17.06.2017 03:30 | Peppi Schmitt

Eintracht Frankfurt: Sechs Platzverweise und 83 Verwarnungen - aber keine "Tretertruppe"

Die angeblich unfaire Spielweise der Eintracht gehört zu den Geschichten der Saison. Trainer Niko Kovac musste die Mannschaft verteidigen.

Omar Mascarell (hinten), hier im Zweikampf mit dem Kölner Hector, ist der „Gelb“-Rekordmann der Eintracht: Er musste 13 Verwarnungen einstecken. Bilder >
Omar Mascarell (hinten), hier im Zweikampf mit dem Kölner Hector, ist der „Gelb“-Rekordmann der Eintracht: Er musste 13 Verwarnungen einstecken. Bild: Christian Klein (FotoKlein)

Es war im letzten Dezember, Adventszeit. Doch rund um die Frankfurter Eintracht wollte keine vorweihnachtliche Stimmung aufkommen. Was nicht an fehlenden Erfolgen der neu zusammengestellten Mannschaft lag. Die Eintracht mischte damals die Fußball-Bundesliga auf, spielte noch frisch, fromm, fröhlich und frei auf, stand immer im ersten Drittel der Tabelle.

Doch es zogen dunkle Wolken auf wegen der angeblich so unfairen Spielweise der Frankfurter. Eskaliert war die Angelegenheit beim Spiel gegen die TSG Hoffenheim am 9. Dezember, einem kalten Freitagabend. Da flogen die Fetzen auf dem Platz, da wurde getreten und geschlagen, gejammert und geschauspielert, nur Fußball gespielt wurde nicht. Frankfurt und Hoffenheim, damals auf Platz vier und fünf der Tabelle, trennten sich folgerichtig 0:0. Der überforderte Schiedsrichter Christian Dingert hatte sieben Gelbe Karten gezeigt und Timmy Chandler eine rote wegen einer Tätlichkeit gegen Sandro Wagner, die keine war.

Nach den 90 Minuten ging das Theater dann erst richtig los. Julian Nagelsmann, Trainer der Hoffenheimer, konnte es sich nicht verkneifen, noch mal so richtig Öl ins Feuer zu gießen. Wegen der unsauber geführten Zweikämpfe gegen seinen Stürmer Wagner, inzwischen ja zum Nationalspieler aufgestiegen, unterstellte er der Eintracht „Methode“. Und den Frankfurter Abwehrspieler David Abraham, der Wagner ungestraft mit einem Ellbogenschlag niedergestreckt hatte, hätte er gerne im Gefängnis gesehen. „Wenn ich irgendwo sehe, wenn ein Mann einem anderen mit dem Ellbogen in dieser Art und Weise ins Gesicht schlägt, klicken die Handschellen“, hatte er gesagt, „der wird das Tageslicht so schnell nicht wieder sehen.“ Eine unglaubliche Aussage, die seinen Kollegen Niko Kovac auf die Palme brachte.

Der Frankfurter Trainer ahnte, was folgen würde. Fortan nämlich waren die Frankfurter die „Buhmänner der Nation“. Es wurde mehr über die angeblich unsaubere Spielweise als über die Erfolge diskutiert. Kovac versuchte fast schon verzweifelt, seine Spieler, seine Mannschaft und damit auch seine Arbeit zu verteidigen. „Unsere Stärke beruht alleine auf ehrlicher Arbeit“, sagte er, „das wir hier als Kloppertruppe abgestempelt werden, ist eine Frechheit.“ Eine Woche darauf, beim Auswärtsspiel in Wolfsburg, fühlten sich die Frankfurter dann prompt benachteiligt von Schiedsrichter Felix Brych. „Ich habe Herrn Brych gesagt, dass es mir so vorkommt, als wolle uns keiner da oben haben“, schimpfte Sportvorstand Fredi Bobic, „wir kriegen Gelbe und Rote Karten für nichts, das lassen wir uns nicht bieten“.

Doch all die Selbstverteidigung mit berechtigten und weniger berechtigten Argumenten, half der Eintracht nichts. Als am Ende der Saison ein Schlussstrich gezogen wurde, lagen die Frankfurter wie in der „Verletztentabelle“ auch in der sogenannten „Fairnesstabelle“ weit abgeschlagen auf dem letzten Platz. 83 Gelbe Karten hatte die Eintracht gesammelt, eine Gelb-Rote (Szabolcs Huszti) , dazu fünf Rote (Michael Hector, Lukas Hradecky, Timothy Chandler, Haris Seferovic, David Abraham). Das sind bei aller Einzelbewertung, die vorgenommen werden muss, so bei Torwart Hradecky, der den Ball außerhalb des Strafraums mit der Hand spielte und deshalb runter flog, schon auffällige Werte. Gerade im Vergleich zu anderen Clubs.

Bei den Verwarnungen waren der HSV und der 1. FC Köln mit 71 Gelben Karten am nächsten dran an den Frankfurtern. Das sind schon erhebliche Unterschiede. Meister Bayern hatte übrigens keinen einzigen Platzverweis zu verzeichnen. Da hilft es nichts, mit dem Finger auf die Schiedsrichter zu zeigen, auch wenn Kovac dies einige Male versucht hat. In Deutschland, so glaubt der Frankfurter Trainer, würden einfach zu oft und zu schnell Verwarnungskarten gezeigt. „Es wird zu kleinlich gepfiffen“, sagt der frühere Nationaltrainer Kovac, „die Spieler schmeißen sich hin und die Schiedsrichter fallen zu oft drauf rein.“

Dass in Deutschland anders gepfiffen wird als international, sehen mit Ausnahme der Unparteiischen in der Liga fast alle so. Und doch taugt dies nicht zur Entschuldigung für die Eintracht. Sicher, die Frankfurter sind keine „Tretertruppe“, zu der sie der Hoffenheimer Trainer mit seinen unüberlegten Aussagen gemacht hat, aber sie sind auch keine Engel und bewegen sich zu häufig auf einem schmalen Grat zwischen nötiger Härte und unnötiger Unfairness.

Der eine oder andere hat überzogen in der abgelaufenen Saison. Da ist David Abraham, abseits des Platzes ein herzensguter Mensch. Aber auf dem Platz sind dem Argentinier zu oft die Gäule durchgegangen. Einmal wurde er vom Platz gestellt (gegen Ingolstadt), es hätte noch zwei, dreimal häufiger passieren können. Da war Ante Rebic, der Stürmer, der es auf zehn Gelbe Karten und damit auf zwei Sperren gebracht hat. Der Kroate ist ein undisziplinierter Spieler, der sich in jeden Zweikampf stürzt, aber viel zu häufig tut er das ungeschickt und noch häufiger kann er einfach die Diskussionen mit den Schiedsrichtern nicht lassen.

Und da ist ja noch der „gelbe“ Rekordhalter Omar Mascarell, der dreizehn Verwarnungen einstecken musste, obwohl er nur 28 Spiele bestritten hat. Nun ist der spanische Mittelfeldspieler kein wirklich unfairer Spieler. Er hat viele Karten in Kauf genommen, um Fehler der Mitspieler wettzumachen. Und manchmal hat er einfach auch nur eigene technische Unzulänglichkeiten mit ungestümen Fouls wieder gerade zu rücken versucht.

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