03.11.2017 03:30 |

Eintracht Frankfurt: Historisches Spiel: Eintracht verteidigt in Bremen die Tabellenführung

Am 10. November 1973 hat die Frankfurter Eintracht nur ein Ziel: Im Bremer Weserstadion soll die Tabellenführung verteidigt werden. Aus den vorangegangenen 14 Partien hat man 20:8 Punkte geholt, zuletzt im Waldstadion die abstiegsbedrohten Schalker mit 2:1 besiegt.

Sein Wunsch geht in Erfüllung: Trainer Dietrich Weise.
Sein Wunsch geht in Erfüllung: Trainer Dietrich Weise. Bild: Frank

Die bisherigen Leistungen lassen Trainer Weise wünschen: „Wir wollen einmal länger als eine Woche an der Tabellenspitze bleiben.“ Das ist kein unerfüllbarer Wunsch, aber auch noch lange nicht ausgemacht. Denn der gastgebende Tabellenneunte Werder Bremen ist kein leichter Gegner. Nur eine einzige Heimniederlage mussten die Bremer in dieser Saison beim 2:3 gegen Mönchengladbach hinnehmen.

An der Weser hat sich zur neuen Saison einiges getan, die „Bremer Millionenelf“ gibt es nicht mehr. Mit reichlich Geld, doch ohne erkennbares Konzept oder Absprachen zwischen Trainer und Vereinsführung, hatte man viele Stars aus der Bundesliga durch hohe Gehaltsangebote an die Weser gelockt. Aber nach zwei elften Plätzen der teuer erkauften Truppe gilt das Experiment als gescheitert.

Die Eintracht ist dagegen in dieser Saison auf dem besten Wege, unter ihrem neuen Trainer Weise zur Spitzenmannschaft zu reifen. Und dass sie das schaffen kann, will sie auch von der ersten Minute des Spiels an beweisen. Sie spielt geschickt mit den eifrigen Rohrbach und Parits als Spitzen und dem zurückhängenden Grabowski. Aus der Tiefe operiert Hölzenbein, der stark in der Defensive ist, aber auch immer wieder aufrückt. So in der neunten Minute, als Kraus eine scharfe Flanke von der rechten Seite schlägt und Hölzenbein aus 16 Metern abzieht. Burdenski im Tor der Werderaner lässt den Ball abprallen, Holz setzt nach und es steht 0:1.

Die Abwehr ächzt

In der Folge haben die Bremer zwar leichte optische Vorteile, kommen aber gegen eine kämpferisch starke Eintracht zu keiner einzigen klaren Torgelegenheit. Bremer Aktionen werden schon im Ansatz gestört oder verlieren sich im Dickicht der gegnerischen Abwehr. Nach 23 Minuten ist sogar das 0:2 greifbar nahe: Grabowski wird von Parits auf dem Flügel bedient, flankt nach innen, wo Hölzenbein sofort schießt, aber nur den Pfosten trifft. In der Folge verstärken die Bremer den Druck, und die Defensive der Eintracht ächzt schwer unter dieser Last. Die Frankfurter Führung hat dennoch bis zur Pause Bestand.

Auch nach Wiederanpfiff drängen die Bremer mit Macht auf den Ausgleich. Und der lässt auch nicht lange auf sich warten: In der 49. Minute setzt sich Grabowski nach Doppelpass-Spiel mit Parits durch, doch der Kapitän der Eintracht schießt an Burdenskis Kasten vorbei. Im Gegenzug ist Kamp auf der linken Seite unterwegs, gibt Reichel und Körbel das Nachsehen und flankt. „Acker“ Weist ist zur Stelle und erzielt in der 50. Minute sein siebtes Saisontor zum 1:1.

