09.11.2017 03:30 |

Eintracht Frankfurt: Länderspielpause: Chance für die zweite Reihe

Frankfurt Nach seiner wochenlangen Pause kämpft Danny Blum sich wieder heran. Andere, wie Andersson Ordonez und Yanni Regäsel, haben bei der Eintracht ausgespielt.

Er arbeitet im Training fleißig an seiner körperlichen Fitness: Danny Blum (vorne).
Er arbeitet im Training fleißig an seiner körperlichen Fitness: Danny Blum (vorne). Bild: Marc Schüler (imago sportfotodienst)

Dunkle Wolken, Nieselregen: Einladend war die Arbeitsatmosphäre rund um die Frankfurter Arena gestern Vormittag nicht. Aber als Fußball-Profi kann man sich das Wetter nicht aussuchen. Erst recht nicht nach drei freien Tagen und zu Beginn einer Länderspielpause.

13 Feldspieler und zwei Torhüter standen Eintracht-Trainer Niko Kovac gestern zur Verfügung. Individuelle Übungen im Trockenen absolvierten Andersson Ordóñez, Kevin-Prince Boateng, Marco Russ und Simon Falette. Der Mann der Stunde, Sébastien Haller, hat den Beginn der Liga-Pause dazu genutzt, sich einen Weisheitszahn entfernen zu lassen.

Acht Nationalspieler sind auf Reisen. Da können andere die aktuelle Phase dazu nutzen, im Training oder in Testspielen auf sich aufmerksam zu machen. Spieler aus der zweiten und dritten Reihe, die zuletzt wenig oder nicht gespielt haben. Spieler wie Danny Blum zum Beispiel.

Um den 26-jährigen Mittelfeldspieler, schnell, offensivstark und mit einem Vertrag bis 2020 ausgestattet, ist es zuletzt ruhig geworden. Blum hat das Pech, häufig gesundheitliche Probleme zu haben. Zuletzt litt er unter den Folgen einer Mandel-OP. Am Freitag, beim Testspiel gegen seinen früheren Club SV Sandhausen, könnte er zeigen, dass mit ihm zu rechnen ist. „Ich weiß ja noch gar nicht, ob ich spiele“, bremst Blum die Erwartungen.

Mangelnde Selbstkritik kann man ihm mit Sicherheit nicht vorwerfen. Blum weiß, dass er bei seinem Kurzeinsatz in Mainz unglücklich ausgesehen hat. „Es war ein Kampfspiel dort, das war alles außer Fußball. Und ich habe falsche Entscheidungen getroffen“, gibt er zu.

Während Blum („Ich gebe nie auf“) noch zum erweiterten Hauptkader gehört, sind Andersson Ordóñez und Yanni Regäsel anscheinend überhaupt kein Thema mehr. Diese beiden Profis trainieren mal mit, eher selten, sind dann wieder vom Trainingsplatz verschwunden, ziemlich oft. „Angeschlagen“ heißt es meistens von den Pressesprechern zu Ordóñez, „krank“ zu Regäsel. Genauere Angaben gibt es nicht.

Wie schwer oder welcher Art die Verletzungen oder Krankheiten auch sind, festzuhalten bleibt, dass beide Abwehrspieler total im sportlichen Abseits stehen, keine Rolle mehr spielen. Nicht für Einsätze in der Bundesliga oder im Pokal, nicht für Freundschaftsspiele, nicht einmal mehr in der täglichen Trainingsarbeit. Dabei wurden beide in den letzten winterlichen Transferperioden noch mit großen Hoffnungen verpflichtet.

Der frühere Trainer Armin Veh hatte in Zusammenarbeit mit Manager Bruno Hübner Regäsel im Februar 2016, unmittelbar vor dem Start in die Rückrunde, von Hertha BSC geholt. Die Eintracht hat eine geringe Ablöse bezahlt, angeblich 200 000 Euro, und dem Neuen einen Vertrag bis 2019 gegeben. Regäsel sollte zu einer echten Alternative als rechter Verteidiger aufgebaut werden. Unter Veh war Regäsel gleich ein Kandidat für die Anfangself, hat in der Rückrunde zehn Spiele absolviert.

Die Einsätze wurden weniger, nachdem Niko Kovac das Amt von Veh übernommen hatte. Unter dem aktuellen Eintracht-Trainer ist der inzwischen 21 Jahre alte Verteidiger nicht wirklich vorangekommen. In der vergangenen Saison hat er unter Kovac im April und Mai nur noch dreimal im Kader gestanden, wurde nicht eingesetzt. Das letzte Spiel für die Eintracht hat Regäsel am 25. Oktober 2016 im Pokal gegen Ingolstadt (4:1 nach 11-m-Schießen) bestritten.

Unbedachte Äußerungen

Über Monate war Regäsel wegen Hüftproblemen ausgefallen, die auch eine Operation nach sich gezogen hatten. Mit ein paar ehrlichen, aber unbedachten Äußerungen in einem Interview im Mai diesen Jahres hatte sich der Berliner Junge beim aus Berlin stammenden Trainer auch keine Sympathiepunkte erworben. „So wie ich trainiere, hätte ich auf jeden Fall eine Chance verdient“, hatte er geklagt, „ich trainiere stark, aber der Trainer sagt nichts“. Als der Trainer vor nicht allzu langer Zeit auf Regäsel angesprochen wurde, antwortete er eher ausweichend. „Yanni muss erst aufgebaut werden“, hatte Niko Kovac gesagt, „er ist ein großes Stück weg von der Mannschaft“. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Gleiches gilt für Ordóñez. Der Ecuadorianer wurde im Januar aus Guayaquil für eine Ablösesumme von über einer Million Euro geholt und mit einem Vertrag bis zum Juni 2020 ausgestattet. Er sollte die damaligen Probleme in der Innenverteidigung helfen zu lösen. Doch Ordóñez’ Anfangszeit hätte unglücklicher nicht verlaufen können. Gleich beim Trainingslager in Abu Dhabi hat er sich am Knie verletzt. Die nachfolgende Reha, häufig alleine im Studio oder mit den Reha-Trainern, haben die ohnehin schon schwierige Integration noch weiter erschwert.

Der 23 Jahre alte Innenverteidiger ist immerhin noch auf vier Einsätze gekommen, dreimal von Beginn an, niemals über die komplette Spielzeit. Und so richtig überzeugen konnte er nie. Zum letzten Mal gespielt hat er am 22. April beim 3:1 gegen den FC Augsburg. Da musste er aus taktischen Gründen bei einem 0:1-Rückstand zur Pause dem Stürmer Shani Tarashaj Platz machen.

In dieser Saison hat Ordóñez noch nicht einmal im Kader gestanden. Auch mit den Trainingszeiten dürfte es im Vergleich zu den Kollegen nicht weit her sein, gefühlt trainiert er zweimal und pausiert dann dreimal. Immer wieder plagen ihn Verletzungen. Schon bei seiner Verpflichtung soll es Zweifel an der nötigen Gesundheit gegeben haben. Diese scheinen sich nun zu bestätigen. Ordóñez spielt keine Rolle mehr in den Planungen der Eintracht und es wäre keine Überraschung, wenn er im Winter auf Leihbasis wieder zurück in seine Heimat wechseln würde.

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