28.10.2017 03:30 | Markus Katzenbach

Historischer Fluch: Frankfurter Eintracht kann auch im 14. Anlauf nicht in Mainz gewinnen

Mainz Der Abnutzungskampf zwischen den Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05 und Eintracht Frankfurt hatte keinen Sieger.

27.10.2017, xwux, Fussball 1.Bundesliga, FSV Mainz 05 - Eintracht Frankfurt, emspor, v.l. Sebastien Haller (Eintracht Frankfurt)
Auch im 14. Anlauf konnte die Eintracht nicht in Mainz gewinnen. Bild: Huebner/Ulrich (Jan Huebner)

Die Serien hielten. 13 Mal hatten verschiedenste Jahrgänge erst- und zweitklassiger Fußballer in Diensten von Eintracht Frankfurt ihr Glück schon in Mainz versucht, doch nie war nach einem Punktspiel beim Rhein-Main-Nachbarn eine Mannschaft mit dem Adler auf der Brust als Sieger vom Rasen gegangen, ob im alten Bruchwegstadion oder in der neuen Arena draußen vor den Toren der Stadt. Dieser historische Fluch konnte auch im 14. Anlauf am Freitagabend nicht gebrochen werden, dafür immerhin setzte sich ein ganz aktueller Frankfurter Lauf ebenfalls fort: Mit dem 1:1 (1:0) beim FSV Mainz 05 blieb die Eintracht zum Auftakt des zehnten Bundesliga-Spieltags auch beim fünften Pflichttermin in Folge ungeschlagen.

„Man kann darüber streiten, ob wir einen Punkt gewonnen oder zwei liegen gelassen haben. Gefühlt haben wir eher Punkte liegengelassen, weil wir die Angriffe in der zweiten Halbzeit nicht gut ausgespielt haben“, haderte Sportvorstand Fredi Bobic etwas mit dem Ergebnis. Tatsächlich wäre diesmal in Mainz mehr möglich gewesen, insgesamt aber war es dafür dann doch zu wenig, was die Frankfurter boten. Ihre Führung in der 37. Minute durch ein Eigentor des FSV-Kapitäns Stefan Bell, 2011 einmal ein halbes Jahr an die Eintracht ausgeliehen, glich der eingewechselte Suat Serdar vor 33 794 Zuschauern noch aus (71.).

Hasebe bleibt zu Hause

Einige Veränderungen hatte Eintracht-Trainer Niko Kovac nach dem 4:0 in der zweiten Pokalrunde am Dienstagabend beim Viertligisten 1. FC Schweinfurt 05 vorgenommen, wie erwartet. Marc Stendera etwa verdiente sich mit dem starken Pokal-Auftritt einen Startelf-Platz im zentralen Mittelfeld und rechtfertigte das auch mit einer weiteren guten Leistung – während Marius Wolf wie in Schweinfurt auf der rechten Seite Timothy Chandler vertrat, der mit seinem beim 2:2 gegen Borussia Dortmund am vergangenen Samstag erlittenen Meniskusschaden bis zur Rückrunde ausfällt.

Das Knie wiederum zwickte Makoto Hasebe auch am Freitag zu sehr für einen Einsatz. „Er läuft nicht richtig rund, deshalb haben wir ihn heute einmal zu Hause gelassen“, erklärte Kovac hinterher. Erst einmal war das eine Vorsichtsmaßnahme, Hasebes Schmerzen aber könnten auch ein dauerhaftes Problem werden. In Mainz bildeten so Carlos Salcedo, David Abraham und Simon Falette das Abwehrtrio in letzter Reihe. Routinier Marco Russ, der Falette während dessen Rot-Sperre gut vertreten hatte, setzte Kovac gestern Abend zunächst auf die Bank.

Ob der Mainz-Bann so zu brechen war? „Heute habe ich keinen Bock auf Kompromisse. Wir gewinnen 3:0“, tippte Präsident Peter Fischer fröhlich im Fernseh-Interview vor dem Anpfiff, Schließlich war seine Eintracht auf einer Erfolgswelle zum Rhein-Main-Nachbarn angereist. Sieben von ihren bis dahin 14 Punkten hatten die Frankfurter aus den drei vorherigen Partien geholt, die heimstarken Mainzer wiederum allerdings auch neun von zehn zu Hause am Europakreisel. Ein Spektakel wie das Remis gegen die Branchengröße BVB war von diesem Nachbarschaftstreffen trotzdem nicht zu erwarten gewesen, Kovac hatte einen Abnutzungskampf vorhergesagt – und so kam es auch. Dabei ging es aus Frankfurter Sicht gut los: Nach kaum 70 Sekunden hatte der umtriebige Stendera bei einem frühen Konter gleich die Führung auf dem Fuß, sein Schuss von der Strafraumgrenze aber missglückte.

Es sollte für eine ganze Weile die beste Chance bleiben. Die Mainzer kamen nicht so recht durch den Frankfurter Abwehrriegel, die Eintracht nutzte ihre Kontergelegenheiten nicht. Bis der eifrige Wolf in der 37. Minute dem FSV-Linksverteidiger Brosinski fast an der Eckfahne den Ball abluchste und ihn flach in die Mitte schlug – wo Robin Zentner, der junge Vertreter des verletzten Stammtorwarts René Adler, die Kugel so unglücklich zu Bell abfälschte, dass sie vom Kapitän der Nullfünfer ins eigene Tor kullerte und der dahinter lauernde Ante Rebic ohne eigenes Zutun über das 1:0 seiner Mannschaft jubeln konnte.

Die Führung hatten sich die Adlerträger zur Pause verdient. Sie verbuchten mehr gelaufene Kilometer, mehr gewonnene Zweikämpfe, mehr Ballbesitz und mehr Torschüsse – und eben einen Treffer mehr. In der zweiten Halbzeit aber wendete sich das Blatt, die Mainzer stemmten sich nun gegen den Rückstand. Obwohl ihre Pokalschicht mit Verlängerung gegen Holstei Kiel gewiss mehr Kraft gekostet hatte als der gleichzeitige Frankfurter Besuch in Unterfranken.

Typischer Ausgang

Große Gefahr entwickelte der FSV indes kaum. Die Eintracht ihrerseits ging schludrig mit dem sich bietenden Raum für Gegenstöße um – und musste sich umso mehr über den Ausgleich ärgern. Mehrmals hätten sie diese Situation bereinigen können. Falette aber verhinderte dann die Hereingabe nicht, und der eingewechselte Serdar vollendete frei aus kurzer Distanz, mit der fast einzigen Mainzer Chance des Abends. Es entwickelte sich noch ein für dieses Rhein-Main-Duell typische Ringen, diesmal mit letzter Kraft am Ende einer vollgepackten Woche, mit viel mehr Kampf als Klasse – und schließlich einem Unentschieden als typischem Ausgang.

Mainz: Zentner – Donati, Bell, Diallo, Brosinski – Gbamin – Frei (57. Serdar), Latza – Öztunali (82. Fischer), De Blasis – Muto (87. Kodro). – Frankfurt: Hradecky – Salcedo, Abraham,Falette – Wolf, Kevin-Prince Boateng, Willems – Gacinovic (85. de Guzman), Stendera (88. Russ) – Haller, Rebic (74. Blum). – SR: Stegemann (Niederkassel). – Tore: 0:1 Bell (37., Eigentor), 1:1 Serdar (71.). – Zuschauer: 33 794. – Gelbe Karten: Abraham (2), Willems.

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