14.11.2017 03:30 |

Mobilität: RMV will bundesweites Tarif- und Ticketsystem im Nah- und Fernverkehr

Hofheim Vernetzung und Digitalisierung sind auch für die Macher des ÖPNV die Schlagworte der Stunde. Mit Gründung des RMV vor 22 Jahren wurden 100 verschiedene Tarife im Rhein-Main-Gebiet vereinheitlicht, das Angebot vernetzt und aufeinander abgestimmt. Im digitalen Zeitalter denkt der RMV jetzt sogar noch größer.

In Neu-Anspach steht einer der ersten neuen RMV-Fahrkartenautomaten, die höhere Bedienfreundlichkeit und zusätzliche Services bieten sollen – so informiert beispielsweise ein zweites Display auf dem Dach der Automaten über etwaige Verspätungen. Bild: Pieren

Die neueste Generation der RMV-Fahrkartenautomaten wird seit einem Monat in Kelkheim-Hornau (Main-Taunus-Kreis), Köppern und Neu-Anspach (Hochtaunuskreis) getestet. Bis zum Frühjahr 2018 sollen nach und nach 638 neue Automaten an zentralen
S-Bahn- und Regionalzughaltestellen aufgestellt sein. Doch egal ob neu oder alt: Heute ist es selbstverständlich, mit einem Fahrschein zum Beispiel von Neu-Anspach nach Beerfelden im Odenwald zu fahren. Vor Gründung des RMV benötigte man drei: eine Fahrkarte aus dem Taunus nach Frankfurt, eine für die Fahrt von Frankfurt nach Michelstadt und eine weitere für den Anschlussbus nach Beerfelden.

Ebenso ist es heute normal, in Frankfurt in die U-Bahn zum Hauptbahnhof zu steigen, mit dem gleichen Ticket den Regional-Express nach Fulda zu nehmen und dort in die Buslinie 35 zu steigen. Nach weiteren 50 Minuten ist man im ersten Schnee des Winters auf der Wasserkuppe.

Mit Gründung des RMV hatte in den zusammengeschlossenen 15 Landkreisen und elf Städten die Kleinstaaterei von zig Verkehrsverbünden ein Ende. Seither gilt innerhalb des RMV-Tarifgebietes und in allen Bussen und Bahnen die Devise: „Ein Fahrschein, ein Fahrpreis, ein Fahrplan“. Einzig IC und ICE sind ausgenommen.

Vorteil Verkehrsverbund

Überall in Deutschlands Ballungsgebieten und Regionen hat das Kirchturmdenken durch die Gründung von Verkehrsverbünden längst ein Ende. In Zeiten der Digitalisierung muss die Vernetzung des öffentlichen Verkehrs aber eine Nummer größer gedacht werden.
 

„Den Fahrgästen gute und günstige Mobilität zu garantieren, ist nicht nur Daseinsfürsorge, sondern auch die Kernaufgabe unserer Branche. Dazu ist es unerlässlich, Befindlichkeiten zurückzustellen und gemeinsam Mobilität neu zu denken“, forderte RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat jüngst auf dem Deutschen Mobilitätskongress in Frankfurt vor 300 Fachleuten und Experten.

Kundenfreundlichkeit sei heute dann gegeben, wenn der gesamte öffentliche Verkehr in Deutschland auf einer gemeinsamen Plattform dargestellt werden könne. Mit einer Anmeldung und einem Ticket müssten alle Angebote verfügbar sein. Damit meint er nichts anderes als den Verbundgedanken für den ÖPNV auf eine bundesweite Ebene zu stellen.

Will heißen: Leser dieser Zeitung aus Hünfelden (Landkreis Limburg-Weilburg) oder aus Heinzenberg (Hochtaunuskreis) könnten künftig online eine einzige Fahrkarte für die Fahrt in den entlegensten Winkeln der Republik lösen. An Ort und Stelle könnten sie in den Bus steigen und nach viermaligem Umsteigen mit der Usedomer Bäderbahn das Seebad Heringsdorf erreichen.

