20.09.2017 03:30 |

Notfallversorgung: Schnelle Hilfe aus der Luft: Unterwegs mit dem Rettungshubschrauber Christoph 2

Frankfurt Drei bis vier Mal täglich hebt der Rettungshubschrauber Christoph 2 ab, um Menschen in akuter Not zu helfen. Ein Knochenjob für alle Beteiligten an Bord.

Jetzt muss es schnell gehen: Der Patient ist im Helikopter und muss in die Klinik.

Es ist 15.45 Uhr und ein warmer Tag, als der Helikopter Christoph 2 auf dem Dach der BG-Unfallklinik in Frankfurt landet. An Bord ein Rettungssanitäter, der Pilot und ein Notarzt. Diesmal kommen sie ohne Patient von einem Einsatz aus dem Odenwald zurück. Ein kleiner Junge erlitt beim Grillen schwere Verbrennungen und musste sofort in eine Spezialklinik für Brandverletzungen transportiert werden. „Das sind auch für uns immer wieder grausame Unfälle“, sagt Uwe Schweigkofler, leitender Arzt des Notfall und Rettungszentrums. „Jeder Einsatz ist ergreifend, aber gerade Einsätze mit Kindern gehen uns sehr nahe.“

Nach Eingang des Notrufs geht alles blitzschnell. Wird ein Helikopter angefordert, zählt jede Minute – und es dauert keine zwei, bis die Mannschaft startklar ist. Die Leitzentrale klärt in Verbindung mit dem Traumanetzwerk, welche Klinik am besten geeignet ist und ein intensivmedizinisches Bett frei hat.

Zum Einsatzbereich von Christoph 2 gehört der Radius von 60 Kilometern rund um Frankfurt, unter anderem Taunus, Odenwald und Wiesbaden. Schweigkofler: „Am häufigsten fliegen wir nach einer Rettung die Dächer einiger Kliniken in Frankfurt sowie in Offenbach an. Nach Darmstadt können wir nicht, da gibt es an der Klinik noch keine Landemöglichkeit. Wir fliegen aber auch nach Fulda, Ludwigshafen oder Würzburg. Wenn Hilfe vonnöten ist, werden keine geografischen Grenzen gezogen.“

Hochqualifiziert

Hochmotiviert und hochqualifiziert leisten sie von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang eine herausragende Arbeit in unserer Gesellschaft. Sie müssen sich blind aufeinander verlassen können und in jeder Situation einen kühlen Kopf bewahren. Aber die drei haben auch Verantwortung füreinander und müssen auf ihre eigene Sicherheit bedacht sein. Dazu Pilot Andreas Pöhler von der Bundespolizei-Fliegerstaffel Fulda: „Wenn sich einer aus dem Team nicht wohlfühlt, dann ist der Einsatz abgebrochen. Es geht nur, wenn wir alle sauber funktionieren.“ An etwa vier bis fünf Tagen im Jahr kommt es vor, dass die Wetterverhältnisse einen Start verhindern. „Wenn wir dann eine Meldung von einem schweren Unfall erhalten, bei dem eine Person unter einem Lkw liegt und wir hier nicht weg können, dann stehen wir alle maximal unter Strom“, so Schweigkofler.

www.kai-abresch.de Foto: Kai Abresch
Landung auf dem Dach der Unfallklinik.

Etwa drei bis vier Mal täglich startet Christoph 2, um Leben zu retten. In rund 60 Prozent der Einsätze holt die Luftrettung schwer verletzte Menschen aufgrund von Auto- , Motorrad- und Fahrrad- sowie Berufsunfällen vom Ort des Geschehens ab. Andere Gründe sind Schlaganfälle, Krampfanfälle, Herzinfarkte und manchmal Geburten.

Unnötige Notrufe

Aber es gehe nicht immer um Leben und Tod, wenn ein Hubschrauber angefordert wird. Seit einigen Jahren, berichtet der Arzt, hätten sie vermehrt Einsätze in Alten- und Pflegeheimen. Dabei zweifelt er immer öfter an deren Sinnhaftigkeit. „Häufig kommen diese Notrufe wegen des nicht mehr überall funktionierenden Hausarztsystems.“ Auch das Anspruchsdenken in der Gesellschaft auf Notfallversorgung werde immer stärker. Schweigkofler: „Allein in Frankfurt steigt die Zahl der allgemeinen Rettungseinsätze um 20 000 jedes Jahr an.“

Auch wenn das Team gelernt hat, professionell mit den Geschehnissen umzugehen, erlebt es immer wieder Dinge, die schwer zu ertragen sind. Die Arbeit verändere den Respekt vor dem Leben und erinnere daran, auf welch dünnem Eis wir uns bewegen. Schweigkofler: „Wenn ein 40-jähriger Mann auf dem Tennisplatz vor den Augen seiner Frau und Kindern einen Herzinfarkt bekommt und wir den nicht mehr zurückholen können, dann ist das grausam, das braucht kein Mensch. Bevor ich die Wiederbelebungsmaßnahmen beende, frage ich jeden im Team, ob das okay ist, obwohl ich weiß, dass es vorbei ist. Aber wenn die anderen noch nicht so weit sind, das zu akzeptieren, dann mache ich noch eine gewisse Zeit weiter.“

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