Eintracht Frankfurt

Interview mit Mijat Gacinovic: "Ich erwarte sehr viel von mir"

Nicht nur mit Fußbällen, auch mit dem amerikanischen Football gibt Mijat Gacinovic im Eintracht-Tr
Jan Huebner (Jan Huebner)/FNP

Herr Gacinovic, um mal gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Wie oft haben Sie sich diesen Lauf ins Glück von Ihnen im DFB-Pokalfinale in der Zwischenzeit auf Video angeschaut?

MIJAT GACINOVIC: Nicht so oft wie meine Familie und meine Freunde, aber doch sehr oft (lacht).

Was geht Ihnen dabei durch den Kopf?

GACINOVIC: Wahnsinn. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Dieser Moment war und ist einfach unbeschreiblich. Erst sollte es Elfmeter für Bayern geben, dann nicht, dann kam der Ball zu mir – und ich laufe los ... Ich bin ja direkt auf unsere Fans zu gesprintet, unsere Bank ist aufgesprungen, schon aufs Feld gerannt. Es war einfach perfekt.

Sie sagten, Sie seien froh gewesen, dass Mats Hummels und nicht Niklas Süle hinter Ihnen her war, weil Süle deutlich schneller sei.

GACINOVIC: Ich habe das den Jungs in der Kabine erzählt, das stimmt. Mats Hummels ist für mich der vielleicht beste Innenverteidiger der Welt, ich mag die Art, wie er spielt. Aber er ist eben nicht so schnell. Und ich wusste, dass ich ein paar Meter Vorsprung habe und konnte mir den Ball dadurch weiter vorlegen. Ich wusste, dass ich gute Chancen habe.

Und als der Ball dann drin war?

GACINOVIC: Ja, was soll ich sagen? Wahnsinn halt. Ich wusste, dass wir jetzt den Pokal haben, gegen die Bayern, das ist ja auch noch mal was Besonderes. Am nächsten Tag in Frankfurt, als wir den Fans ganz nahe waren, da habe ich wirklich realisiert, was dieser große Erfolg für den Verein und die Menschen bedeutet. Unglaublich viel. Das war definitiv der beste Moment meiner Karriere.

Und dann folgte, fast auf dem Fuß, die große Enttäuschung, die Nichtberücksichtigung für die WM in Russland.

GACINOVIC: Das hätte ich nicht erwartet. Jeder hat gedacht, dass ich dabei bin. Ich hatte oft gespielt in der Qualifikation, und auch gut gespielt. Ich denke, ich hätte es verdient gehabt, nach Russland zu fahren. Aber es ist so entschieden worden, was kann ich da machen?

Gab es eine Begründung?

GACINOVIC: Mit mir hat niemand gesprochen, drei Spieler waren betroffen. Wir haben nur die Info vom Teammanager bekommen, nicht vom Trainer (Mladen Krstajic; Anm. d. Red.).

Wie sind Sie persönlich mit der Ausbootung umgegangen?

GACINOVIC: Ich habe erst einmal Urlaub gemacht. Ich hatte im Sommer noch nie so eine lange Pause, und ich muss sagen: Ich habe sie gebraucht. Ich habe dann nach den Plänen von unseren Athletiktrainern trainiert. Als ich wieder nach Frankfurt kam, war ich fit. Das war für mich auch wichtig: neuer Trainer, neuer Staff um die Mannschaft herum – es war für mich schon sehr wichtig, dass ich von Anfang an dabei war. Früher bin ich immer erst etwas später zur Mannschaft gestoßen, konnte die Vorbereitung nie ganz mitmachen. Das war jetzt anders. Und es ist von enormer Bedeutung, die Vorbereitung komplett durchzuziehen. Das merkt man vielleicht nicht am Anfang einer Saison, aber im Laufe der Spielzeit.

Bisher läuft es gut, Sie gehören zu den Spielern, die ihre Leistung bringen.

GACINOVIC: Wie gesagt, ich wollte es nutzen, dass ich jetzt von Beginn an dabei war. Es ist auch von daher wichtig, dass man gleich versteht, was der neue Trainer will.

Sie haben ja auch sehr offensiv artikuliert, dass Sie mehr Verantwortung übernehmen wollen.

GACINOVIC: Das ist so. Wir haben viele neue Spieler, und ich finde, dass die, die schon länger da sind, den neuen Jungs helfen sollten, damit sie wissen und verstehen, worauf es ankommt.

Trainer Adi Hütter sagte kürzlich, Sie seien dafür genau der richtige Mann, weil Sie selbst wüssten, wie schwer es am Anfang für neue Spieler, gerade aus dem Ausland, sein kann.

GACINOVIC: Klar. Als ich nach Frankfurt kam, war ich zuvor länger krank und habe die Vorbereitung fast komplett verpasst. Ich war nicht fit, habe einfach Zeit gebraucht. Man muss ja auch sehen: neuer Trainer, neue Liga, neues Land, neue Sprache. Am Anfang war es schwierig für mich.

