17.03.2017 15:48 |

Eintracht Frankfurt: SGE-Check: Hamburger SV. Darauf eine Stulle Graubrot

Stephan Reich ist Buchautor, Redakteur beim Fußballmagazin 11 Freunde und Eintracht-Fan von Kindesbeinen an. Vor jedem Spiel wirft er einen ganz eigenen Blick auf den Gegner – diesmal der Hamburger SV: ungewohnte Hamburger Harmonie, Bruchhagen als Segen und die Steigerungsform von Dino.

Das ist los beim Gegner:  
Ruhe. Noch vor nicht allzu langer Zeit bot der HSV mit all seinem Chaos mehr Anlass zu fiesen Witzen als sämtliche Blondinen, Ostfriesen und Mantafahrer des Landes zusammengenommen, nach einer soliden Rückrunde mit einigen unerwarteten Erfolgserlebnissen ist es bei den Hamburgern derzeit ungewohnt harmonisch. Der Trainer sitzt fest im Sattel, die Führungsriege steht geschlossen, mit Bobby Wood hat man plötzlich einen Topstürmer, der international Begehrlichkeiten weckt,  und sogar mit den leidgeprüften Fans wurde der Schulterschluss geschafft. Mal sehen, wann die ganze Harmonie dem ersten Hamburger zu langweilig wird und irgendwo in Hamburg ein herrenloser Rucksack mit brisanten HSV-Dokumenten gefunden wird.
 
Der Star des Teams:
Heribert Bruchhagen. Was erst einmal komisch klingt, schließlich bringt Bruchhagen in etwa so viel Starpotential und Glamour mit wie ein Laib ostwestfälischen Graubrots. Für den HSV ist Bruchhagen dennoch ein Segen, denn der ehemals starke Mann der Eintracht kam zu den Rothosen, als die Not am größten war. Und siehe da: Die Lage der Hamburger hat sich zumindest ein bisschen entspannt. Zwar steht der Klub noch immer auf dem Relegationsrang, aber immerhin hat man auf Verfolger Ingolstadt solide sieben Punkte Vorsprung und ist punktgleich mit Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg auf den Plätzen 15 und 14. Konsolidieren kann er halt, der Heribert. Die nächsten Schritte sind übrigens die Verpflichtung von Friedhelm Funkel und knapp zehn Jahre im Mittelmaß der Liga. Darauf eine Graubrot-Stulle.


 
Die Formkurve:
Ordentlich. In den letzten sechs Ligaspielen wurden die deutlich besser platzierten Borussia Mönchengladbach, Hertha BSC, RB Leipzig und Bayer Leverkusen geschlagen, einzig beim Remis gegen den SC Freiburg sowie bei der deftigen 0:8-Klatsche gegen die Bayern wurden Punkte gelassen. Andererseits: Bei einer Abreibung von diesen Ausmaßen ist es prinzipiell schon ein Erfolg für die Hamburger, dass keiner der Spieler desillusioniert die Schuhe an den Nagel gehangen hat.


 
Angeberwissen über den Club:
Der HSV wird ja gemeinhin als Dino der Liga bezeichnet, weil er seit Gründung der Bundesliga 1963 ausnahmslos dort vertreten ist. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit, denn seit ihrer Gründung 1919 haben die Hamburger immer in der jeweils höchsten Ligastufe des deutschen Fußballs gekickt. Die erste Herrenmannschaft des Vereins ist also noch nie abgestiegen. Der HSV hat zudem die höchste Zahl an Regionalmeistertiteln (25-mal Norddeutscher Meister) in Deutschland und die größte Zahl an Endrundenteilnahmen um die deutsche Meisterschaft (32) aufzuweisen. Stellt sich die Frage: Gibt es eine Steigerungsform von Dino? Dinoer? Am Dinosten?
 
Wenn dieser Verein ein GIF wäre, dann:



Was sich viel besser als Vereinshymne eignen würde:
Klare Sache: Das Lotto King Karl bei jedem Heimspiel mit Hebebühne vor die HSV-Kurve gehoben wird, um „Hamburg, meine Perle“ zu performen, ist schon einer der cooleren Gimmicks in der Bundesliga.



Und dennoch: Für all das Chaos, das in den letzten Jahren beim HSV herrschte, ist der Song viel zu harmonisch. Warum nicht „Refuse/Resist“ vom HSV-adäquat benannten„Chaos A.D“ der Metal-Band Sepultura? Textzeilen wie „I'm sick of this“ oder „Raging Crowd“ passen viel besser zum HSV der letzten Jahre, die knatternden Trash-Metal-Riffs sorgen zudem für Respekt beim Gegner und Adrenalin bei den Fans. Bliebe nur die Frage, ob auf Lotto King Karls Hebebühne noch Platz für eine fünfköpfige Metalband ist.


Warum die Eintracht gewinnt:
Nach zuletzt ansprechenden Spielen setzt die HSV-typische Überheblichkeit ein. Während die Fans im Gästeblock also angeregt darüber diskutieren, ob die Rückrunden-Aufholjagd den Klub lediglich in die Europa League oder doch noch standesgemäß in die Champions League spült, betreiben Branimir Hrgota, Ante Rebic und Danny Blum Wiedergutmachung für die knapp 27 ausgelassenen Großchancen in München und stellen die Uhr schnell auf 4:0. Schöne Geste der Eintracht: In der 90. Minute verursachen die Frankfurter dann vorsätzlich einen Elfmeter, den Heribert Bruchhagen als verspätetes Abschiedsgeschenk höchstpersönlich zur Ergebniskorrektur in die Maschen schießen darf. 4:1 für die Eintracht.
 

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