15.11.2017 03:30 | Peppi Schmitt

Eintracht Frankfurt: Marc Stendera: Wie der große Pechvogel zum Anführer wird

Frankfurt Immer wieder muss Marc Stendera mit Rückschlägen kämpfen, kleinen und großen. Wenn er fit war, hat er sich bei der Eintracht aber immer durchgesetzt.

Feiner Techniker, und ein Kämpfer dazu: Marc Stendera kann mit dem Ball umgehen – wie hier im Testspiel gegen Sandhausen.
Feiner Techniker, und ein Kämpfer dazu: Marc Stendera kann mit dem Ball umgehen – wie hier im Testspiel gegen Sandhausen. Bild: Huebner/Scheiber (Jan Huebner)

Zugegeben, der Vollbart lässt ihn schon ein wenig älter aussehen. Und doch ist Marc Stendera erst 21 Jahre alt. Er hat schon einiges hinter sich bei und mit der Frankfurter Eintracht und hoffentlich noch viel vor sich. Beim Testspiel am vergangenen Freitag gegen den SV Sandhausen hatte Stendera die Mannschaft als Kapitän aufs Feld geführt. Das war nicht der Rückkehr in die Heimat Riederwald geschuldet, wo er im Nachwuchs-Leistungszentrum lange zu Hause war und ausgebildet wurde, sondern der großen Fluktuation im Eintracht-Kader der jüngeren Jahre. Und natürlich dem einen oder anderen verletzten Kollegen. „Ich habe mich umgeschaut in der Kabine und Marc war der dienstälteste“, hatte sogar Trainer Niko Kovac gestaunt.

Die anderen Kapitäne David Abraham, Marco Russ und Alex Meier sind verletzt und mit dem geschonten Kevin-Prince Boateng ein anderer Anführerer nicht dabei. Also bekam Stendera die Binde an den Arm. Ob er der jüngste Eintracht-Kapitän aller Zeiten war? Darüber gibt es keine Statistik.

Gestern zurück in Frankfurt – und gleich zur Blutabnahme: Ante Rebic. Foto: Marc Schüler (Marc Schueler)
Gestern zurück in Frankfurt – und gleich zur Blutabnahme: Ante Rebic.

Klar ist aber: Er hat gut gespielt gegen Sandhausen, so gut wie zuvor im Pokal in Schweinfurt und in der Bundesliga in Mainz. „Marc tut der Mannschaft mit seiner Ruhe und Ballsicherheit gut“, sagt Trainer Niko Kovac. „Wir wollten viel Ballbesitz und haben versucht, im Spiel umzusetzen, was wir im Training geübt haben“, sagte Stendera.

Der Eintracht-Coach arbeitet mit seiner Mannschaft hart daran, nicht nur weiter erfolgreich spielen zu können, sondern in Zukunft auch wieder besseren und ansehnlicheren Fußball zu bieten. Ballbesitz gehört dazu. Und da wiederum kann Stendera helfen.

Das war zu dieser Phase der Saison nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Denn Stendera gehört zu den absoluten Pechvögeln im gesamten Profifußball, nicht nur bei der Eintracht. Immer wieder muss er Rückschläge durch Verletzungen hinnehmen. Und meistens sind es keine leichten Blessuren, wie sie immer mal vorkommen. Sondern Verletzungen, die Operationen erfordern und lange Pausen nach sich ziehen. So hat Stendera schon zwei Kreuzbandrisse hinter sich. Auch in diesem Sommer hatte er wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Gerade erst hatte er nach einem Jahr Pause wieder spielen können, am 30. April, beim 0:1 in Hoffenheim übrigens, wo es am Samstag wieder hingeht, da musste er erneut pausieren. Der Außenmeniskus war eingerissen, es folgte ein erneuter operativer Eingriff – und das Pokalfinale war damit verpasst.

Zur Vorbereitung auf diese Saison war das Eintracht-Eigengewächs wieder fit, zog sich beim Testspiel im amerikanischen San José dann aber eine Schulterverletzung zu. Diese stellte sich nach intensiven Untersuchungen dann endlich einmal als harmlose Prellung heraus. Stendera konnte schnell ins Training zurückkehren. Beim Test gegen Benevento im Trainingslager in Südtirol stieg ihm dann ein Italiener böse auf den Knöchel, es folgte die nächste Pause.

Da braucht es schon ein sonniges Gemüt, um nicht zu verzweifeln. „Ich gebe nie auf und komme immer wieder“, sagt er. Dass er trotz aller Widrigkeiten inzwischen schon 66 Bundesligaeinsätze auf dem Buckel hat, spricht für diese These. Stendera ist ein Kämpfer auf dem Platz und in der Reha. Er kann sich quälen, er hat einen großen Willen. Und er kann dieser Eintracht-Mannschaft mit seinen technischen Fähigkeiten gut tun. Er kann den sogenannten „tödlichen Pass“ spielen, hat sich, Gesundheit vorausgesetzt, bei allen Trainern der zurückliegenden Jahre durchgesetzt, egal ob es Armin Veh, Thomas Schaaf oder Niko Kovac war.

Das macht ihm Mut für die Zukunft. Eine Zukunft, die zumindest die nächsten Jahre in Frankfurt liegen wird. Marc Stenderas Vertrag läuft bis Juni 2020. Und auch wenn er vielleicht so bald nicht wieder die Kapitänsbinde tragen wird, könnte er in der Zukunft doch ein Anführer dieser Eintracht werden.

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