15.04.2016 03:30 |

Ohne die FNP würde ihm etwas fehlen

Fritz Koffler ist ein Leser, wie ihn sich eine Zeitungsredaktion nur wünschen kann. Jeden Tag setzt er sich nach dem Frühstück gegen 7.30 Uhr an den Tisch im Wohnzimmer und vertieft sich in die Artikel. Ein Hausbesuch.

Fritz Koffler in seinem Wohnzimmer bei der Lektüre.
Fritz Koffler in seinem Wohnzimmer bei der Lektüre. Bild: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA

Fritz Koffler ist ein Leser, wie ihn sich eine Zeitungsredaktion nur wünschen kann. Jeden Tag setzt er sich nach dem Frühstück gegen 7.30 Uhr an den Tisch im Wohnzimmer und vertieft sich in die Artikel. „Zwei Stunden bin ich dann beschäftigt“, erzählt er. Auch nach dem Mittagessen und am Abend greift er zu seiner Frankfurter Neuen Presse – „je nachdem, was sonst noch so anliegt“. Der 82-Jährige ist nicht nur einer der fleißigsten Leser dieser Zeitung, sondern auch einer der treuesten Wegbegleiter. Koffler liest die FNP fast schon seit ihrem Bestehen.

Irgendwann in den Jahren 1947 bis 1948 – so genau weiß das Fritz Koffler nicht mehr – fing sein Vater Otto an, für die FNP zu arbeiten, und zwar als Buchhalter (er blieb es bis zu seiner Rente). Seitdem gehörte die Zeitung zum Leben der Familie dazu, die in der Berger Straße im Frankfurter Stadtteil Bornheim wohnte. Und Fritz Koffler, ein Bernemer Bub von damals 13 Jahren, las. Nicht nur die Zeitung. Er verschlang die Werke von Karl May und Jules Verne, studierte Homers Ilias und germanische Göttersagen. Aber die FNP ließ ihn nicht mehr los. Er verfolgte in den Jahren darauf das Weltgeschehen und die Entwicklungen in seiner Stadt. Walter Kolb, das Frankfurter Stadtoberhaupt von 1946 bis 1956, ist für ihn bis heute der bedeutendste Oberbürgermeister der Stadt. Neben ihm will er höchstens noch Petra Roth gelten lassen.

In der Regel ist Koffler mit seiner Zeitung zufrieden, aber manchmal ärgert er sich. „Das ist der Fall, wenn Überschriften knallig formuliert sind, die Sache im Text aber relativiert wird. Und teilweise steht dort auch das genaue Gegenteil.“

Bei den Leserbriefen runzelt er oft die Stirn. „Da kann einem schon Angst und Bange werden, wenn man sie liest.“ Koffler bezieht sich auf die vielen Leserkommentare zur Flüchtlingskrise, welche die FNP in den vergangenen Monaten veröffentlicht hat. Viele haben darin mit harschen Worten die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel kritisiert. „Das müssen richtige Miesmacher sein“, findet Koffler. Es stimme schon, sagt er, die Willkommenskultur der Kanzlerin sei „ein wenig aus dem Ruder gelaufen“. Er fügt aber hinzu: „Das alles schlichtweg zu verdammen, halte ich für falsch.“ Der 82-Jährige erinnert daran, dass die Kanzlerin im Ausland ein hohes Ansehen genieße und dass die deutsche Wirtschaft brumme. „Da kann man nicht alles schlechtmachen.“

Die Ausgabe zur
Mondlandung hat er noch

Koffler selbst ist zwar eifriger Leser, und er greift auch zum Telefonhörer und ruft in der Redaktion an, wenn ihn etwas allzu sehr stört. Aber Leserbriefe schreibt er selten, „vielleicht zwei oder drei in den vergangenen zehn Jahren“.

Mit seiner Ehefrau Helga lebt Fritz Koffler seit über 50 Jahren in Nieder-Eschbach. Wenn sie etwas Interessantes in der Zeitung lesen, heben sie es auf. Die FNP-Ausgabe vom 22. Juli 1969, dem Tag nach der Mondlandung der Apollo 11, haben sie noch. Auch die Jubiläumsbeilage zum 60. Geburtstag der Zeitung liegt griffbereit. Fritz Koffler hat außerdem einen Ordner im Regal stehen, in dem er journalistische Artikel über historische Ereignisse aufbewahrt, vieles davon stand in der FNP.

Koffler war über 30 Jahre bei dem Computerunternehmen IBM beschäftigt und kümmerte sich schon in den 60er und 70er Jahren um Wartung und Reparatur der damaligen Großmaschinen. Er weiß, wie Computer funktionieren, und auch, welche Gefahren bestehen, infiltriert zu werden. Aus diesem Grund hat er zu Hause keinen PC . Er ist noch ganz in der analogen Welt verhaftet – und seine Zeitung mag er deshalb nicht missen.

Nach dem Frühstück nimmt er sich den ersten Teil der FNP, seine Frau den Lokalteil. „Und dann lesen wir uns vor, wenn wir auf etwas stoßen, was den anderen interessieren könnte.“

Sven Weidlich

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