20.04.2017 03:30 | Peppi Schmitt

Eintracht Frankfurt: Andersson Ordonez: Der Sicherheitsmann

Frankfurt Die Kälte in Deutschland ist für Andersson Ordonez die größte Herausforderung. Trotzdem bringen Frankfurt und die Bundesliga den neuen Eintracht-Verteidiger schon ins Schwärmen.

Hiergeblieben: Den Bremer Max Kruse hat Andersson Ordonez (rechts) im Griff.
Hiergeblieben: Den Bremer Max Kruse hat Andersson Ordonez (rechts) im Griff. Bild: Huebner/Scheiber (imago sportfotodienst)

Zu Hause in Ecuador nennen sie ihn „Musa“, übersetzt: „die Spitzmaus.“ Ein alter Freund hat ihm diesen Spitznamen gegeben. Doch Andersson Ordonez hat nun so gar nichts von einem kleinen Mäuslein. Er ist ein Baum von einem Mann, der selbst „Robustheit und Stärke im Luftkampf“ als seine positivsten Eigenschaften als Berufsfußballspieler nennt. Wäre er kein Fußballprofi geworden, hätte ihn der Beruf des Polizisten gereizt – das passt zu seiner Aufgabe auf dem Rasen: Als Innenverteidiger ist der 23-Jährige nun bei der Frankfurter Eintracht eine Art Sicherheitsmann vor dem eigenen Tor.

Erst im Winter ist Andersson Ordonez vom ecuadorianischen Club Barcelona Guayaquil gekommen und noch immer dabei, sich einzuleben in der für ihn so fremdem Welt. In dieser Woche, vor dem so wichtigen Spiel am Samstag gegen den FC Augsburg, staunt er vor allem wieder über das Wetter. Schnee im April im Speziellen und die Kälte im Allgemeinen bezeichnet er als einen „Kulturschock“ und seine „größte Herausforderung“. Immerhin, nach wochenlanger Pause wegen einer Innenbandverletzung im Knie, zugezogen gleich an einem der ersten Tage des Trainingslagers im sonnigen Abu Dhabi, ist er zuletzt zu einem festen Bestandteil der Mannschaft geworden.


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Eine Million Euro hat die Eintracht für ihn bezahlt, das hatte nicht jeder verstanden bei der permanenten Geldknappheit der Frankfurter. Ordonez hat zuletzt dreimal gespielt, eine Viertelstunde in Köln, 68 Minuten gegen Werder Bremen, und 56 Minuten in Dortmund. Ein seriöses Urteil über seine Leistungsfähigkeit lassen diese Einsätze noch nicht zu. Für Trainer Niko Kovac aber ist klar, „dass wir da einen Guten verpflichtet haben.“

Noch Luft nach oben

Ordonez hat auch gute Möglichkeiten am Samstag gegen Augsburg in der Anfangsformation zu stehen, zumindest wenn der Trainer bei einer Dreierkette in der Abwehr bleibt. Dann würde der Ecuadorianer an der Seite des Argentiniers David Abraham und des Spaniers Jesus Vallejo spielen. Sprachprobleme gibt es da keine. Nach den jüngsten Negativergebnissen wäre es aber auch keine Überraschung, wenn Niko Kovac wieder auf eine Vierer-Abwehr setzen würde, dann wäre kein Platz für Ordonenz. Bislang behält der Trainer seine Überlegungen für sich.

Ordonez ist bereit für sein viertes Bundesligaspiel, auch wenn er freimütig zugibt, „dass ich noch nicht bei 100 Prozent bin und noch viel Luft nach oben habe.“ Nach der langen Verletzungspause müsse er noch „körperliche Defizite aufarbeiten“. Neben dem Ehrgeiz im Training übt Ordonez auch fleißig Deutsch. Die wichtigen Informationen aber, gerade in dieser Woche, hat man ihm per Dolmetscher vermittelt. Dass die beiden Spiele am Samstag gegen Augsburg in der Liga und am Dienstag in Mönchengladbach im Pokal große Bedeutung haben, hat er verinnerlicht. Es sei das Ziel der ganzen Mannschaft, „diese beiden Spiele positiv zu bestreiten.“ Die Lage in der Liga sollte man nicht „übermäßig dramatisieren“, sagt er und hat auch da die offizielle Sprachregelung übernommen.

Nationalelf als Ziel

Noch immer lebt er in einer kleinen Wohnung in Frankfurt alleine, erst zur neuen Saison sollen seine Frau und sein acht Monate altes Töchterchen nachkommen. Echtes Heimweh wie zu Beginn seiner Zeit im Januar verspüre er aber nicht mehr, versichert er, „ich komme ganz gut damit zurecht, alleine zu sein“. Besondere Hilfe bekommt er vom Uruguayer Guillermo Varela und vom Spanier Omar Mascarell, sie sind seine besten Kumpels im Team. Den Kontakt nach Hause hält er über Telefon und Skype. „Natürlich täglich“, sagt er.

Töchterchen Casey hat er seit bald fünf Monaten nicht mehr gesehen. Doch Ordonez wirkt nicht unglücklich, hat sich mit der momentanen Situation arrangiert. Dafür hat er eine ganz einfache Erklärung. Mit dem Vertrag bei der Eintracht habe er sich einen „Kindheitstraum“ erfüllt, sagt der 1,86 Meter große Verteidiger, der den Spanier Carlos Puyol, einst Ikone des FC Barcelona, als sein Vorbild nennt. Sein nächstes persönliches Ziel sei eine Berufung in die Nationalmannschaft Ecuadors.

Dabei soll ihm die Bundesliga helfen. Von seinem neuen Arbeitsplatz, der Stadt Frankfurt, aber auch der ganzen Liga, schwärmt er regelrecht. Die Metropole am Main sei „schön, bunt, spektakulär“. Und die Bundesliga hat all seine Erwartungen noch übertroffen. „Das Tempo hier ist enorm hoch, jedes Spiel ist ein Abnutzungskampf, bei dem man viel Kraft lässt und alles ist ganz eng und spannend“, sagt er. Und freut sich auf das Spiel gegen Augsburg.

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