Sie beziehen nun auch verbal deutlicher Position. Nach dem Pokal-Aus in Ulm etwa mahnten Sie an, dass es so nicht weitergehen könne, die Mannschaft sich zusammensetzen müsse.

GACINOVIC: Wir haben ehrlich miteinander gesprochen, haben klar angesprochen, was auf dem Platz stimmt und was eben nicht stimmt. Es war nicht alles schlecht, aber doch viele Sachen, die negativ waren. Wir haben das in den zwei Bundesligaspielen danach dann abgestellt, sind anders aufgetreten – wie eine Mannschaft eben. Wir haben gekämpft bis zum Schluss, und dann kommt der Erfolg von alleine, dann belohnt man sich selbst irgendwann.

War das eine Aussprache ohne den Trainer?

GACINOVIC: Nein, er war dabei.

Sie sind ein selbstkritischer, reflektierender Spieler, Sie sagten in der abgelaufenen Runde, dass Sie sich viele Gedanken machen. Das ist prinzipiell eine gute Eigenschaft, im Fußball aber manchmal hinderlich. Haben Sie die Grübelei abgestellt?

GACINOVIC: Grundsätzlich ist es so, dass ich sehr viel von mir erwarte. Zurzeit mache ich mir aber nicht viele Gedanken, ich will einfach konstanter sein. Momentan bin ich ganz zufrieden.

Wie läuft das jetzt mit Kevin Trapp, ist er der erhoffte Führungsspieler?

GACINOVIC: Er war schon mal hier, kennt hier alles. Er ist ein großer Name, es ist gut für uns, dass er da ist. Er ist ganz klar ein Leader, und wir brauchen auch Spieler mit hoher Qualität. Er ist ein guter Mensch, ein super Typ. Ich hatte schon vorher nur Gutes über ihn gehört, habe ihn auch schon vor einiger Zeit kennengelernt, weil er oft bei unseren Spielen in Frankfurt war. Einen Typ wie ihn brauchen wir – sportlich und menschlich.

Wie ist es ohne Niko Kovac, alles ein bisschen lockerer?

GACINOVIC: Ja, ein bisschen lockerer schon. Aber wir arbeiten auch mit Adi Hütter sehr hart. Das Training war unter Kovac länger, dafür ist es jetzt kürzer und intensiver. Wir sind in den vergangenen beiden Spielen sehr viel gelaufen, sehr viel gesprintet. Das zeigen die Werte. Das heißt, dass wir topfit sind. Das müssen wir auch sein, denn vor uns liegt eine lange und harte Saison.

Wie haben Sie die stetigen Wechselgerüchte im Sommer um Ihren Kumpel Ante Rebic verfolgt?

GACINOVIC: Ich denke, dass Ante, wenn er aus Deutschland oder Frankreich kommen würde, jetzt für 50 Millionen Euro gewechselt wäre. Aber er kommt nur aus dem kleinen Kroatien. Wenn ich sehe, was in England los ist. Da werden Spieler für diese Summe gekauft, die eine gute Saison gespielt haben. Ante hat eine super Saison gespielt, das Pokalfinale fast alleine entschieden und ist mit Kroatien Vizeweltmeister geworden – da war für mich eigentlich klar, dass er mit mindestens 30, 40 Millionen Euro gehandelt wird. So ist das momentan im Fußball.

Umso erstaunlicher, dass er hier ist.

GACINOVIC: Ich bin froh, dass er hier ist. Er ist auch froh, hier zu sein, das kann ich Ihnen versichern. Wir brauchen ihn. Wenn er fit ist, ist er sehr, sehr wichtig.

Wie würden Sie die aktuelle Eintracht-Mannschaft einschätzen? Viele Leistungsträger haben den Verein verlassen.

GACINOVIC: Natürlich ist es nicht leicht, wen du viele gute Spieler verlierst, dann kommt noch ein neuer Trainer dazu. Das muss sich erst mal einspielen. Und für den neuen Trainer ist es ebenfalls schwer, wenn so viel Qualität nicht mehr vorhanden ist. Aber wir haben auch gute neue Spieler geholt. Manche brauchen ein bisschen Zeit, andere haben direkt gespielt und gezeigt, dass sie Qualität haben. Ich denke, dass wir vor allem in der zweiten Halbzeit gegen Bremen gut gespielt haben. Dass am Ende mit zehn Mann die Kräfte nachlassen, ist normal. Deshalb sage ich ja, dass die Spieler, die schon länger da sind, Verantwortung übernehmen müssen, um den anderen zu zeigen, wie hier in der Bundesliga Fußball gespielt wird. Wir haben viele Spiele, auch in der Europa League, deshalb brauchen wir nicht nur elf Spieler, sondern auch die, die vielleicht mal auf der Bank oder der Tribüne sitzen. Alle müssen an sich und ihre Chance glauben. Wir müssen alle zusammenstehen, wie eine Familie.