26.10.2017 03:30 |

Mainz 05 vs. Eintracht: Mainz-Coach Sandro Schwarz ist heiß auf das Rhein-Main-Duell

Sandro Schwarz war Spieler von Mainz 05, jetzt ist er Trainer des FSV. Im Interview mit unserem Redakteur Markus Katzenbach erklärt er unter anderem, was er vom Rhein-Main-Duell gegen Eintracht Frankfurt erwartet.

Früher auf dem Feld für Mainz 05 im Einsatz, heutzutage an der Seitenlinie: Sandro Schwarz setzt als FSV-Trainer Zeichen.
Früher auf dem Feld für Mainz 05 im Einsatz, heutzutage an der Seitenlinie: Sandro Schwarz setzt als FSV-Trainer Zeichen. Bild: Jan Huebner (imago sportfotodienst)

Vor 15, 16 Jahren standen Sie selbst auf dem Platz und haben Erfahrungen damit: Warum enden Spiele zwischen Mainz und der Eintracht eigentlich fast immer unentschieden oder mit einem Heimsieg?

SANDRO SCHWARZ: Gute Frage, keine Ahnung! Aber ich kann Ihnen mit Gewissheit sagen: Wir werden alles daran setzen, dass sich am Freitag die Mainzer Heimsieg-Serie gegen die Eintracht fortsetzen wird.

Damals spielten Sie auch gegen Alex Schur, der in Frankfurt eine Legende ist, und mit dem Sie befreundet sind. Woher kommt das eigentlich?

SCHWARZ: Wir haben uns auf irgendeiner Abendveranstaltung mal länger unterhalten und festgestellt, dass wir uns gut verstehen. Daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt. Wir haben dann gemeinsam den Fußballlehrer gemacht und auch schon als Trainer gegeneinander gespielt, als ich Eschborn trainiert habe und er die U23 der Eintracht. Er ist morgen auch im Stadion und Frankfurter durch und durch. Aber wir sind gute Freunde und werden es unabhängig vom Ergebnis am Freitag bleiben.

Sie sind in Mainz geboren, haben in der Jugend des FSV gespielt, sind dort zum Profi geworden und als Spieler in die Bundesliga aufgestiegen, jetzt Trainer des Clubs in der ersten Liga. Viel mehr Mainz 05 geht kaum – oder sehen Sie noch Luft nach oben?

SCHWARZ: Ich denke, das ist in der Tat schwer zu toppen! (lacht, Anmerkung der Redaktion) Klar ist es eine emotionale Geschichte, den Verein aus der eigenen Heimatstadt, der einen so sehr geprägt hat, in der Bundesliga trainieren zu dürfen. Aber darüber hinaus bin ich nicht im Amt wegen meiner Mainzer Wurzeln. Es geht darum, Inhalte zu erarbeiten, zu vermitteln und entsprechend unserer Spielphilosophie auf dem Platz erfolgreich umzusetzen. Das ist der Kern der Arbeit als Trainer, und wenn man tief in diese Inhalte einsteigt, spielt diese emotionale Komponente eine untergeordnete Rolle.

Sie haben unter zwei in Mainz besonders prägenden Trainern gespielt: Wolfgang Frank und Jürgen Klopp. Was haben Sie von ihnen gelernt?

SCHWARZ: Einiges. Wolfgang Frank war der erste Trainer, den ich in meiner Profi-Zeit hatte. Ich habe gelernt, wie intensiv die Arbeit eines Trainers sein kann und wie wichtig es ist, eine Spielphilosophie zu haben und als Spieler die eigenen Stärken vermittelt zu bekommen. Ich denke, dass es kein Zufall ist, dass viele, die Wolfgang Frank so intensiv erlebt haben wie ich, selbst die Trainerlaufbahn eingeschlagen haben. So auch Jürgen Klopp, ein weiterer herausragender Mainzer Trainer, von dem ich auch viel mitnehmen konnte. Dafür bin ich sehr dankbar, dennoch übernehme ich als Trainer keine Dinge eins-zu-eins. Mir ist wichtig, meinen eigenen Weg zu gehen.

Wolfgang Frank stand am Anfang Ihrer Profikarriere und auch am Ende: Nach seinem Aus beim SV Wehen Wiesbaden in der Zweiten Liga wurden Sie vom Spieler plötzlich zum Teamchef – was Sie wiederum mit Jürgen Klopp verbindet. Wie war dieser Kickstart in die Trainerkarriere?

SCHWARZ: Unverhofft! (lacht, Anm. d. Red.) Ich wurde nach der Niederlage beim FSV Frankfurt zum Präsidium geladen und dachte, dass sie von mir als Spieler eine Einschätzung unserer Situation hören wollten. Doch dann wurde mir der Trainerjob angeboten. Ich musste ehrlich gesagt erst einmal lachen, weil ich nicht dachte, dass sie das ernst meinen. Aber das haben sie – ich habe mir eine Nacht Bedenkzeit erbeten und mich mit meiner Familie und Freunden beraten. Letztlich habe ich zugesagt, auch weil ich eigentlich schon immer Trainer werden wollte.

