als du bist

    Geschichtsverdrehung a la ERIKA STEINBACH

    sozialdarwinismus Rassismus und Menschenhass, iMPERIALISMUS sind typisch rechts und das hat damals 6 Millionen juden das leben gekostet

  • "Racial Profiling", Rassismus und Polizeiarbeit
    geschrieben von henry_jr (67 Beiträge) am

    Alles Nazis. Es ist immer einfacher mit Schlagworten eine Diskussion gar nicht erst über unbequeme Themen
    aufkommen zu lassen, Andersdenkende an ihrer Meinungs-
    äußerung zu hindern und verbieten. Das hatten wir schon, aber
    den vermeintlichen Intelektuellen hat man offensichtlich
    nur gesagt, dass eine gewisse Gruppe schlecht ist, nicht aber
    warum sie schlecht ist. Und so vehalten sie sich jetzt so wie
    ihre Feindbilder und erkennen es noch nicht mal.
    BKA Statistik 2016: Nichtdeutsche Tatverdächtige +4,6%, Deutsche Tatverdächtige -3,4% gegenüber des Vorjahres.
    https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/PolizeilicheKriminalstatistik/pks_node.html
    Zur Polizeiarbeit: Wenn ein Geschädigter der Polizei ein Täterprofil
    gibt, dann wird die Polizei Personen mit diesen Merkmalen überprüfen.
    Das gilt für alle Hautfarben. Rassismus? Nur wenn man denken würde,
    dass eine Ethnie besser ist als eine andere. Ansonsten ist es nur
    ein Merkmal wie Alter oder Gewicht.



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