13.10.2017 03:30 | Markus Katzenbach

Eintracht Frankfurt: Eintracht: Lauter enge Kisten in der Bundesliga

Frankfurt Bei der Eintracht bleibt es Woche für Woche bis zum Schluss spannend – auch wenn das nicht eben schön anzusehen ist. Für die Bundesliga ist das in dieser Saison typisch.

Trainer Niko Kovac (Eintracht Frankfurt) und Trainer Peter Stoeger (1. FC Koeln) beim Fussball Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Koeln und Eintracht Frankfurt am 20.09.2017, Koeln *** Coach Niko Kovac Eintracht Frankfurt and Trainer Peter Stoeger 1 FC Koeln in the Soccer Bundesligaspiel between 1 FC Koeln and Eintracht Frankfurt am 20 09 2017 Koeln Copyright: xSchueler/Eibner-Pressefotox EP_JSE

Sich einmal entspannt zurücklehnen, die letzten Minuten eines Bundesligaspiels vielleicht sogar genießen, im Gefühl des sicheren Sieges? Das ist Niko Kovac selten vergönnt gewesen, seit er im März 2016 angetreten ist, die Frankfurter Eintracht vor dem Untergang zu retten, und in der ja noch recht jungen neuen Saison überhaupt noch nicht. Die erste Klasse des deutschen Fußballs ist neuerdings besonders eng und umkämpft, da geht es dem Frankfurter Trainer Kovac nicht viel anders als den meisten anderen Kollegen. Bei der Eintracht aber ist das noch etwas extremer: Sie ist der einzige Bundesligist, bei dem an den ersten sieben Spieltagen keine einzige Partie mit mehr als einem Tor Unterschied endete, und es spricht nebenbei nicht allzu viel dafür, dass sich am Samstagnachmittag mit dem Besuch bei Hannover 96 daran etwas ändert.

„Spannend bis zum Schluss“ überschrieb das Fachmagazin „Kicker“ unter der Woche diese statistische Erkenntnis, und wie viel Spannung deshalb auf Kovac immer wieder liegt, konnte man zuletzt nach dem unverhofften Traumtor seines Stürmers Sébastien Haller zum 2:1 gegen den VfB Stuttgart in letzter Sekunde sehen, als der Fußballlehrer an der Seitenlinie ungläubig die Hände vors Gesicht schlug, in einem erlösenden Moment, in dem der ganze Druck plötzlich einmal abfiel. Es sind lauter enge Kisten, in Frankfurt und auch an den meisten anderen Bundesliga-Standorten, die bis zum Abpfiff an die Nerven gehen, zähe Abnutzungskämpfe von nahezu gleichwertigen Mannschaften, die ohnehin erst einmal lieber recht vorsichtig auflaufen und sich spätestens dann vor dem eigenen Tor verschanzen, wenn sie das Glück haben, einmal in Führung zu gelangen.

Kleinigkeiten entscheiden

Kovac selbst kann sich nicht erinnern, „dass eine Bundesliga in der Breite mal so ausgeglichen war“. Sein Sportvorstand Fredi Bobic beschrieb dieser Tage in einem Interview mit dem Internetportal Sportbuzzer die Lage aktuell und allgemein so: „In der Tabelle sind es gefühlt immer drei Punkte bis zum Relegationsplatz und drei Punkte bis Europa, wenn du da in der Mitte stehst. Und in diesem Spannungsfeld wird sich Frankfurt bewegen, auch 96 – mit zwölf bis 14 anderen Mannschaften.“

Unterhalb von Dortmunder Borussen, Bayern und höchstens noch zwei, drei anderen Branchengrößen sind die Probleme dabei genauso ähnlich gelagert wie die Leistungsstärken. Fast alle Clubs tun sich schwer, das Spiel selbst zu gestalten, tief stehende Gegner auszuhebeln, vor allem, wenn wichtige Spieler fehlen, die in solchen Zwangslagen helfen können, wie in Frankfurt die bewährten Verantwortungsträger Marco Fabián und Omar Mascarell. Weshalb die meisten Trainer ihre Mannschaften lieber erst einmal zurückziehen und bisweilen gemeinsam Beton auf dem Rasen angerührt wird: Wenn man schon kaum Tore schießt, ist es schließlich umso wichtiger, selbst nicht viele zu kassieren. Wem trotzdem ein Treffer glückt, der hat es leichter. Und gute Chancen, das Spiel dann auch zu gewinnen. So wie Wolfsburg in Frankfurt oder die Eintracht in Köln.