Gemeinsame Plattform

Auch ein Berliner könnte dann bestens vernetzt mit einem Ticket aus Pankow zu Verwandten mit dem Rüsselsheimer Stadtbus der Linie 52 nach Haßloch kommen. Ringat setzt als Initiator und treibende Kraft der Initiative „Mobility Inside“ (siehe nebenstehenden Text) alles daran, dass diese Vision bald Wirklichkeit wird.

„Das ist die Idee einer gemeinsamen Plattform zur Vernetzung von Tarifen, Tickets und Fahrplaninformationen im öffentlichen Nah- und Fernverkehr in ganz Deutschland“, erklärt der RMV-Chef auf dem Kongress die Vernetzungsinitiative. Ringat ist in der Verkehrs- und Mobilitätsbranche als Vizepräsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen ein anerkannter Vordenker. Klar, dass der RMV bei der Entwicklung digitaler Strategien und Angebote eine Vorreiterrolle hat.

Nirgendwo sonst in Deutschland sind bereits so viele Kunden mit einem E-Ticket unterwegs, wie beim RMV. Auch die neueste Generation der Fahrkartenautomaten ist Teil des Digitalisierungsprozesses: Sie sind bereits für den nächsten digitalen Quantensprung gerüstet. „Als erster deutscher Verkehrsverbund hat der RMV ein verbundweites Hintergrundsystem geschaffen, das die Grundlage für eine deutschlandweite Vernetzung des ÖPNV ermöglicht“, sagt Ringat.

Kommentare

  • Ticket
    geschrieben von Dwoehler (87 Beiträge) am

    Es scheint bei den Verkehrsbetrieben Leute zu geben, die den Ticketverkauf so kompliziert wie möglich machen. In den USA bspw. schiebt man einen Dollar in den Automaten und fährt bis zu seinem Ziel. Hier braucht man für den Kauf eines Tickets einen Hochschulabschluß. Ich bin täglich am Flughafen und sehe an den (wenigen) Automaten endlose Schlangen von verzweifelten Touristen, aber niemanden vom RMV oder der Bahn, der hilfreich zur Seite steht. Überall Werbung für Etickets aber erklär mal einem Touristen, das er dafür bspw. nach Frankfurt an die Konstablerwache fahren muß. Die lachen ja einen aus. Macht das Lösen von Tickets so einfach und unkompliziert wie möglich. Die KJrönung ist ja das Anschlussticket. Ich wette das 90% der Menschen nicht wissen, was dies ist und wie man dieses am Automaten erwirbt.
    Zum Eticket..früher habe ich bei der Monatskarte 2 Belege bekommen. Beim Eticket bekomme ich monatlich 3 Belege nach Verlängerung am Automaten. Wo ist die Einsparung an Papier?

  • nee, Xela, das ist nciht Wurscht
    geschrieben von igeligel (189 Beiträge) am

    viele steigen auch deshalb nicht um, weil sie mit der Tickeritis meinen nicht zurecht zu kommen. Deshalb finde ich die Idee des mindestens deutschlandweiten tickets richtig und gut. dass der ÖPNV auch wieder in die Fläche muss, ist doch sowieso langsam hoffentlich jedem klar...

  • Mehr Strecken, weniger Schnickschnack
    geschrieben von Xela77 (143 Beiträge) am

    Anstatt immer neue Gimmicks zu kreieren, sollten die Verkehrsverbünde wieder in die Fläche zurückkommen, aus der sie sich wegen geringerer Fahrgastzahlen zurückgezogen haben. Mittlerweile haben viele den Wunsch, mit dem ÖPNV zu pendeln anstatt mit dem eigenen Kfz im Dauerstau zu stehen. Das setzt aber ein entsprechendes Angebot voraus. Mir ist dabei vollkommen Wurscht, ob ich ein elektronisches Ticket oder eine altbewährte Fahrkarte aus Papier benutzte.



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