30.10.2017 03:30 | Markus Katzenbach

Eintracht Frankfurt: Marius Wolf, das Schnäppchen der Woche

Frankfurt Die vollgepackte Woche hat Marius Wolf trefflich genutzt, um sich für weitere Einsätze zu empfehlen. Mit seiner bemerkenswerten Entwicklung wird er für die Eintracht zu einem echten Schnäppchen.

Gut gebrüllt: Auch in Mainz hilft Marius Wolf (rechts) der Eintracht weiter. Marc Stendera freut sich mit ihm.
Gut gebrüllt: Auch in Mainz hilft Marius Wolf (rechts) der Eintracht weiter. Marc Stendera freut sich mit ihm. Bild: Christian Klein (FotoKlein)

Am späten Freitagabend gab es für Marius Wolf noch ein spontanes Lob von höchster Stelle und obendrein eine Geste der Anerkennung aus dem gegnerischen Lager. Fredi Bobic, als Sportvorstand der Frankfurter Eintracht so etwas wie sein oberster Vorgesetzter, plauderte mit seinem Mainzer Amtskollegen Rouven Schröder gerade noch locker in den Katakomben der Arena vor den Toren der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, als Wolf nach seinem Interview-Marathon an beiden vorbeikam. Von Bobic gab es ein paar freundliche Worte mit auf den Weg, von Schröder ein paar Schulterklopfer für den Frankfurter Mann der englischen Woche, und eigentlich hätte der Mainzer Manager gleich auch noch Kollege Bobic auf die Schulter klopfen können: Marius Wolf schließlich scheint für die Eintracht immer mehr zu einem echten Schnäppchen zu werden.

„Er hat es außerordentlich gemacht“, lobte Trainer Niko Kovac seinen Zögling, der in dem insgesamt schwachen Rhein-Main-Duell wieder einer der stärksten Frankfurter gewesen war. Wolf bereitete das Eigentor des Mainzer Kapitäns Stefan Bell vor, und an ihm lag es nicht, dass sich die Eintracht nach der Pause den Ausgleich einfing und nicht über ein 1:1 hinauskam. „Gerade in der zweiten Halbzeit hat er noch denen eine einen oder anderen Slalomlauf hingelegt, dass mir die Ohren geschlackert haben“, geriet Kovac ins Schwärmen.“

„Werden die Option ziehen“

Zumindest für viele nicht direkt an diesem Deal Beteiligten war das nicht unbedingt zu erwarten, als Bobic und Co. im Winterschlussverkauf zuschlugen, am 31. Januar, dem letzten Tag auf dem Fußballerbasar. Was die Eintracht wohl wollte mit diesem dürren Kerl aus Hannover, der selbst bei dem damaligen Zweitligisten durchgefallen war? Ergänzungsspieler für die zweite oder dritte Reihe schien der Kader schließlich genug zu bieten. „Er musste erstmal was auf die Rippen bekommen“, erinnerte sich Bobic am Freitag an Wolfs Anfänge bei der Eintracht.

Schmächtig ist er noch immer, sein Auftritt aber inzwischen ein ganz anderer. So recht glaubte man offenbar auch in Hannover nicht an eine solche Entwicklungsmöglichkeit. Als die Eintracht die erst einmal sechsmonatige Leihfrist im Sommer um ein weiteres Jahr verlängerte, handelte sie einen Preis für eine feste Verpflichtung aus, der in Zeiten der 222 Neymar-Millionen fast wie ein Geschenk wirkt: 500 000 Euro. „Diese Option werden wir sicher ziehen“, kündigte Kovac am Freitag an. Immerhin zu drei Bundesliga-Einsätzen war Wolf in seinem ersten halben Jahr schon gekommen, ehe ihn der Gladbacher Vestergaard im Pokalhalbfinale böse an der Schulter verletzte. So richtig in die Spur gekommen war der gebürtige Coburger, der in der Jugend des 1. FC Nürnberg und bei 1860 München ausgebildet wurde, nach der Zwangspause selbst im Südtiroler Vorbereitungscamp vor der Saison noch nicht. Kaum vorstellbar schien da, dass er in Mainz zum wiederholten Mal ein entscheidender Faktor in Frankfurter Reihen sein sollte – wobei ihm seine Vielseitigkeit hilft.

„Ich haue mich rein, egal auf welcher Position. Ich möchte der Mannschaft helfen und wenn es dann gut klappt, bin ich natürlich zufrieden“, sagte der 22-Jährige in Mainz, wo er einen ganz persönlichen Lauf fortgesetzt hatte: Beim 2:2 gegen Dortmund hatte Wolf den Ausgleich erzielt, auch einen Treffer beim Pokal-4:0 in Schweinfurt beigesteuert, nun eine Torvorlage in Mainz. Viel mehr geht in drei Spielen in sieben Tagen kaum, und hinzu kommt noch das 1:0, das er Sebastien Haller in Hannover auflegte, bei dem Termin vor diesem Dreierpack. Zur Frankfurter Serie von nun fünf ungeschlagen Pflichtspielen trug er so maßgeblich bei. „Der Oktober war schon goldig, jetzt bin ich gespannt auf den November“, fasste Kovac den allgemeinen Trend in einer drolligen Formulierung zusammen, die auch für Wolf im Speziellen gilt: „Er hat eine richtig gute Entwicklung genommen“, lobte der Trainer. Besonders hob Kovac hervor, dass „er sich für keine Position zu schade ist, auch wenn es nicht seine Lieblingsposition ist“. Gegen Dortmund begann Wolf beispielsweise hinter den Spitzen, wegen Timothy Chandlers Meniskus-Schaden indes könnte die gewohnte rechte Seite bis zur Rückrunde zu seinem Stammplatz werden.

Chance genutzt

Immer wieder gestattet Kovac dem einen oder anderen aus hinteren Reihen Bewährungsproben. Das gehört zum Programm, ist bisweilen aber auch der Personalnot geschuldet. Während Branimir Hrgota, Aymen Barkok oder in Mainz Danny Blum sich zuletzt nicht für weitere Einsätze empfehlen konnten, nutzten Marc Stendera und eben Marius Wolf solche Chancen. Alles gelingt dem immer noch recht hageren Blondschopf gewiss nicht. Manchmal springt ihm der Ball zu weit vom Fuß wie bei aussichtsreichen Kontern gegen Dortmund oder ihm verrutscht eine Flanke wie in Schweinfurt. Auf eines aber kann man sich bei Marius Wolf verlassen: „Er gibt immer Gas, in jedem Training, in jedem Spiel“, betonte Niko Kovac, und legte nach: „Wer an sich glaubt, wird auch erfolgreich sein. Ich bin davon überzeugt, dass er noch besser wird.“ Sicher ist sich der Trainer: „Eintracht Frankfurt wird noch viel Freude an ihm haben.“

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