15.04.2016 03:30 | Thomas J. Schmidt

Druckerei der FNP: Viel Papier und ganz viel Farbe

Keine Zeitung ohne Druckerei: Die Frankfurter Neue Presse wird seit 1993 in Mörfelden produziert. Von dort aus gelangt die Zeitung in die Region.

Die Zeitungen gelangen über ein Kettentransportsystem von der Rotation in die Weiterverarbeitung, wo die Beilagen eingelegt werden.
Die Zeitungen gelangen über ein Kettentransportsystem von der Rotation in die Weiterverarbeitung, wo die Beilagen eingelegt werden. Bild: Christian Christes (CHRISTES)

Es ist laut, wenn in der Nacht die Druckerei läuft. Zeitung ist auch ein Industrieprodukt. Die Maschinen stehen in Mörfeldens Industriegebiet vor den Toren Frankfurts.

Hier wird die Frankfurter Neue Presse gedruckt, im Druckzentrum Mörfelden. 560 000 bis 600 000 Zeitungen werden jede Nacht hergestellt. Neben der FNP und ihren Regionalausgaben kommen auch die FAZ, die Frankfurter Rundschau, die Süddeutsche Zeitung, einige Regionalausgaben der Bild-Zeitung und andere Blätter aus der Rotation in Mörfelden.

Als das Druckzentrum 1993 eröffnet wurde, setzte es technisch und logistisch Maßstäbe. In drei Schichten sind etwa 350 Mitarbeiter aktiv: Nachts werden die Zeitungen für den nächsten Tag gedruckt, tagsüber laufen Wochenzeitungen und Anzeigenblätter aus den Druckwerken. So werden Teile der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit bei der Societät gedruckt, die Zeitung Das Parlament und natürlich das eigene Anzeigenblatt MiX am Mittwoch und viele weitere. Insgesamt sind dies pro Woche weitere 1,8 Millionen Exemplare.

Am Anfang einer Drucknacht stehen Rollen, riesige Rollen Zeitungspapier. Bis zu 1,60 Meter sind sie breit, wiegen 1,6 Tonnen und haben 22 Kilometer Zeitungspapier aufgewickelt. Das reicht für 30 000 Zeitungen, doch wenn die Rotationsmaschine läuft, ist eine Rolle in 30 Minuten aufgebraucht. Eine neue Papierbahn, vorbeschleunigt auf 45 km/h, wird mit Klebstreifen im laufenden Betrieb an die alte Bahn angeklebt, die alte Rolle abgetrennt, und der Druckvorgang läuft weiter, ohne dass die Maschine angehalten worden wäre. Jedes Jahr werden rund 50 000 Tonnen Papier benötigt. Die Papierbahnen reichten dann aneinandergeklebt 24 Mal um den Äquator.

All dieses Papier frisst die Rotationsmaschine vom Hersteller König und Bauer. Sie schlängelt sich durch die Halle, ist 157 Meter lang und 16 Meter hoch – so hoch wie ein fünfstöckiges Haus. Die Druckarbeit wird in neun selbstständigen Einheiten verrichtet, den Maschinensektionen. Eine Sektion unterteilt sich in drei Drucktürme und einen Falzapparat. In den Drucktürmen routieren vier Gegendruckzylinder, zwischen denen die Papierbahn mit 45 Stundenkilometern durchläuft und bedruckt herauskommt. Bis zu 16 Seiten können in einem Turm eingerichtet werden, in einer Maschinensektion mit drei Türmen also 48 Zeitungsseiten im Vierfarbdruck. Bis zu acht Zeitungen können mit dieser leistungsfähigen Rotation gleichzeitig gedruckt werden, bis zu 15 Millionen Zeitungsseiten pro Stunde sind möglich. Im Durchschnitt werden pro Stunde 50 000 Zeitungen gedruckt.

Alfred Brunswik hilft mit, die Zeitungen nach Zustellbezirken zu verteilen. Foto: Christian Christes (CHRISTES)
Alfred Brunswik hilft mit, die Zeitungen nach Zustellbezirken zu verteilen.
Wenn die Zeitungsseite des nächsten Tages am Abend fertig ist, Fotografen und Redakteure ihre Arbeit getan haben, wird die fertige Seite belichtet. Denn das Gemeinschaftswerk der Redakteure hat bis zu diesem Zeitpunkt nur im Computer existiert. Im Druckzentrum in Mörfeldens Industriegebiet belichtet ein Laser jetzt zeilenweise die Druckplatte aus beschichtetem Aluminium. Das Licht härtet die Stellen der Beschichtung aus, die später Farbe annehmen sollen. Nach der Belichtung lässt sich der Rest der Beschichtung abwaschen, die fertige Druckplatte wird auf eine Rolle gespannt, Farbe kommt hinzu, und der Druck kann beginnen.

Die FNP erscheint im Vierfarbdruck. Aus den drei Grundfarben Cyan (etwa Türkis), Magenta (Rosa) und Gelb lassen sich alle Farben mischen. Doch muss jede Farbe getrennt aufs Papier gebracht werden. Zusammen mit Schwarz läuft die Papierbahn so an vier Zylindern vorbei, ehe sie geschnitten und an einer der acht Falzwerke zu Seiten gefaltet und die Bögen in der richtigen Reihenfolge zusammengelegt werden: In Ihre FNP mit dem Zeitungsmantel, den beiden Lokalteilen und dem Kulturteil. Ein Kettentransportsystem befördert die fertigen Exemplare in die Weiterverarbeitung.

Lieferwagen bringen die Zeitungen stapelweise in 75 bis zu 85 Touren zu 1500 Ablagestellen im Verbreitungsgebiet. 3500 bis 4000 Austräger in Dörfern und Städten holen sich dort jeden Morgen ihre Pakete ab und verteilen sie bis 6 Uhr in die Briefkästen.

(Thomas J. Schmidt)

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