15.04.2016 03:30 | Mirco Overländer

Leser Horst Nopens & seine FNP: Stets um Ausgleich bedacht

Horst Nopens ist einer der eifrigen Leserbriefschreiber der Frankfurter Neuen Presse. Wir haben ihn besucht.

In seiner Wohnung im Frankfurter Stadtteil Oberrad hat sich Horst Nopens eine stattliche Bibliothek eingerichtet.
In seiner Wohnung im Frankfurter Stadtteil Oberrad hat sich Horst Nopens eine stattliche Bibliothek eingerichtet.

Ob es sich um Straßenschäden im Frankfurter Stadtteil Oberrad oder die internationale Flüchtlingskrise handelt – kein Thema ist Horst Nopens zu klein oder zu groß, als dass er sich nicht mit der stets gleichen Akribie, seinem bemerkenswerten historischen Wissen und sachlichen Argumenten zu Wort melden würde. Seit Anfang der 1970er Jahre ist Nopens treuer Leser dieser Zeitung und hat seither so manche Debatte durch seine Leserbriefe bereichert.

Jahrelang prägte der 79-Jährige als Vorsitzender des Bürgervereins Oberrad auch das Geschehen in seinem „Gärtnerdorf“. „Ich bin schon immer ein Team-Mensch gewesen und habe von Anfang an versucht, andere zu unterstützen“, erklärt Nopens, was ihn immer wieder aufs Neue antreibt, sich auch in knifflige Diskussionen einzuklinken und sich als Stimme des Ausgleichs Gehör zu verschaffen.

Durch die Wirren der
Nachkriegszeit geprägt

Nopens stammt ursprünglich aus Königsberg, dem seit Ende des Zweiten Weltkriegs zu Russland gehörigen Kaliningrad. In seiner ostpreußischen Heimat erlebte Nopens verheerende Flieger-Angriffe und verbrachte quälend lange Nächte in Luftschutzbunkern. „Wir sind, wie das damals üblich war, von dieser Gefahrenzone aufs Land evakuiert worden. Das war für mich eine paradiesische und friedliche Zeit“, entsinnt sich Nopens.

Doch nachdem das Haus seiner Eltern zerstört wurde, flüchtete die Familie 1945 zu Verwandten einer Nachbarin ins sächsische Eisleben. „Für uns war das sehr schwer, es gab keine Einkünfte. Meine Mutter kam vom Land und war einfache Hausfrau. Mein Vater war noch in Kriegsgefangenschaft“, erinnert sich der heimatvertriebene Oberräder an seine Jugend im innerdeutschen Exil. Um sich durchzuschlagen, habe er im Alter von neun Jahren Zeitungen verkauft, gebettelt und Kohlen gestohlen. In der Schule wurde Nopens wegen seiner ostpreußischen Abstammung von Klassenkameraden gehänselt, früh habe er lernen müssen, sich gegen Anfeindungen zur Wehr zu setzen – notfalls auch mit den Fäusten.

Nach zwei erfolglosen Versuchen schaffte die Familie schließlich die Flucht aus der wenig gastlichen Ostzone. „1947 sind wir schließlich in Uelzen gelandet, in einem riesigen Flüchtlingslager. Dort haben wir mit Tausenden anderen in Holzbaracken gelebt, nebeneinander wie die Heringe auf Strohbetten“, entsinnt sich Nopens an die ersten Wochen in Westdeutschland. Seinen Flüchtlingsausweis hat der Pensionär bis heute aufbewahrt.

Es sind jene beschwerlichen Jugendjahre, die seinen Gerechtigkeitssinn geschärft haben und Horst Nopens bis heute veranlassen, für jene einzutreten, deren Stimme nicht laut genug ist, um gehört zu werden. Beispielhaft sind seine Einlassungen zur aktuellen Flüchtlingskrise. „Die jetzt in einem rasanten Tempo entstandene Flüchtlingslawine wird in wenigen Jahrzehnten nur eine Notiz in den Geschichtsbüchern sein“, prophezeit der geschichtsbewusste Oberräder in einem seiner Leserbriefe und verweist auf Frankfurt, wo seit jeher unterschiedliche Kulturen friedlich zusammenleben.

Auch Horst Nopens, das einst bettelarme Flüchtlingskind aus Ostpreußen, suchte und fand in der Mainmetropole sein Glück. 1955 kam er hierher, da sein aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrter Vater bereits eine Anstellung in Frankfurt gefunden hatte. „Ich wohnte zunächst in einem Männerwohnheim in der Langen Straße“, erinnert er sich. Bald begann er eine Lehre als technischer Zeichner in Rödelheim. Danach arbeitete Nopens 30 Jahre lang im IG Farben-Hochhaus für die US-Armee als Planungsingenieur. „Dadurch, dass ich dort seit 1963 beschäftigt war, war der Kontakt zu den GIs Normalität für mich.“

Zeitungslektüre ist bis
heute Pflichtprogramm

Anfang der 1960er Jahre war Nopens kurzfristig auch als rasender Reporter für den Binz-Verlag tätig, den damaligen Herausgeber der Nachtausgabe. Zu dieser Zeit entflammte seine Liebe zum gedruckten Wort. „In den 70ern hatte ich zunächst die FAZ abonniert. Aber um die durchzulesen, braucht man mehr als einen Tag“, erklärt Nopens, weshalb er rasch auf die FNP umstieg. Denn: „Alles Wichtige findet sich darin, ohne groß zu blättern“, erklärt der passionierte Leser.

Zu jener Zeit griff Nopens auch erstmals zu Stift und Papier, um einen Leserbrief zu formulieren. Sein allererster Beitrag habe sich mit der Drogenszene zwischen Kaiser- und Taunusstraße beschäftigt. „Ich habe die jungen Leute gesehen, wie sie dort abhingen. Das war für mich der Startschuss, ein Leserbriefschreiber zu werden“, erinnert sich Nopens an das Erwachen seiner Passion, die bis zum heutigen Tage nicht erloschen ist.

Zwar ist Nopens, wie auch die Redakteure, die „seine“ Zeitung produzieren, längst von Stift und Papier auf Computer und E-Mail umgestiegen. Doch seinen unverwechselbaren Stil und die stets höfliche Art, mit der er sich in kleine wie auch in große Debatten einzuklinken pflegt, hat er bis heute beibehalten. Wie viele Leserbriefe er in den vergangenen Jahrzehnten an die FNP schrieb, das weiß allerdings nicht einmal mehr der Autor selbst.

Mirco Overländer

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