18.03.2017 03:30 |

Eintracht Frankfurt: Charlys Blickwinkel: Raus aus der Talsohle!

Charly Körbel (62) ist mit 602 Einsätzen, alle im Trikot der Frankfurter Eintracht, Bundesliga-Rekordspieler. Inzwischen schon traditionell erklärt er vor jedem Heimspiel die aktuelle Lage aus seiner Sicht.

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Bild: imago sportfotodienst

Wenn wir auf die Tabelle blicken und die Frankfurter Eintracht trotz fünf Niederlagen in Folge auf Rang sechs sehen, dann wurde doch alles richtig gemacht. Spaß beiseite: Das zeigt, dass auch die Mannschaften um uns herum nicht stabil sind, dass sie mal verlieren, mal gewinnen. Und dass die Eintracht immer noch die Chance hat, sich für die Europa League zu qualifizieren.

Klar, dass sie dann mal wieder punkten muss, am besten gleich gegen den Hamburger SV. Die letzten Wochen waren für uns keine schlechte, sondern eine komische Zeit. Da fallen ein paar wichtige Spieler aus, da hast du in einigen Situationen nicht mehr das Glück aus der Vorrunde, da gibt es ein paar Rote Karten, du wirst als „Tretertruppe“ angesehen und schon bekommt die ganze Sache einen negativen Touch.

Da lief einiges unglücklich, wir hätten aus den letzten fünf Spielen auch gut und gerne drei, vier Punkte holen können. Jetzt müssen sich alle besinnen auf das, was die Mannschaft ausgezeichnet hat. Denn das 0:3 in München hat gezeigt, dass die Mannschaft Fußball spielen kann. Höchstens die Kölner konnten zuvor die Bayern so unter Druck setzen, wie uns das fast 40 Minuten lang gelungen ist. Da hätten wir 1:0 oder gar 2:0 führen und dann sehen können, ob es dem Meister gelingt, den Hebel noch einmal umzulegen. Da wir auch da unsere Chancen nicht genutzt haben, kam es, wie alle erwartet haben. Die Bayern haben halt einen unheimlich breiten Kader, haben mit Lewandowski einen Stürmer mit Torgarantie und werden den Titel mit mindestens 15 Punkten Vorsprung frühzeitig gewinnen!

München hat Lewandowski, Dortmund hat Aubameyang und Dembélé, Leipzig hat Werner - das macht den Unterschied. Zumal, wenn unsere „Tor-Waffe“ Alex Meier ausfällt. Jetzt ist er wieder fit und ist gegen den HSV wieder mal an der Reihe, ein Tor zu schießen. Seine Freundschaft mit Heribert Bruchhagen muss er halt für 90 Minuten vergessen.

Der HSV hat sich, hauptsächlich durch seine Heimstärke, aber auch durch das starke 3:0 in Leipzig, wieder in eine ordentlicher Position im Kampf um den Klassenerhalt gebracht. Die Mannschaft steht für Kampf, ihr Selbstvertrauen wurde durch die Pokal-Revanche gegen Mönchengladbach sicher gestärkt. Das ist ein robustes Team, ich bin gespannt auf die Duelle zwischen Rebic und Papadopoulos oder zwischen Wood und Abraham. Ich glaube nicht, dass sich der Gegner nur hinten rein stellen wird, dafür hat er nicht die richtigen Spielertypen.

Nach unserer Durststrecke müssen wir uns an unsere Tugenden erinnern: An die absolute mannschaftliche Geschlossenheit, an die Konterstärke und an eine gute Chancenverwertung. In der Vorrunde waren wir auswärts und zu Hause stark, jetzt sollten wir zunächst vor eigenem Publikum wieder in die Spur kommen. Denn es ist immer wieder sensationell, wie die Mannschaft hier unterstützt wird. Das wird an diesem Samstag bei ausverkauften Rängen nicht anders sein.

Aber: Der HSV ist nicht so schlecht wie er in der Tabelle aussieht. Man darf nicht vergessen: Nach zehn Spielen hatte er gerade zwei Punkte auf dem Konto, war quasi schon abgestiegen. Da müssen die Eintrachtler sich stark ins Zeug legen, Gut, dass sich die personelle Lage etwas entspannt hat, dass auch Marco Fabián wieder an Bord ist. Seine Erfahrung ist wichtig. Junge Spieler wie Aymen Barkok oder Ante Rebic merken inzwischen den enormen Druck, der in der Bundesliga auf den Spielern lastet. Nehmen wir Barkok als Beispiel: Zunächst hat er als Joker dank seiner Unbekümmertheit geglänzt. Genau diese Unbekümmertheit hat er nun durch längere Einsätze etwas verloren.

Eine weitere Brisanz erhält das Duell natürlich durch die Rückkehr von Heribert Bruchhagen. Unser langjähriger Vorstandsvorsitzender will natürlich hier gewinnen, wird vielleicht seiner neuen Mannschaft noch ein paar Sachen mit auf den Weg geben. Aber ich glaube: Herri, Du wirst ohne Punkte nach Hamburg fliegen müssen. Der HSV ist zwar ein wichtiger Bestandteil der Bundesliga, ein Abstieg des Traditionsvereins fände ich schade, aber die Punkte muss er anderswo gewinnen.

Wir brauchen die Zähler auch unbedingt, um im Geschäft um Rang sechs zu bleiben. Ich hatte aus unseren letzten fünf Spielen mit mindestens sechs Punkten gerechnet. Es wurden Null und wir haben nichts zu verschenken. Es sind nur noch zehn Spieltage. Theoretisch sind noch 30 Punkte zu holen. Aber die Spiele werden rasch weniger, das gilt für die Teams oben wie unten in der Tabelle.

Deshalb habe ich mich zwar für die Darmstädter nach ihrem Sieg über Mainz gefreut, aber sie wissen auch, dass dieser Dreier sehr wahrscheinlich zu spät kommt, um den Abstieg zu vermeiden. Sie haben aber ihre alten Tugenden wieder gefunden, Kapitän Sulu hat endlich wieder getroffen, das kann und wird Mut machen. Doch um da noch rauszukommen aus dem Keller, da müsste eine Siegesserie von drei Spielen hintereinander her. Die traue ich den Lilien leider nicht zu, aber ich bin mir sicher, dass sie noch manchen Gegner kräftig ärgern werden. Zumindest ihr Ziel, die Klasse erhobenen Hauptes zu verlassen, das werden sie erreichen.

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