22.12.2016 11:26 |

PJZ-Teilnehmer Timo Sørensen verbringt Weihnachten in Israel: Dem Ursprung ganz nah

Wehrheim/Petach Tikvah Bereits drei Mal hat Timon Sørensen als Schüler am Projekt Junge Zeitung mitgemacht. Nach seinem Abitur ist unser Nachwuchs-Autor für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Israel geflogen. Für die Taunus Zeitung berichtet er von seinen Eindrücken kurz vor dem Weihnachtsfest aus dem Heiligen Land.

In Betlehem hat PJZ-Autor Timon Sørensen diesen Weihnachtsbaum vor der Geburtskirche Jesu fotografiert.
In Bethlehem hat PJZ-Autor Timon Sørensen diesen großen Weihnachtsbaum – aus Plastik – vor der Geburtskirche Jesu fotografiert. Bild: Pieren

Petach Tikvah, übersetzt „Tor der Hoffnung“, so heißt mein neues Zuhause in Israel. Diese Stadt nahe der Mittelmeerküste ist mit etwas über 200 000 Einwohnern eine der größten Städte des Landes, kommt aber bei weitem nicht an das benachbarte Tel-Aviv oder Jerusalem heran, das etwa 40 Kilometer entfernt liegt.

Ist man in diesen Tagen in den Straßen der Stadt unterwegs, ist die Vorweihnachtszeit nicht das erste, das einem in den Sinn kommt: Die Menschen gehen ihrem Arbeitsalltag nach, der Verkehr läuft rund um die Uhr, und von besonderem Schmuck an Laternen und Häusern ist nichts zu sehen. Nachdem ich noch vor einem Monat bei angenehmen 30°Grad Celsius T-Shirt und kurze Hose tragen konnte, ist es jetzt merklich abgekühlt, Temperaturen um die 12°Grad und Regenschauer bestimmen das Wetter. Herbstlich ist es so schon eher, aber keinesfalls winterlich – nach deutschen Vorstellungen.

Advent kein Thema

Tatsächlich könnte man hier fast vergessen, dass Weihnachten vor der Tür steht. Mit Lichterketten ausgeschmückte Straßen und Weihnachtsmärkte? Fehlanzeige. Auch als Gesprächsthema taucht die Adventszeit kaum auf. Interessanterweise bringt das jüdische Lichterfest „Channukkah“, das in diesem Jahr gleichzeitig mit Weihnachten stattfindet, fast ebenso wenig Atmosphäre in der Stadt mit sich, zumindest noch nicht in den Tagen vor Beginn des Festes.

In meinem Alltag ist es schließlich allein der Kontakt nach Deutschland, der mich an das Fest erinnert. Mit einer Ausnahme: Besucht man eine christliche Gemeinde in der Umgebung, zum Beispiel die „Baptist Church“ etwas außerhalb von Petach Tikvah oder eine philippinische Gemeinde in Tel-Aviv, merkt man, in welcher Zeit des Jahres wir uns gerade befinden.

Hier geht es schon viel um Weihnachten, mit Lichtern und kleinen Plastik-Weihnachtsbäumen, und natürlich den Weihnachtsliedern auf Englisch, die während des Gottesdienstes gesungen werden.

Auch in meiner Wohngemeinschaft gibt es kleine Erinnerungen an das Fest, vor allem der Adventskranz auf dem Esstisch – trotzdem erscheint er wie ein verzweifelter Versuch, in dieser jüdisch geprägten Stadt wenigstens ein bisschen Weihnachtsstimmung zu erzeugen.

Etwas anders sieht es in Bethlehem aus, dem Geburtsort von Jesus Christus. Hier steht ein großer, künstlicher Weihnachtsbaum vor der Geburtskirche, und der Tourismus profitiert von den vielen Besuchern aus aller Welt, die sich für eine besondere Weihnachtsfeier versammeln.

Neue Erfahrung

Trotzdem wird deutlich, dass Weihnachten in Israel eine völlig andere Erfahrung ist als in Deutschland. Der Schmuck und die Lieder der Weihnachtszeit wie auch die Weihnachtsmärkte fehlen völlig, und als Volontäre aus Deutschland sind wir die einzigen, die an den Weihnachtsfeiertagen nicht zur Arbeit kommen müssen.
Die Stimmung, aber auch der Stress der Adventszeit, gehen hier somit völlig an uns vorbei. Ein wenig vermisse ich dieses Gefühl, und doch bietet der Advent in Israel die Möglichkeit, sich auf das Wesentliche von Weihnachten zu konzentrieren: Die Geburt des Retters, der die Gerechtigkeit brachte für alle, die an ihn glauben.

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