20.03.2017 03:00 | Markus Katzenbach

Eintracht Frankfurt: Marco Russ stand früher wieder in der Startelf als gedacht

Frankfurt Hasebe fehlt der Eintracht – vielleicht für länger. Immerhin ist diese schlechte Nachricht der Anfang für eine große Comeback-Geschichte.

Schon wieder mittendrin: Marco Russ (2. von rechts) räumt gegen den HSV ab.
Schon wieder mittendrin: Marco Russ (2. von rechts) räumt gegen den HSV ab. Bild: Christian Klein (FotoKlein)

Am Ende war fast alles wieder wie immer. Marco Russ reichte die Kapitänsbinde an David Abraham weiter und Schiedsrichter Benjamin Cortus bei seinem Abgang vom Rasen die Hand, am Seitenrand bekam er von Trainer Niko Kovac einen Klopfer auf die Schulter. Nur die Sprechchöre ließen seinen Namen noch lauter durchs Stadion schallen als üblich, und der Interview-Marathon nach dem Abpfiff fiel etwas länger aus. Der stellvertretende Spielführer der Frankfurter Eintracht aber brachte ihn in aller Seelenruhe hinter sich, und er machte gewiss kein großes Aufheben von seiner Rolle, in der für ihn ja auch schon wieder erfreulich viel Normalität steckte.

Dass sein erster Einsatz in der Startelf seit dem 19. Mai 2016, nach überstandener Hodenkrebs-Erkrankung mitsamt zweier Chemotherapien, früher als erwartet kam und eine spezielle Botschaft hatte, wusste Marco Russ selbst freilich am besten: „Meine Geschichte zeigt, dass man solche Krankheiten überstehen kann. Ich sehe mich schon als Vorbild “, sagte er nach dem 0:0 gegen den Hamburger SV. Begonnen hatte diese schönste Geschichte eines sonst eher tristen Frankfurter Samstages mit einer schlechten Nachricht: Neben Jesus Vallejo, der nach seinem Muskelfaserriss lieber noch einmal aussetzte, musste auch Makoto Hasebe passen – möglicherweise für länger: Der 33-Jährige kommt unters Messer, das schmerzende Knie wird arthroskopiert. „Wir wissen die Verletzung nicht ganz einzuordnen“, erklärte Sportdirektor Bruno Hübner. „Deshalb schaut der Doktor mal rein. Nach der Arthroskopie wissen wir mehr.“

Bei einer Rettungstat beim 0:3 in München war Hasebe gegen den Pfosten geprallt, hatte sich eine Risswunde am Schienbein zugezogen und das Knie lädiert – heftiger als erst gedacht. „Makoto hat sich bereit erklärt zu spielen. Aber wir können da kein Risiko eingehen“, berichtete Kovac von einer Entscheidung, die erst am Spieltag fiel: „Er war den Tränen nahe, weil er immer alles gibt für seinen Verein. “

Auch die anstehenden Länderspiele wird Japans Kapitän nicht bestreiten können. Vielleicht aber geht er doch auf die weite Flugreise in die Heimat, um die Arthroskopie dort durchführen zu lassen. Die Ergebnisse werden in Frankfurt so oder so bang erwartet. Nicht unmöglich, dass Hasebe wie Vallejo nach der Länderspielpause in zwei Wochen gegen Mönchengladbach wieder spielen kann. Sollte er allerdings länger ausfallen, wäre das für die Eintracht ein weiterer schwerer Schlag.

„Die vielen Ausfälle können wir nicht kompensieren“, klagte Hübner und ergänzte in der Personalnot: „Dass Marco so früh wieder 80 Minuten spielen muss, zeigt eigentlich alles.“ Gerade Hasebe ist kaum zu ersetzen, das konnte auch Marco Russ natürlich noch nicht ganz gelingen. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten aber stand der 31-Jährige „direkt seinen Mann“, wie es Abwehrkollege Timothy Chandler ausdrückte. „Wenn er neun Monate nach so einer Erkrankung so zurückkehrt, hat er es außerordentlich gut gemacht“, lobte Kovac. „Das war top.“

Anfangs stand Russ etwas neben sich. „Die ersten fünf Minuten habe ich noch versucht, mein Navigationssystem einzuschalten. Da war ich etwas wackelig“, räumte er ein. „Ich wusste dann aber, dass ich mich durch Zweikämpfe ins Spiel reinfinden kann.“ Russ köpfte viele Bälle hinten raus, und ihn ärgerte schließlich nur, dass er nicht ganz bis zum Ende durchhielt – die Waden schmerzten nach 80 Minuten zu sehr. Sein Startelf-Comeback aber war aller Ehren wert. Und eben wieder ein gutes Stück Normalität. Anders als der erste Kurzeinsatz im Pokal gegen Bielefeld vor zweieinhalb Wochen, den er danach mit Töchterchen Vida vor der Fankurve feierte. „Das war schon emotionaler“, meinte Marco Russ. Freilich gilt für ihn mehr denn je: „Ich genieße jeden Einsatz.“

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