27.10.2017 03:30 | Markus Katzenbach

Eintracht Frankfurt: Die Eintracht will heute den Mainz-Fluch brechen

Frankfurt Noch nie hat die Eintracht ein Punktspiel in Mainz gewonnen. Trainer Kovac ist guter Dinge, dass sich das an diesem Freitag ändert.

Ob die Eintracht auch in Mainz so jubeln kann wie Marius Wolf (links) über das 2:2 gegen Borussia Dortmund? Es gilt, eine dunkle Serie zu beenden.
Ob die Eintracht auch in Mainz so jubeln kann wie Marius Wolf (links) über das 2:2 gegen Borussia Dortmund? Es gilt, eine dunkle Serie zu beenden. Bild: Jan Huebner (Jan Huebner)

So ein Treffen in der Nachbarschaft hat ja auch seine Vorteile. Zum Beispiel kann Niko Kovac seinen Bundesliga-Fußballern die sonst bei Auswärtsfahrten vor dem Spiel übliche Hotelübernachtung in der Fremde ersparen. „Wir werden der Mannschaft erlauben, zu Hause zu schlafen“, erläuterte der Trainer der Frankfurter Eintracht gestern den wegen der kurzen Anfahrt zum Rhein-Main-Gipfel ausnahmsweise geänderten Ablauf: „Wenn wir abends spielen, trainieren wir immer morgens um zehn oder elf Uhr, je nachdem. Danach werden wir unsere Sachen packen, nach Mainz rüberfahren und das Hotel beziehen, da haben wir nur Tagesbetten.“ Damit seine Heimschläfer dann um 20.30 Uhr, wenn das Gastspiel beim FSV Mainz 05 von Schiedsrichter Sascha Stegemann angepfiffen wird, gut ausgeruht versuchen können, endlich einer dieser Begegnung innewohnenden Fluch zu brechen: Noch nie ist die Eintracht nach erst- oder zweitklassigen Punktspielen in Mainz als Sieger vom Platz gegangen, in bislang 13 Anläufen. Das soll sich heute ändern.

„Es ist schon ein interessantes Spiel. Nicht nur wegen der geographischen Nähe, sondern weil die Eintracht dort noch nie gewonnen hat“, umschrieb Kovac die spezielle Aufgabe, nur einen Zweitrunden-Sieg 1986 am alten Bruchweg außer Acht lassend. Die vor jedem Spiel gegen Mainz übliche Derby-oder-nicht-Diskussion hat Kovac in seinen anderthalb Frankfurter Jahren natürlich auch mitbekommen – üblicherweise werden rund um die Eintracht nur Spiele gegen die Offenbacher Kickers von der anderen Mainseite oder die Stadtrivalen vom FSV mit diesem Begriff geadelt. „Ich habe mir sagen lassen, dass es Duell ist, kein Derby. Die Gründe weiß ich nicht wirklich, es ist auch nicht so wichtig“, meint der Trainer mit leichtem Augenzwinkern. Klar ist für ihn aber: „Für die Mainzer ist es ein besonderes Spiel. Das muss es für uns auch sein“, fordert Kovac und fügt an: „Vielleicht wird dann die Tagesform entscheiden. Ich hoffe aber, dass meine Jungs das Selbstvertrauen, das sie sich erarbeitet haben, nutzen können, um als Sieger vom Platz zu gehen.“

Kein Selbstläufer

In Köln haben Kovac und Co. schon eine ewige Pleitenserie beendet und im September dort den ersten Eintracht-Sieg seit 23 Jahren gefeiert, in Mainz waren sie beim letzten Versuch im Mai nah dran. „Wir lagen 2:0 vorne. Dann kam das Abseitstor, und plötzlich ging es bergab“, erinnerte der Trainer an das 2:4 gegen Ende der vergangene Saison. Diesmal soll es klappen, und Niko Kovac ist guter Dinge. „Wir wollen zusehen, dass wir unseren Lauf nach vier Spielen ohne Niederlage in Bundesliga und Pokal weiterführen“, betont er, weiß aber auch: „Ein Selbstläufer wird das nicht.“