Danach haben Sie den Beruf noch einmal ganz ordentlich gelernt, sind ein paar Klassen tiefer gegangen, in Eschborn aber auch gleich in die Regionalliga aufgestiegen und haben nebenher die Lizenz als Fußballlehrer erworben. Ist das etwas anderes, wenn man dort trainiert und später in der Mainzer Jugend oder wie jetzt in der Bundesliga? Oder gibt es im Fußball gar keine großen Unterschiede?

SCHWARZ: Ich denke die Unterschiede liegen eher im Organisationsgrad. Natürlich ist Mainz 05 sowohl im Profibereich als auch im NLZ (Nachwuchsleistungszentrum, Anm. de. Red.) , was Trainingsbedingungen, Personal, Räumlichkeiten und das ganze Drumherum angeht, anders aufgestellt als Eschborn. Auch die Medienarbeit und öffentliche Aufmerksamkeit ist logischerweise auf einem ganz anderen Level. Aber die Arbeit als Trainer an sich, das Coaching, das Planen der Einheiten, die Gespräche, die man mit Spielern führt, die ist unabhängig von der Liga eigentlich gleich.“

Bei Ihrer Vorstellung als neuer FSV-Trainer sagten Sie, Ihr Werkzeugkoffer sei gut gefüllt. Was ist denn darin?

SCHWARZ: Mir ist wichtig, dass wir in der Arbeit gegen den Ball sehr aktiv sind und den Gegner nach Ballgewinn im hohen Tempo bespielen. Quasi konform mit der Mainzer Spielphilosophie, die hier seit vielen Jahren sowohl im NLZ als auch im Profibereich zentrales Element ist. Die Mannschaft soll in allen Phasen und Situationen des Spiels das Gefühl haben, das richtige Werkzeug zur Hand zu haben.

Sie haben noch guten Kontakt zu Ihren Spielern aus Eschborner Zeiten, eine Gruppe von damals ist jetzt extra ins Mainzer Stadion gekommen. Liegt das daran, dass Sie einen besonders guten Draht zum damaligen Team hatten? Oder ist Ihnen so ein enges Verhältnis immer wichtig?

SCHWARZ: Ich kann ehrlich gesagt nicht einschätzen, ob der Draht zur Mannschaft besser oder schlechter ist als bei anderen Trainern. Da müssen Sie die Jungs selber fragen. Fakt ist, dass wir damals ein großartiges Team aus großartigen Menschen zusammen hatten. Es gibt für mich keinen Grund, den Kontakt mit ihnen abzubrechen.

Der Saisonstart war nicht eben glücklich, mit Niederlagen gegen die beiden Aufsteiger – allerdings sind Hannover und Stuttgart ja auch nicht ganz normale Neulinge. War es trotzdem schwer, als neuer Trainer in der Bundesliga da die Ruhe zu behalten?

SCHWARZ: Nein. Wer nach zwei Spieltagen schon in Panik verfällt, ist meines Erachtens falsch in dem Job. Zumal wir in beiden Partien eigentlich eine richtig gute Leistung auf den Platz gebracht haben. Man konnte an den vergangenen Spielen sehen, dass wir auf einem guten Weg sind. Nicht am Ziel, aber auf einem guten Weg.

Was setzen Ihre Spieler denn schon gut um, was muss besser werden?

SCHWARZ: Wie erwähnt haben wir eine spezielle Spielidee für Mainz 05, die sich schon vom NLZ-Bereich auf die Fahnen geschrieben wird. Wir haben in der Vorwärtsverteidigung und im Pressing-Spiel, also in der Dynamik im Spiel gegen den Ball, schon richtig gute Entwicklungsschritte genommen. In der Arbeit mit Ball haben wir gute Lösungsansätze gezeigt, aber diese Dinge brauchen ihre Zeit. Grundsätzlich versuchen wir, uns jederzeit in allen Bereichen zu optimieren.

Was für ein Bild von der im Sommer wieder runderneuerten Eintracht haben Sie sich gemacht?

SCHWARZ: Ich erwarte einen giftigen Gegner, der attraktiven Fußball zeigt und bis zum Schlusspfiff nicht aufstecken wird. Wir müssen bis zum Schluss hellwach sein, denn besonders zum Ende hin schlägt die Eintracht gerne zu.

Wird das wie in dieser besonders engen, umkämpften Saison bislang recht häufig eine zähe Angelegenheit – oder kann so ein Rhein-Main-Duell mit all seinen Emotionen gar keine rein taktische Angelegenheit werden?

SCHWARZ: Ich erwarte einen emotionalen, leidenschaftlichen, geilen Fight zwischen zwei hochmotivierten, guten Mannschaften – genau das, was man an einem Freitagabend von einem Flutlichtspiel erwartet. Und genau das, wofür wir diesen Job machen.

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