15.04.2016 03:30 | Peter Schmitt

Chefredakteure 1946-47: Die bedeutendsten Köpfe der FNP

August Heinrich Berning und Dr. Hugo Stenzel bauten in den ersten Jahren die Frankfurter Neue Presse auf. Sie waren die ersten von vielen Chefredakteuren, die das Blatt geprägt haben.

August Heinrich Berning
August Heinrich Berning

Ohne ihre großen und bedeutenden Köpfe hätte die Frankfurter Neue Presse nie an Bedeutung und Ansehen gewinnen können. In den allerersten Jahren nach dem Krieg waren das Hugo Stenzel und August Heinrich Berning. Beide fungierten als Herausgeber und Chefredakteur zugleich und waren damit maßgeblich am wichtigen Aufbau in der sogenannten Stunde null beteiligt.

Dr. Hugo Stenzel war Ministerialrat im hessischen Innenministerium in Wiesbaden. Er wurde von der Militärregierung mit dem Aufbau der Redaktion beauftragt. Ihm zur Seite stand August Heinrich Berning, der dafür seine Funktion als Mitherausgeber der „Hessischen Nachrichten“ in Kassel aufgab und nach Frankfurt ging.

Beide Lizenzinhaber waren Katholiken. Berning, der lange Zeit bei rheinischen Zeitungen tätig war, stand der Zentrumspartei nahe, und Stenzel war Mitbegründer der Christlich-Demokratischen Union in Nordhessen. Für ihn bedeutete der Ruf der Amerikaner die Rückkehr in seinen erlernten Beruf – nach 13 Jahren.

Dr. Hugo Stenzel
Dr. Hugo Stenzel
Am 14. Juli 1933 hatte er als Gegner des Nationalsozialismus seine Tätigkeit als Redakteur aufgeben müssen und sich fortan mit einer Leihbücherei über Wasser gehalten. 1939 war er zur Kasseler Polizei zwangsverpflichtet worden, und direkt nach Kriegsende hatten ihn die Amerikaner zunächst zum Kasseler Polizeipräsidenten ernannt und dann als Ministerialrat ins damalige Groß-Hessische Innenministerium berufen. Berning, am 17. Februar 1895 geboren, war bis zum Verbot durch die Nationalsozialisten außerdem Mitherausgeber der Zeitschrift „Das Wort in der Zeit“. Er wurde zum ersten Chefredakteur ernannt. Hugo Stenzel wurde zweiter Chefredakteur.
 

Re-Demokratisierung und Entmilitarisierung

Die Lizenz für Zeitung und Führungspositionen erteilte die US-Militärregierung in Hessen. Kontrolliert wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in der US-Besatzungszone alle Tageszeitungen vom Information Control Division (ICD), einer Propaganda- und Zensurabteilung der amerikanischen Besatzungsmacht in Deutschland. Sie hatte unter anderem die Re-Demokratisierung und Entmilitarisierung der deutschen Gesellschaft zum Ziel.

Die ICD überwachte auch die FNP vor allem auf Einhaltung der politischen Unabhängigkeit und der demokratischen Grundsätze. Sie setzte August Heinrich Berning am 31. Juli 1947 ab, weil er einen der Presseoffiziere der Behörde als Anarchisten bezeichnet haben soll.

Nur fünf Tage später präsentierte die Kontrollbehörde Bernings Nachfolger, der politisch das genaue Gegenteil seines Vorgängers sowie des verbliebenen Chefredakteurs Hugo Stenzel darstellte: Leopold Goldschmidt war zuletzt politischer und kulturpolitischer Redakteur einer Zeitung der deutschen Sozialdemokratie („Sozialdemokrat“) in der Tschechoslowakei gewesen. Für den Prager Rundfunk hatte er als Leiter für deutsche Arbeitersendungen gearbeitet. 1938 war der überzeugte Antifaschist Goldschmidt vor den Nazis geflüchtet, hatte seine gesamte Familie bis auf einen Sohn im Konzentrationslager Auschwitz verloren.

Auseinandersetzungen über die politische, journalistische und personelle Ausrichtung blieben nicht aus. Eineinhalb Jahre nach Amtsantritt warf Goldschmidt das Handtuch. Stenzel blieb als alleiniger Verleger und Chefredakteur.

Der am 8. Januar 1901 geborene Stenzel, ein promovierter Staatswissenschaftler, war wegen seiner Zugehörigkeit zur Zentrumspartei von den Nazis 1933 aus seinem Beruf als Redakteur vertrieben worden. Er war wesentlich am organisatorischen Wiederaufbau des Landes nach dem Krieg beteiligt, als Oberregierungsrat, als Polizeichef, als Ministerialrat, als Mitgründer der CDU-Hessen und als Polizeipräsident. Aber er kehrte in seinen alten Beruf als Redakteur zurück.

Am 16. April 1946 erhielt Stenzel die alleinige Lizenz der FNP. Als es der Lizenz für die Frankfurter Neue Presse nicht mehr bedurfte, gab Dr. Hugo Stenzel den Posten des Chefredakteurs ab und widmete sich vollständig der Verlagsarbeit. Er blieb der Verleger der FNP bis zu seinem Tod.

Gleichzeitig baute Stenzel die Deutsche Presse-Agentur (dpa) mit auf, war deren Aufsichtsratsvorsitzender und ab 1951 erster Vorstandschef des Gesamtverbands deutscher Zeitungsverleger. Nach der Fusion mit dem Bundesverband wurde Stenzel dessen Präsident. Für die Frankfurter Dena AG saß er im Aufsichtsrat, bei den Vereinigten Wirtschaftsdiensten (VWD) im Verwaltungsrat.

Nach der Fusion der Frankfurter Societäts-Druckerei mit dem Verlag Neue Presse GmbH 1958 teilte sich Stenzel die Geschäftsführung mit Werner Wirthle. Stenzel starb, mit 63 Jahren, am 20. Juli 1964.

(itt)

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