Sehr heimstark seien die Mainzer, warnt der Trainer. Neun ihrer zehn Punkte haben die Nullfünfer daheim geholt, die Eintracht dafür freilich auch zehn von 14 in der Fremde. Da bewegt man sich auf Augenhöhe. „Mainz kommt über die Physis, wir müssen den Kampf annehmen. Spielerische Qualität haben sie in ihrem Kader auch. Wir dürfen nichts zulassen, und die Möglichkeiten die wir haben werden, versuchen zu nutzen“, gab Kovac als Marschroute aus und ergänzte: „In beiden System, die Mainz bisher gespielt hat, war sehr viel Gutes zu sehen. Es gibt aber auch Kleinigkeiten, wo sie ihre Schwachstellen haben.“

Dass den Rheinhessen gerade die Innenverteidiger ausgehen, ihr Torwart René Adler verletzt fehlt und sie unter der Woche bei ihrer Pokalaufgabe gegen Kiel in eine kräftezehrende Verlängerung gehen mussten, anders als die Eintracht, hat Kovac natürlich mitbekommen. Er betont indes: „Wir müssen unsere Prinzipien abarbeiten, offensiv wie defensiv. Wenn wir das hinbekommen, müssen wir nicht darauf schauen, wer nun bei Mainz spielt. Sie haben auch genug gute Spieler, um Ausfälle zu kompensieren.“

Er selbst hat die „Qual der Wahl“, wie er sagt – auch wenn Taleb Tawatha grippegeplagt ausfällt und Timothy Chandler nach seiner Knie-Operation bis zur Winterpause aussetzen muss. Für ihn dürfte der zuletzt überzeugende Marius Wolf die rechte Seite beackern. Die beim recht lockeren 4:0 am Dienstag in der zweiten Pokalrunde beim 1. FC Schweinfurt 05 geschonten Makoto Hasebe und Mijat Gacinovic sind wieder dabei, ebenso der im Cup gesperrte David Abraham. Simon Falette wiederum hat seine Rotsperre in der Bundesliga abgebrummt. Ob er seinen Platz zurückbekommt? Vielleicht baut Kovac in der Abwehrreihe ja auch weiter auf Routinier Marco Russ, der seine Sache als Falette-Vertreter ordentlich gemacht hat.

Vorfreude aufs Flutlicht

An der nötigen Motivation sollte es so oder so nicht mangeln. „Wenn man das positiv gestaltet, kann man zwei Tage beruhigt schauen, was die anderen machen“, sagt der Trainer über den Reiz der Freitagsspiele. Seine Eintracht hat nun zwei solcher Termine hintereinander, in einer Woche kommt Werder Bremen nach Frankfurt. „Wir wollen ungeschlagen bleiben“, gibt Kovac als Zielvorgabe für dieses Doppelpack aus, auch mit Blick auf die folgende Auszeit. „Es ist sehr wichtig, vor der Länderspielpause anzuschreiben. Mit zwei bis sechs Punkten mehr sieht die Welt einfach anders aus, als wenn man nichts holt.“ Tatsächlich könnte sich seine Eintracht mit einer satten Ausbeute aus diesen beiden Begegnungen erst einmal recht weit oben festsetzen.

„Jetzt schweben wieder alle. Aber das wird wieder ein Abnutzungskampf“, warnt Kovac indes vor allzu großen Träumereien. Erst einmal gilt die Aufmerksamkeit dem Besuch in Mainz. Das offizielle Kontingent von 3392 Gästekarten für die Arena am Europakreisel ist sowieso vergriffen. Insgesamt werden über 5000 Fans die Eintracht begleiten, viele traditionell mit dem Schiff über Main und Rhein. Die Vorfreude ist groß, rund um die auf ihrer kleinen Erfolgswelle anreisenden Adlerträger, auch beim Trainer. „Wenn das Flutlicht angeht, ist das immer etwas Besonderes“, schwärmt Niko Kovac. Auch diese atmosphärische Note hat das vollgepackte Nachbarschaftstreffen noch zu bieten.

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