01.11.2017 03:30 | Markus Katzenbach

Eintracht Frankfurt: Sébastien Haller: Auf den Spuren des Fußballgottes

Frankfurt Der französische Stürmerstar Sébastien Haller trifft für die Frankfurter Eintracht wie sonst nur Alexander Meier. Sein Geld ist der Rekordeinkauf offenbar wert.

Sebastien Haller (Eintracht Frankfurt)
Sebastien Haller (Eintracht Frankfurt) Bild: Huebner/Blatterspiel (Jan Huebner)

Einen Makel hat Niko Kovac doch an seiner Spitzenlösung gefunden. „Er lässt sich nie fallen, was ich mir manchmal wünschen würde“, tadelte der Trainer von Eintracht Frankfurt dieser Tage sanft und mit einem leichten Augenzwinkern, schließlich lässt sich darüber vielleicht doch noch hinwegsehen. Eigentlich ist das ja eine ehrenwerte Eigenschaft. Und nebenbei folgt Sébastien Haller damit irgendwie auch dem Beispiel von Alexander Meier, dem die ganze Hinrunde außer Gefecht gesetzten Frankfurter Fußballgott und traditionellen Torschützen vom Dienst, in dessen Spuren er sich gerade zu treten anschickt und der sich auch von kaum einem Gegner fällen lässt und stets auf den Beinen bleibt, wenn es irgendwie möglich ist.

Manches unterscheidet die beiden Hünen in erster Reihe, die wegen Meiers Verletzung noch gar nicht zusammen auf dem Platz stehen konnten. Es gibt aber auch noch mehr Gemeinsamkeiten. Beispielsweise dass sie keine großen Töne spucken. Und dass sie so schnell nichts aus der Ruhe bringt, weder in den Hexenkesseln der Bundesliga noch abseits davon. „Als Typ ist er überragend. Das ist ein ganz lässiger Vogel“, sagte Kovac vor einer Woche nach dem 4:0 beim Regionalligisten 1. FC Schweinfurt 05 über Haller, der da mit zwei Toren den Weg ins Pokal-Achtelfinale geebnet hatte. „Er ist einer, der, wenn er gesund bleibt, eine sehr große Karriere machen kann“, schwärmte der Fußballlehrer bei dieser Gelegenheiten auch noch über den Frankfurter Sieben-Millionen-Euro-Rekordeinkauf vom FC Utrecht.

Ein großer Dienst

Einen Teil der stolzen Ablösesumme hat Sébastien Haller schon wieder eingespielt. Schweinfurt war der vierte Pflichttermin in Folge, bei dem ihm mindestens ein Treffer gelungen war. „Haller hat den Meier-Lauf. So trifft sonst nur unser Fußballgott in Serie“, fühlte sich Eintracht-Legende Charly Körbel in seiner Kolumne für diese Zeitung an den verletzten Kapitän erinnert. Sieben Treffer in zwölf Spielen sind es insgesamt, vier in der Bundesliga, drei im Pokal. „Natürlich bin ich zufrieden mit der Zahl der Tore, aber ich weiß, dass es noch besser geht“, sagt Haller dazu, ebenso selbstsicher wie bodenständig. Wie viele Treffer es am Ende der Saison werden? Auf diese Frage lässt er sich am Dienstag nach dem Vormittagstraining nicht ein. „Wir werden sehen“, weicht er aus und betont dann lieber: „Entscheidend sind nicht nur die Tore. Ich will der Mannschaft auch anders helfen, durch meine Arbeit auf dem Platz.“

Immer wieder muss der 23-jährige Franzose gegnerische Verteidiger anlaufen, lange Bälle behaupten in Abnutzungskämpfen gegen ähnlich riesige Abwehrrecken, sie auf die Kollegen ablegen, Räume schaffen. „Er ist ein Spieler, der nicht nur seine Tore schießt, sondern immer zwei Spieler auf seinen Schultern tragen kann“, beschreibt Kovac diese Qualität seiner Nummer neun.

Hallers Hauptaufgabe freilich sind Treffer, und da hat er dem neuen Arbeitgeber schon einen großen Dienst erwiesen. Sein spektakulärer Seitfallzieher in letzter Sekunde gegen den VfB Stuttgart Ende September sorgte nicht nur dafür, dass die Medaille für das Tor des Monats nach fast zehn Jahren wieder einmal nach Frankfurt ging. Ganz am Ende eines quälenden Kicks bescherte er der Eintracht drei kaum noch für möglich gehaltene Punkte – und ein plötzliches Stimmungshoch, das ihn und die Kollegen auch in den Wochen danach trug. Die Serie von nun fünf ungeschlagen Pflichtspielen hängt mit diesem Ereignis aus der Nachspielzeit gegen Stuttgart zusammen, und es nicht auszuschließen, dass dieses Tor im Rückblick eine gewisse Bedeutung für den ganzen Saisonverlauf haben wird.

„Nicht ganz bei 100 Prozent“

Haller selbst traf auch in allen Partien danach, bis zum 1:1 in Mainz am vergangenen Freitag. „Das war kein angenehmes Spiel, weder für uns noch für die Mainzer. Es gab viele lange Bälle, das war sehr zerfahren“, räumt er ein und hadert auch ein paar Tage später noch mit dem Ausgang: „Wenn man 1:0 führt und dann noch das Gegentor bekommt, ist das ärgerlich.“

Gelernt hat er nach anfänglichen Problemen mit der Umgewöhnung von der ersten niederländischen an die erste deutsche Klasse: „Wenn man in der Bundesliga ein guter Spieler sein will, muss man Leistung bringen, und zwar in jedem Spiel. Du musst immer konzentriert sein, darfst nichts liegenlassen.“ In Mainz klappte das nicht, insgesamt indes schon recht gut. „Wir sind noch nicht ganz bei 100 Prozent. Die Fortschritte sind erkennbar. Aber ich und auch der Rest der Mannschaft können noch eine Schippe drauflegen. Dann ist noch mehr möglich“, meint Haller und verrät: „Mindestens 20 Punkte sind das erste Ziel für die Hinrunde.“

Das sollte zu erreichen sein, bei 15 Zählern aus zehn Spielen und sieben ausstehenden Gelegenheiten. Haller aber weiß auch, dass es keine Selbstläufer gibt: „Das wird eine schwere Saison. Man muss Spiel für Spiel fokussiert bleiben, Punkt für Punkt erarbeiten.“ Deren drei sollen es am Freitag möglichst gegen Werder Bremen werden. Dass der angeschlagene Gast gerade Trainer Alexander Nouri entlassen hat, beschäftigt den ehemaligen französischen U-21-Nationalspieler nicht groß. „Die Bremer werden sich sicher beweisen wollen und alles versuchen“, meint er. „Das wird wieder ein schweres Ringen. Aber wir werden uns gut vorbereiten und unseren Job machen. Wir müssen niemanden fürchten.“ Sébastien Haller, der 1,90-Meter-Stürmer mit Gardemaß, schon gar nicht.

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