Eintracht Frankfurt

Marco Fabián ist wieder „zu Hause“

Von THOMAS KILCHENSTEIN
Wieder mittendrin: Marco Fabián gestern beim Training mit seinen alten Mannschaftskollegen in Frankfurt.
Jan Huebner (Jan Huebner)/FNP

Ganz am Ende des Trainingsspielchens hat Marco Fabián sogar noch einen Kopfballtreffer erzielt. Das passiert dem Mexikaner eher selten, vor allem hatte er in den letzten Wochen gar nicht die Gelegenheit dazu, da spielte er meist im kleinen Kreis nur Flachpässe. Marco Fabián gehörte zu jenen sieben Spielern, die Eintracht Frankfurt seit Anfang August nach und nach aussortiert hat.

Am gestrigen Dienstag trainierten die fünf verbliebenen Ausgemusterten fröhlich im Kreis ihrer alten Mannschaftskameraden mit, Branimir Hrgota etwa, auch Marc Stendera mischte munter mit, lediglich Simon Falette trainierte wegen einer leichteren Blessur individuell, aber zur gleichen Zeit wie die erste Mannschaft. Es war so, als ob sie nie weg gewesen wären. Und der Frankfurter Trainer Adi Hütter ließ sich sogar so zitieren: „Ich freue mich, dass die Jungs wieder dazugestoßen sind.“ Sie seien ja nie „Ausgestoßene“ gewesen, sondern Spieler, „die vorläufig nicht in der Planung waren“. So kann man die Degradierung natürlich auch erklären.

Es sei „schön“, ergänzte der Fußballlehrer noch, „wie schnell sie wieder integriert sind“. Und inzwischen hat Hütter auch bemerkt, dass es „bei sieben Spielen in 24 Tagen von Vorteil sein“ könnte, „einen größeren Kader zu haben“. Die Sieben wurden auch deswegen weggeschickt, weil seinerzeit der Kader noch als zu aufgebläht galt. Jetzt, nach diversen Verletzungen, Sperren und einer offensichtlichen Neubewertung, reicht das Personal nicht aus. Zumindest täte der eine oder andere Spieler, der die Mannschaft nach vorne bringen könnte, gut. Marco Fabián zum Beispiel.

Der war zur Überraschung vieler nach dem Supercup-Finale in die Trainingsgruppe zwei verbannt worden, um sich in aller Ruhe um einen neuen Klub zu bemühen. Das hat ja bekanntlich nicht geklappt, sein Wechsel zu Fenerbahce Istanbul hatte sich im letzten Augenblick zerschlagen. „Fünf Minuten“ vor der endgültigen Vertragsunterzeichnung habe Fener noch einmal versucht, bereits ausgehandelte Vertragsinhaltes zu ändern, erzählte Fabián gestern nach dem Training.

„Rücken ist in Ordnung“

Dabei war es um Geld gegangen, um vereinbarte Bonuszahlungen, auch an den Modalitäten Eintracht Frankfurt betreffend hatten die Türken plötzlich Veränderungen vornehmen wollen. „Das war nicht korrekt“, sagte Fabián und nahm von dem eigentlich schon fixen Wechsel an den Bosporus Abstand. Dass Fener Gerüchte gestreut hatte, er sei durch den obligatorischen Medizincheck wegen seines operierten Rückens gefallen, ist ihm äußerst übel aufgestoßen. „Das ist Blödsinn. Mein Rücken ist zu 100 Prozent in Ordnung.“

Diese unschöne Episode will der 29-Jährige möglichst schnell vergessen. Endlich habe er dem ganzen Stress den Rücken kehren können. „Ich lebe im Hier und Jetzt und schaue nur in die Zukunft“, sagt er. Und die Zukunft sieht er, zumindest bis zum Winter, vielleicht sogar bis 2019, vorerst bei der Eintracht. „Ich freue mich und bin glücklich, wieder zu Hause zu sein.“ In Frankfurt, daraus hat er ja nie ein Geheimnis gemacht, hat er sich immer wohl gefühlt, weiterhin „hängt mein Herz an Frankfurt, an diesem Klub und an dieser Mannschaft“, sagte der mexikanische Nationalspieler, der ebenso wie der gestern erfolgreich am Sprunggelenk (Syndesmosebandriss) operierte Carlos Salcedo bei der WM in Russland dabei war. Der 24 Jahre alte Verteidiger schickte, kaum aus der Narkose aufgewacht, bereits erste Grüße via Instagram in die Welt: „Es ist alles gutgegangen. Ich freue mich, mit der Reha zu beginnen.“

In der Tat hat es kaum einen Spieler aus dem Ausland gegeben, der sich trotz aller Fährnisse so wie Marco Fabián unbedingt durchsetzen wollte, nie aufgegeben hatte und auch in kurzer Zeit ordentlich Deutsch gelernt hat. Fabián, der um ein Haar schon seine Wohnung in Sachsenhausen aufgelöst hatte, will nun einen neuen Anlauf nehmen. „Ich will meine Chance nutzen.“ Er setze alles daran, der Mannschaft helfen zu können. „Ich brenne darauf, den Fans etwas zurückzugeben.“

Willems: Drei Spiele Sperre

Im Übrigen habe er, obwohl Hütter ihn vor Wochen nicht mehr in seinem Kader haben wollte, ein „ausgezeichnetes Verhältnis“ zum Trainer, erklärte der Mexikaner. Er wolle nun mit aller Macht darum kämpfen, spielen zu dürfen. Auch Hütter hatte vorher nur lobend von Fabián gesprochen, er sei „ein toller Spieler, ein super Typ“.

Jetro Willems wurde derweil vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für drei Spiele gesperrt. Nach seiner Tätlichkeit gegen Werder Bremen (1:2) fehlt der Verteidiger damit gegen Borussia Dortmund, RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach. Der 24 Jahre alte Willems hatte Gegenspieler Theodor Gebre Selassie absichtlich im Gesicht getroffen und am Tag danach seinen Fehler eingeräumt. Die Eintracht legte Einspruch gegen das Urteil ein.

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