08.11.2017 03:00 | Peppi Schmitt

Eintracht Frankfurt: Auf die Stürmer ist Verlass

Frankfurt Lange Jahre war die Frankfurter Eintracht abhängig von den Toren des „Fußball-Gottes“. In dieser Saison aber ist alles anders.

Schon vier Tore: Ante Rebic (links), beglückwünscht von Makoto Hasebe.
Schon vier Tore: Ante Rebic (links), beglückwünscht von Makoto Hasebe. Bild: Marc Schüler (imago sportfotodienst)

„Meier gut, Eintracht gut. Meier schlecht, Eintracht schlecht.“ Auf diese Formel konnte das Angriffsspiel der Frankfurter Eintracht über viele Jahre reduziert werden. Die Hessen waren häufig abhängig von ihrem Torjäger, der zuverlässig getroffen hat. Bislang steht er bei 118 Treffern für die Eintracht. Ab und zu gab es mal einen kongenialen Partner, der auch seinen Teil dazu beitrug, wie vor drei Jahren Haris Seferovic, der inzwischen zu Benfica Lissabon weitergezogen ist.

In dieser Saison aber ist alles anders bei den Frankfurtern. Die Stürmer treffen regelmäßig und Meier ist nicht einmal dabei. Der 34 Jahre alte Kapitän quält sich nun schon über Monate mit einer Fersenverletzung, ließ Operationen über sich ergehen und ist damit immer noch nicht richtig vorangekommen. Trotzdem besteht die Hoffnung, dass der von den Fans liebevoll als „Fußball-Gott“ verehrte Meier im neuen Jahr auf den Platz zurückkehren kann.

Er feiert Tore und wird dafür von den Fans bejubelt: Sébastien Haller. Foto: pressehaus (www.bild-pressehaus.de)
Er feiert Tore und wird dafür von den Fans bejubelt: Sébastien Haller.

Bis dahin kann sich Trainer Niko Kovac auf andere verlassen. Dreizehn Tore hat die Eintracht an den ersten elf Spieltagen erzielt, die beiden Stürmer Sébastien Haller (5) und Ante Rebic (4) haben den Löwenanteil beigesteuert. Nimmt man die Treffer von Kevin-Prince Boateng in Mönchengladbach zum 1:0, als er noch im Angriff spielte, und von „Joker“ Luka Jovic beim 1:2 in Leipzig hinzu, bleibt nur ein einziges Tor von Marius Wolf, das nicht von Stürmern geschossen wurde. Ein Treffer der Eintracht geht auf das Konto des Mainzers Stefan Bell.

Der Sturm der „Adler“ funktioniert also. „Wir haben da vorne zwei richtig Gute“, sagte Torwart Lukas Hradecky nach dem 2:1-Erfolg zuletzt gegen Bremen. Wieder hatten beide Torjäger getroffen, beide spektakulär. Rebic mit einem Innenseitenschuss aus achtzehn Metern ins lange Eck zum 1:0, Haller mit einem Volleyschuss aus kurzer Distanz zum 2:1. Die beiden haben sich nicht gesucht, aber sie haben sich gefunden. Sie passen in ihrer Spielart zusammen, gerade weil sie so verschieden sind. Rebic kommt über Außen, ist ein kraftvoller Dribbler, der keinen Zweikampf scheut. Er kann den Ball mit links und rechts gut behandeln, er ist ein Draufgänger, auch ein Hitzkopf. Was ihm fehlt, ist ein gewisses taktisches Geschick, manchmal auch die Idee, die Kollegen im Abwehrkampf zu unterstützen.

Da ist Haller ganz anders. Mit Ausnahme von Boateng wird kein anderer Frankfurter Spieler so häufig gefoult wie der 1,90-Meter-Riese. Er nimmt das fast schon stoisch hin, betrachtet es als Teil seiner Aufgabe. Zu Hallers besonderen Fertigkeiten gehört, dass er den Ball „festmachen“ kann, wie die Fußballer sagen.

Soll heißen: Er kann den Ball behaupten, kann ihn gegenüber dem Gegner abschirmen und zu den Kollegen weiterleiten. Zudem schätzt der Trainer das Kopfballspiel seines Mittelstürmers, gerade auch, wenn das eigene Tor verteidigt werden muss. Vor dem Tor ist Haller total cool, was sich auch in zwei souverän verwandelten Elfmetern gezeigt hat.

Haller trifft regelmäßig, hat auch im Pokal schon zwei Tore geschossen. Das ist bei ihm nicht so ganz überraschend, hatte der Franzose doch auch bei seinen früheren Stationen im holländischen Utrecht (41 Tore in 82 Spielen) oder auch in der U 21 Frankreichs (13 Tore in 21 Spielen) eine gute Quote. Und schließlich wurde er ja auch für sieben Millionen Euro gekauft, um Tore zu schießen. Inzwischen werden schon Vergleiche zwischen Haller und der Eintracht-Legende Anthony Yeboah gezogen, der zwischen 1990 und 1995 68 Tore für die Eintracht geschossen hat. Mit Haller jedenfalls scheint der Eintracht ein Volltreffer gelungen zu sein.

Bei Rebic kommt die Treffsicherheit dagegen durchaus überraschend. Der 24 Jahre alte Kroate hat in dieser Saison bislang schon genauso viele Tore erzielt wie zuvor in den Jahren 2013 bis 2017 für seine früheren Arbeitgeber AC Florenz (1), RB Leipzig (0) oder letzte Saison die Eintracht (2) zusammen. Mit der ersten Berufung seit mehr als zwei Jahren für die kroatische Nationalmannschaft darf er sich in diesen Tagen über eine besondere Belohnung freuen. Seinen Heimtrainer aber hat er erst in Ansätzen überzeugt. „Ante hat besondere Fertigkeiten in der Offensive“, sagt Niko Kovac, „aber in der Defensive hat er noch immer viele Mängel“. Kovac kritisiert Rebic nicht nur ungewöhnlich häufig und deutlich, er wechselt ihn auch ziemlich oft aus. Der Frankfurter Trainer will damit der Neigung Rebics, alles ein bisschen zu leicht zu nehmen, entgegenwirken.

Rebic und Haller sind längst gesetzt im Eintracht-Angriff, mit Luka Jovic hat sich ein weiterer Neuzugang den Platz auf der Bank erkämpft. Der große Verlierer unter den Eintracht-Stürmern ist Branimir Hrgota. Nur dreimal wurde er in dieser Saison eingesetzt, nicht einmal von Beginn an, ein Tor hat er noch nicht erzielt. Dass der Angreifer ausgerechnet in dieser erfolglosen Zeit für das vorläufige Aufgebot der schwedischen Nationalmannschaft für die beiden WM-Relegationsspiele gegen Italien nominiert wurde, verblüfft da besonders.

Hrgota hatte beim 2:2 gegen Borussia Dortmund nach seiner Einwechslung einen dermaßen verkorksten Auftritt, dass er seitdem nicht mehr berücksichtigt wurde. Durchaus möglich, dass beide Seiten, Verein wie Spieler, darüber nachdenken, in der Winterpause eine andere Lösung zu finden. Hrgotas Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2019, er könnte also ausgeliehen werden, um bei einem anderen Club Spielpraxis und vor allem wieder neues Selbstvertrauen zu sammeln.

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