Weder Weist noch seine Kameraden geben sich mit dem Unentschieden zufrieden, und die in der ersten Halbzeit so überlegenen und abgeklärt spielenden Gäste geraten gehörig unter Druck. Ein Glück, dass Kliemann und Wienhold sich als wahre Türme in der Schlacht erweisen und die Übersicht behalten. Die Übersicht behält zum Leidwesen der Hessen auch der Schiedsrichter, als er in der 58. Minute auf Elfmeter für die Hausherren entscheidet, weil Weist über das Bein von Andree fällt. Höttges legt sich den Ball zurecht und schießt, doch Wienhold ist bereits im bedrohten Eck und wehrt den Schuss zum Erstaunen des Schützen ab.

Damit nicht genug – die nächste böse Überraschung wartet bereits auf die Mannschaft von der Weser und ihre Anhänger. In der 58. Minute zieht Parits mit einem weiten Pass los, Burdenski wirft sich vor seine Füße, kann aber den Ball nicht festhalten, Hölzenbein ist erneut zur Stelle, trickst den Torwart aus und schießt zum 1:2 ein.

Tausendsassa Wienhold

Nun schalten die Gastgeber endgültig in den Vorwärtsgang, allerdings fehlen ihnen Schussstärke und Kaltblütigkeit vor dem Tor. Vielleicht ist es aber auch nur der Tausendsassa zwischen den Pfosten des Frankfurter Tores, der den Bremern den Nerv und den Glauben raubt, dass sie ihn am heutigen Tage noch ein weiteres Mal überwinden könnten – Wienhold ist einfach nicht zu bezwingen. Dennoch muss die Frankfurter Mannschaft in der Defensive nun Schwerstarbeit verrichten. Dass allerdings tut sie mit großem Einsatz und einer verblüffenden Selbstverständlichkeit, die manch einer dieser technisch so beschlagenen Elf kaum zugetraut haben dürfte. Selbst Jürgen Grabowski ist sich nicht zu schade und übernimmt Verteidiger-Aufgaben.

Eine Viertelstunde vor Spielende lässt der Sturmlauf der Bremer jedoch nach, weil den Gastgebern die Kräfte ausgehen, die Zuspiele werden ungenauer, die Aktionen sind längst nicht mehr so zwingend. Aufseiten der Eintracht ist auch nicht mehr viel Benzin im Tank und so fehlt die Konzentration, um die Konter zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Defensiv hat man mittlerweile aber wieder alles unter Kontrolle. Diszipliniert halten die Adlerträger den Ball in den eigenen Reihen und spielen dabei ihre überlegene Technik aus. „Unser Trainer hat jeden Spieler dazu gebracht, seine persönlichen Interessen der Mannschaft unterzuordnen“, lobt Rohrbach Dietrich Weise.

Mit dem ersehnten Schlusspfiff ist es also vollbracht. „Wer vorne mitmischen will, braucht eben Glück“, analysiert Weise gewohnt offen: „Zweifellos haben wir glücklich gewonnen, aber das braucht man, wenn man oben bleiben will.“

Für seinen Schlussmann hat der Trainer ein Sonderlob: „Ich wusste schon immer, dass Günter Wienhold ein ausgezeichneter Torwart ist, und freue mich, dass er es heute endlich so nachdrücklich bewiesen hat. Das war überdurchschnittlich.“ So sieht es auch der „Kicker“ und stellt Wienhold neben Bernd Hölzenbein, der sich bereits über seine dritte Nominierung freuen kann, in die „Elf des Tages“. Dass der „Kicker“ den Torhüter außerdem zum „Mann des Tages“ macht, dürfte für den Keeper das Sahnehäubchen dieses Spieltages sein.

Werder Bremen–
Eintracht Frankfurt 1:2

Bremen: Burdenski, Kontny, Höttges, Assauer, Zembski, Kamp, Dietrich, Bracht, Schildt (78. Ripke), Weist, Görts.

Eintracht: Wienhold, Reichel, Kliemann, Trinklein, Andree, Hölzenbein, Körbel, Kraus, Grabowski , Parits, Rohrbach

Schiedsrichter:
Kindervater (Köln).

Zuschauer: 19 000.

Tore: 0:1 Hölzenbein (9.), 1:1 Weist (50.), 1:2 Hölzenbein (59.)

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