„Da entscheiden Kleinigkeiten“, weiß Kovac. Der Geniestreich Hallers gegen Stuttgart etwa. Oder ein paar Wochen zuvor an gleicher Stelle, nur in anderer Richtung, Hallers Kopfball an die Unterkante der Latte, dem der Wolfsburger Konter zum Sieg folgte. „Manchmal lässt sich Fußball nicht rational erklären“, bekannte der Coach vor einigen Wochen, als die Eintracht mit dem 1:0 beim 1. FC Köln und seinem leidgeprüften Gegenüber Peter Stöger mal wieder an der Reihe war, das Glück auf ihrer Seite zu haben.

Keine Leckerbissen

Die Adlerträger hat es insgesamt ungleich besser getroffen als die ans Tabellenende abgerutschten Kollegen vom Geißbockheim. Zehn Punkte aus sieben Spielen sind eine achtbare Bilanz. Gleichzeitig gilt Kovacs Eingeständnis von Köln, dass das „kein Leckerbissen“ war, auch für die meisten anderen Gelegenheiten. Fußballerisch bleibt hier wie dort viel Luft nach oben. Eine Serie könnte da helfen, zwei, drei Spiele nacheinander mit zählbaren Erträgen, um sich Luft zum Tabellenende zu verschaffen und mit mehr Selbstbewusstsein vielleicht auch etwas besser Fußball zu spielen. So wie in der Höhenwanderung der Hinrunde vor einem Jahr, als mit Fabian und Mascarell oder den inzwischen abgewanderten Verteidigern Jesús Vallejo und Bastian Oczipka freilich auch geeignetes Personal zur Verfügung stand, um dem fleißigen Kampf eine Prise mehr Spielkultur beizumischen.

Auf des Messers Schneide standen schon da die allermeisten Spiele, nun hat sich das noch einmal verschärft. An das 0:0 in Freiburg zum Neustart reihte sich für die Eintracht in den vergangenen Wochen ein steter Wechsel von Niederlage und Sieg, stets mit nur einem Treffer Unterschied. Das letzte Mal, dass man zwei Erfolge hintereinander feierte, war das auf das 1:0 bei Schalke 04 folgende 2:0 gegen Darmstadt 98 am 5. Februar.

Wo es an der ganz großen Klasse oder zumindest der nötigen Sicherheit fehlt, geht es in Frankfurt, Köln und anderswo derzeit eben über das Kollektiv und Kampfkraft. „Es wird nichts hergeschenkt“, umschreibt das Pirmin Schwegler, früher Eintracht-Kapitän und am Samstag ein Gegner in Hannovers Diensten. Das heißt wiederum auch: „Abschussopfer“, wie Fredi Bobic sagt, gibt es kaum mehr. „In der Bundesliga haust du keinen locker weg, das ist alles harte Arbeit“, sagt der Sportvorstand.

Was man in Hannover und Frankfurt zu beherzigen weiß. Weshalb auch dieses Kräftemessen nicht unbedingt etwas für Freunde mitreißenden Angriffsfußballs zu werden verspricht. Hannover 96 kassierte in sieben Spielen lediglich vier Tore, die Eintracht auch nur zwei mehr. Es tritt die zweit- gegen die drittbeste Defensive an, und es treffen sich die Mannschaften, bei deren Beteiligung die zweit- und drittwenigsten Tore in der Liga fallen. Die Niedersachsen haben in der neuen Saison daheim noch gar keinen Gegentreffer beklagen müssen und kamen, nimmt man die alte Zweitliga-Runde hinzu, sogar schon seit neun Spielen ohne aus. „Das wird ein schwerer Gang“, weiß Niko Kovac – und wieder keine Gelegenheit zum Zurücklehnen.

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