08.11.2017 03:00 | Michael Löffler

Eintracht Frankfurt: Martin Fenin: Die Eintracht immer noch im Herzen

Prag Sein Premieren-Hattrick für die Frankfurter Eintracht bleibt unvergessen, die Fans liebten ihn. Aber dann begann der Absturz.

Ein Bild aus glücklichen Frankfurter Tagen: Martin Fenin (rechts) bejubelt mit Sonny Kittel eines seiner Tore.
Ein Bild aus glücklichen Frankfurter Tagen: Martin Fenin (rechts) bejubelt mit Sonny Kittel eines seiner Tore. Bild: Christian Klein

„In Frankfurt war ich glücklich. Die Eintracht habe ich geliebt. Den Verein habe ich immer noch in meinem Herzen“, sagt Martin Fenin. Bei diesen Worten ist der sonst recht kühl wirkende 30-Jährige sichtlich gerührt, ja, sogar den Tränen nahe.

Fast eine halbe Stunde lang plauderte der tschechische Fußballer in seiner Heimat in einer TV-Sendung über sein (teilweise) verpfuschtes Leben. Er war auf dem besten Wege ein Weltstar zu werden. Doch er versank in den Tiefen des Lebens, privat wie fußballerisch. Jetzt hat Fenin die zwischendurch erloschene Liebe zum Fußball wieder gepackt. In der tschechischen 2. Liga hat er beim SK Varndorf eine „Spätherbst-Karriere“ gestartet. In der Vorbereitung brach er sich die Hand, nun absolvierte er die ersten Matches. „Ich bin mit 30 zu jung, um in Fußball-Rente zu gehen. Ich habe nicht mein Talent vergeudet, nur die Chance, die ich hatte. Ich bin sicher, dass der Neustart klappt“, sagt Fenin.

Immer wieder mal in Frankfurt: Martin Fenin und Freundin Magda. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst)
Immer wieder mal in Frankfurt: Martin Fenin und Freundin Magda.

Sein Einstand im Trikot mit dem Adler auf der Brust war phänomenal. Bereits in seinem ersten Spiel für Eintracht Frankfurt am 2. Februar 2008 gegen Hertha BSC erzielte der Tscheche drei Tore zum 3:0-Erfolg. Dieser Hattrick in seinem Premieren-Spiel ist heute immer noch ein Bundesliga-Rekord. Im darauf folgenden Heimspiel am 9. Februar gegen Arminia Bielefeld gelang ihm ein weiterer Treffer. Zudem wurde er beide Male in die „Mannschaft des Spieltages“ vom „kicker“ gewählt und war jeweils „Spieler des Spiels“.

Sein Abgang in Frankfurt aber war unrühmlich. Nach einigen Eskapaden verließ der Stürmer Ende August 2011 die Eintracht und ging zum Zweitligisten Energie Cottbus. „Das war ein schrecklicher Fehler“, sagt Fenin rückblickend: „Unter Trainer Friedhelm Funkel war ich gefragt, seine Nachfolger Michael Skibbe und Armin Veh, der nach dem Abstieg 2011 übernahm, bevorzugten andere Offensivkräfte. Ich hätte um meinen Platz kämpfen, mich durch ständig starke Leistungen im Training und im Spiel aufdrängen müssen. Heute weiß ich, dass Veh fair war, mir klar sagte, woran ich bei ihm bin. Damals war ich aber sauer, beleidigt. Und wollte lieber vorzeitig weg.“

Es war nicht die einzige falsche Entscheidung in Fenins Leben. Aber zunächst lief alles wie am Schnürchen. Mit 16 bekam er vom Trainer František Straka, einst Bundesligaspieler in Mönchengladbach, eine Chance im A-Team von FK Teplice. Beim Liga-Debüt 2003 gegen Zlín erzielte er gleich sein erstes Tor. Es folgte ein triumphaler Weg durch alle tschechischen Nachwuchs-Nationalteams. Er war Team-Kapitän bei der U 19-EM, bester Torschütze bei der U 20-WM in Kanada, bei der sein Team das Finale erreichte, machte mit 20 sein erstes von insgesamt 16 A-Länderspielen. Große Vereine wie Arsenal, Liverpool, Juventus wollten ihn verpflichten. Fenin entschied sich für Frankfurt, wo er dann in 96 Spielen 16 Treffer erzielte. „Die Eintracht hat mich am meisten gereizt. Es war die richtige Entscheidung“, ist er sich heute immer noch sicher. Bis heute kommt er ab und an nach Frankfurt, um sich Spiele anzuschauen.

Doch hier begann auch sein Absturz. Mit seinem damaligen Teamkollegen Markus Steinhöfer wollte er in seiner Neu-Isenburger Dachgeschoss-Wohnung grillen. Es endete mit einem Brand. „Halb so wild. Wir haben einen Schlauch der Gasflasche nicht richtig befestigt. Von außen sah es wie ein Riesenbrand aus. Die Feuerwehr war im Nu fertig. Ohne die aufgekommene Panik hätten wir es selbst gelöscht.“

Seitdem war er aber für die Boulevardpresse ein gefundenes Fressen. Bald darauf endete Fenins Nationalelf-Karriere. Nach einem verlorenen WM-Qualifikationsspiel gegen die Slowakei sollen die Spieler mit Prostituierten auf dem Zimmer gezecht haben. „Blödsinn. Vom Boulevard erfunden“, sagt Fenin.

Sein Alkoholkonsum wurde aber nun öffentlich oft erwähnt. Und richtig los ging es nach dem Fenstersturz in Cottbus im Oktober 2011. „Dort herrschte nur Neid. Da kommt der Herr Star, hieß es in der Kabine.“ Er sei von einem Abendessen, bei dem er drei Gläschen Wein getrunken habe, nach Hause gegangen. „Ich war gestresst, depressiv. Um einzuschlafen, nahm ich wie üblich Schlaftabletten.“ Das ganze sei ein Unfall gewesen. „Er war schon als Kind ein Schlafwanderer“, sagt seine Mutter. In die gleiche Kerbe schlägt auch Fenins Freundin Magda Antošová: „Als ich ihn später in Frankreich besuchte, ist er ein paar Mal im Schlaf gewandelt.“ Die Folge des Fenstersturzes war eine Gehirnblutung, ein halbes Jahr war er im Krankenhaus. Aufmunterung habe er nur durch Briefe von Fans aus Frankfurt bekommen.

Die Presse hätte ihn damals zerrissen. Als aufkommender Star sei er als Vorbild angepriesen worden. „Ich war nie ein Heiliger, ein Idol“, sagt Martin Fenin heute: „Nun diente ich als Beispiel für Eskapaden.“ Sportlich ging es von 2013 an bergab. Bei Slávia Prag stoppte ihn im zweiten Spiel eine böse Verletzung. In Teplitz bekam er die nächste Chance. Nachdem er mehrmals angetrunken zum Training erschien, wurde Fenin suspendiert. Die folgenden Gastspiele beim Drittligisten FC Istres in Frankreich und in Chemnitz (2014/15) waren nur ein kurzes Intermezzo. Die glücklichen Frankfurter Zeiten – sie sind lange her.

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