15.04.2016 03:30 |

Projekt Junge Zeitung: Wir lassen die Jugend ran

Wie sich Kinder, Schüler und Studenten erfolgreich als Reporter und Blattmacher üben, zeigt das "Projekt Junge Zeitung" der Frankfurter Neuen Presse.

Höhepunkt des Projekts Junge Zeitung: Am Produktionstag, hier im Februar 2016, übernimmt der Nachwuchs das Kommando. Bilder >
Höhepunkt des Projekts Junge Zeitung: Am Produktionstag, hier im Februar 2016, übernimmt der Nachwuchs das Kommando. Bild: Christian Christes

Das hat sich bislang noch keine Tageszeitung in Deutschland getraut: Eine komplette Ausgabe von Schülern und Studenten gestalten sowie produzieren zu lassen, von der ersten Zeile bis zur letzten. Das Projekt Junge Zeitung (PJZ) setzt genau das um. Erst im vergangenen Februar ist diese besondere Ausgabe wieder erschienen – und das zum achten Mal.

Rund 150 junge Teilnehmer aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet hatten fünf Monate darauf hingearbeitet und übernahmen am Produktionstag schließlich die Leitungen in den Ressorts– immer eng unterstützt von den Redakteuren, die sie im Laufe der Monate auf die Aufgabe vorbereitet haben. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Zu lesen gab es schließlich spannende Interviews, Hintergrundberichte, Reportagen, Leitartikel und Kommentare und natürlich die aktuelle Berichterstattung zu tagesaktuellen Geschehnissen.

Ins Leben gerufen wurde PJZ im Jahr 2008 anlässlich des Weltkindertags nach einer Idee von Rainer M. Gefeller, bis vor kurzem Chefredakteur dieses Blatts. Seit dieser Zeit stemmen Jugendliche und Redakteure alljährlich ein neues Projekt. Das hat sich herumgesprochen. 2014 hat der Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien WAN-IFRA der „Jungen Zeitung“ den weltweit ausgelobten „World Young Reader Prize“ verliehen. Dabei hat sich die FNP neben drei anderen deutschen Titeln aus 60 Einsendungen aus der gesamten Welt behauptet. In der Kategorie „Dauerhafte Exzellenz“ hat die FNP die Silberauszeichnung für ihr Jugendprojekt erhalten.

Auch die Politik wurde bereits auf PJZ aufmerksam. Zum Beispiel kam bei der siebten Auflage Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) in die FNP-Redaktion, um den ungewöhnlichen Produktionstag live zu erleben.

Aber PJZ ist nicht das einzige Nachwuchsprojekt dieser Zeitung. Mehr als 30 Jahre alt ist das Projekt „Zeitung in der Grundschule“ (ZING) . Zurzeit etwa liegt wieder in mehr als 80 Schulklassen mit über 1600 Mädchen und Jungen jeden Morgen diese Zeitung in den Klassenzimmern. Diese dritten und vierten Klassen nehmen an ZING teil. Drei Monate lesen sie Artikel und werden zu Reportern, fotografieren und schreiben Texte. Die Beiträge handeln von gesunder Ernährung, vom Kleinkunsttheater, vom Beruf des Bürgermeisters, vom Tierheim, von Feuerwehr, Sternwarte und Kreißsaal – eben allem, was die Kinder interessiert.

Die Auseinandersetzung mit dem Medium Zeitung beginnt bei ZING bereits im Schulunterricht. In Langzeitarbeiten untersuchen die Grundschüler Aspekte wie „Stimmt der Wetterbericht in der FNP mit dem tatsächlichen Wetter überein?“, „Wie verhalten sich Goldpreis und Dax zueinander?“, „Stehen mehr Frauen oder mehr Männer auf der Titelseite in der Rubrik ,Gesicht des Tages’?“. Die Kinder werden so spielerisch an das Medium Zeitung herangeführt, sie üben den kritischen Umgang mit Medien und selektives Lesen, sie erfahren, wie sich Geschehenes schließlich in der Berichterstattung spiegeln kann, und sie bekommen als junge Reporter dank der Recherchetermine Einblicke in Bereiche, die ihnen ansonsten verschlossen blieben.

Mehr als 66 000 Schüler haben seit 1981 an ZING teilgenommen. Partner für ZING sind seit Jahren die Fraport AG, die Volksbank Limburg und die WERKStadt. Sie ermöglichen als Sponsoren das Projekt und bieten den Teilnehmern spannende Recherchethemen: Absoluter Höhepunkt war im Jahr 2014 die Aktion „Das fliegende Klassenzimmer“. Die Fraport AG lud die Klasse 4 b der Hattersheimer Robinsonschule zu einem Rundflug mit dem neunsitzigen Oldtimerflugzeug Antonov AN-2 ein. Die Schüler berichteten auf einer Sonderseite über das Erlebnis mit dem Doppeldecker.

Für Zeitung in der Grundschule arbeitet die Frankfurter Neue Presse ebenso mit dem Aachener Institut zur Objektivierung von Lern- und Prüfungsverfahren (IZOP) zusammen wie für das Projekt „Umwelt baut Brücken“ (UBB) der Bundesstiftung Umwelt (DBU). Das Umweltbildungsprojekt will Brücken bauen zwischen Deutschland und anderen Nationen. Bundesweit insgesamt 1200 Schüler aus bis zu zehn bilateralen Schulpartnerschaften besuchen sich für jeweils eine Woche gegenseitig in ihren Ländern, recherchieren an Ort und Stelle aktuelle Umweltthemen und berichten darüber in den Partner-Tageszeitungen.

Mit dem UBB-Projekt werden die Jugendlichen an Umweltthemen herangeführt, sie schärfen ihr Umweltbewusstsein und ihre interkulturelle Kompetenz. Ziele sind außerdem die Förderung der Gestaltungs- sowie der Medien- und Lesekompetenz. UBB wurde ursprünglich 1996 als deutsch-deutsches Projekt zwischen Ost und West 1996 gestartet und dann über Europa ausgeweitet. Aktuell ist das Partnerland die Türkei.

Beiträge über die Umweltverschmutzung am Bosporus vom Kaiserin-Friedrich-Gymnasium (KFG) in Bad Homburg, über das Green-Goal-Konzept der Frankfurter Commerzbank-Arena, über das Main-Äppel-Haus in Frankfurt, Umweltfragestellungen in der Türkei, Naturschutzparks in Ungarn und vieles mehr haben nicht nur bei den Lesern Eindruck hinterlassen, sondern auch bei der Jury.

Die Frankfurter Neue Presse und ihre Regionalausgaben nehmen seit sieben Jahren mit Schulen am UBB-Projekt teil. Die betreuten Schulen haben in dieser Zeit bundesweit vier Mal den ersten Preis für die beste Berichterstattung erhalten. Die Preise gingen an das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium in Bad Homburg (zwei Mal), an das Taunusgymnasium in Königstein sowie die Carl-Schurz-Schule in Frankfurt.

KFG-Schüler reisten für die Preisverleihung sogar nach Berlin und erhielten die Auszeichnung in Schloss Bellevue aus den Händen von Bundespräsident Joachim Gauck. Michelle Spillner/Klaus Späne

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