13.02.2016 03:00 | Nele Hüpper

Beste Kumpels, größte Gegner

Passen Rivalität und Freundschaft im Hochleistungssport zusammen? In Einzeldisziplinen dreht sich alles um den Athleten und seine Leistungen im Schwimmbecken, auf der Tartanbahn oder am Turngerät. Haben Freundschaften mit direkten Konkurrenten überhaupt eine Chance? Oder muss man sich eher fragen: Warum sollten solche Freundschaften nicht gerade deshalb funktionieren?

Rivalen am Reck: Epke Zonderland (li.) und Fabian Hambüchen.
Rivalen am Reck: Epke Zonderland (li.) und Fabian Hambüchen. Bild: imago sportfotodienst

Freundschaft im Hochleistungssport – geht das überhaupt in einer Einzelsportart? Bei Mannschaftssportarten wie Fußball oder Handball spielt das Teamgefüge eine große Rolle. Aber beim Kunstturnen? Da gibt es den Athleten und seine Geräte. Mehrere Stunden Training jeden Tag, Wettkämpfe egal zu welcher Jahreszeit, strenge Diäten – der Weg zum Erfolg ist mehr als nur hart.

Wie schaffen es erfolgreiche Sportler wie Fabian Hambüchen, nebenbei auch noch ein soziales Leben oder Zeit für Familie und Freunde zu haben? Bei Hambüchen funktioniert es. Auch über die Grenzen von Nationalitäten und Rivalitäten hinweg. Er und der ein Jahr ältere Epke Zonderland sind Freunde – das sagen beide, unabhängig voneinander.

Die Geschichte der Freundschaft zwischen dem damaligen deutschen „Turnfloh“ Fabian Hambüchen und dem Niederländer Epke Zonderland beginnt 2004, bei der Jugend-Europameisterschaft in Slowenien. Hambüchen ist zu dem Zeitpunkt 17, Zonderland 18. In einer Dokumentation über die beiden Freunde und Rivalen sagt Hambüchen: „Es war nett, ihn dort kennen zu lernen.“

Infolge dieses ersten Aufeinandertreffens auf sportlicher Ebene folgt die Verbrüderung auch auf privater Ebene. Beide sind zu diesem Zeitpunkt vor allem eins: jung. Aber sie sind auch ehrgeizig – und die Erfüllung der Turnhoffnungen ihrer jeweiligen Nation. „Wir sind beide dazu imstande, hart für unsere Ziele zu arbeiten, alles für diese Ziele zu tun und Opfer zu bringen“, erzählt Zonderland.

Doch wo es Gemeinsamkeiten gibt, da gibt es natürlich auch Unterschiede. Im Fall der beiden Gerätekünstler ist es die Art und Weise, wie sie turnen. Hambüchen ist ein Alleskönner. Er spezialisiert sich ganz im Gegensatz zu Zonderland nicht auf ein oder zwei Geräte. Und er geht weniger Risiko ein als sein niederländischer Kollege und Freund.

Für Zonderland zahlt sich das meistens aus, wie bei den Olympischen Spielen 2012 in London. Der Niederländer landet mit einer Serie von drei spektakulären Flugteilen hintereinander auf dem Goldrang, während Hambüchen mit der sicheren Variante Zweiter wird. Doch auch in der vermeintlichen Niederlage zeigt sich der Deutsche als respektvoller Sportler und insbesondere als Freund. „Er verdient die Goldmedaille, ich freue mich sehr für ihn“, sagte der Silbermedaillengewinner damals, und man sieht ihm und Zonderland diese Freude auch auf Bildern an.

Zusammen ganz oben

„Wir sind sehr gleich, in vielerlei Hinsicht. Aber was in diesem Moment der größte Unterschied zwischen uns war: Ich habe mehr riskiert, und das hat sich als erfolgreich herausgestellt“, so Zonderland.

Für Hambüchen stand nicht seine Niederlage im Vordergrund, wobei auch festzustellen ist, dass eine Silbermedaille in einem olympischen Turnwettbewerb alles andere als eine Enttäuschung ist. „Wir beide standen da oben, im Blitzlichtgewitter. Wir beide, als Europäer. Es war ein unvergesslicher Moment“, sagt Hambüchen in einer Dokumentation von 2013.

Hochleistungssport und Freundschaft wie bei Hambüchen und Zonderland funktioniert vor allem dann, wenn die Sportler wissen, womit der andere sich herumschlagen muss. Verletzungen, tägliche Entbehrung, wenig Normalität, denn der Alltag wird vom Training dominiert. Aber so eine Freundschaft wie die der beiden Turnstars zeigt auch, was gemeinsame Liebe zum Sport bewirken kann.

Nicht unwichtig ist zudem, dass sich die beiden schon zu Beginn ihrer Karrieren kennen und schätzen gelernt haben. Die Freundschaft von Fabian Hambüchen und Epke Zonderland zeigt auf berührende Art und Weise, wie direkte Konkurrenten sich unterstützen und selbst immer wieder zu Höchstleistungen bringen können. Und wie eng verzahnt Freundschaft und Sport doch miteinander sein können.

Kommentare



zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Ein neues Posting hinzufügen


Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername: *
gewünschtes Passwort: *
Wiederholung Passwort: *
E-Mail: *
Kundennummer falls vorhanden:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage: Welche Farbe entsteht, wenn man Rot und Gelb mischt?: 

Weitere Artikel aus Projekt Junge Zeitung

pjz - Projekt Junge Zeitung +++ Aufgenommen in der FNP Redaktion , Frankfurt am Main, von Christian Christes >> Veröffentlichung nur gegen Honorar zzgl. MwSt, Tel: 0163 - 510 26 21, Mail: info@chrischristes.de
Frankfurt
|
Projekt Junge Zeitung

„Wir wollen über Werte sprechen“

Weitere Artikel aus Projekt Junge Zeitung

Isabells Held: Tino Nazareth
Main-Taunus
|
Projekt Junge Zeitung

Helden, Träume und die Krux mit der Schule

Rubrikenübersicht