07.11.2017 03:30 |

Eintracht Frankfurt: Taktiktafel: Nicht gut, aber mit Fünferkette besser

Wäre die „Spinne“ nicht so gut drauf gewesen, Werder Bremen hätte trotz der Eintracht-Führung durch Rebic noch in der ersten Halbzeit auf und davon ziehen können. Viel zu oft musste Schlussmann Hradecky Großchancen der Gäste abwehren. Trainer Kovac blieb gar nichts anderes übrig, als das Experiment Viererkette in der Pause zu beenden, bestätigt unser Mitarbeiter Roland Stipp.

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Es ist sollte tatsächlich kein Problem sein, einen Mann wie Jetro Willems als echten Linksverteidiger aufzubieten. Außerdem ist David Abraham eigentlich der typische Innenverteidiger für eine Viererkette. Und dass Makoto Hasebe vor der Abwehr normalerweise gut aufgehoben ist, ist ebenfalls bekannt. Und trotzdem: Die von Trainer Niko Kovac wieder einmal aus dem Keller geholte Viererkette der Eintracht und ihr davor spielender „Sechser“ funktionierten im Spiel gegen Werder Bremen überhaupt nicht. Gut, dass in der Pause umgestellt wurde.

Zwei Probleme taten sich für die Eintracht auf: Der Spielaufbau mit den Innenverteidigern Abraham und Simon Falette wurde von den Bremern durch frühes Anlaufen sehr effektiv unter Stress gesetzt und durch den gegen den Ball (also bei Ballbesitz der Eintracht) im Zentrum etwas zurück hängenden Kruse war mit Hasebe der ballsicherste Defensivspieler der Eintracht aus dem Spiel.

Weil sich Abraham im Aufbauspiel dann auch noch mehr ins Zentrum orientierte, konnte Falette von den Gegnern zu oft am Flügel abgeklemmt werden – da waren Ballverluste unabwendbar. Oder eben lange Bälle ins Nirgendwo. Auf der rechten Seite mit Carlos Salcedo war es das gleiche Spiel, allerdings wurde der wegen des weiten Abstands zu Abraham seltener ins Spiel einbezogen. Im Grunde machten drei Bremer jedenfalls so viel Druck auf fünf Frankfurter, dass die fast nie zu einer geordneten Spielereröffnung kamen.

Wobei natürlich auch eine Rolle spielte, das Kevin-Prince Boateng und Marc Stendera die im Grunde ja gar nicht verkehrte Idee, sich in den Räumen im Rücken ihrer Gegenspieler anzubieten, allzu wörtlich nahmen.

Problem Nummer zwei hatte die Eintracht, wenn die Bremer am Ball waren. „Wir wollten mit zwei sehr breit spielenden Stürmern agieren, die immer wieder in Räume kommen sollten, wo Frankfurt Zuordnungsprobleme bekommt“, erklärte Bremens Interimstrainer Florian Kohfeldt später. Und genau so war es auch. Denn Finn Bartels rechts und Zlatko Junuzovic links bedienten immer wieder die Halbräume zwischen Innen- und Außenverteidigern der Eintracht, was zu einem ständigen gestenreichen Meinungsaustausch unter den Gastgebern führte. So richtig zugeordnet bekamen die Frankfurter Abwehrleute in der ersten Halbzeit weder Räume noch Gegenspieler. Der immer wieder „hängend“ (also leicht zurückgezogen) spielende Kruse und die offensiven Mittelfeldspieler Thomas Delaney und Maximilian Eggestein brachten mit ihren Wegen in die Spitze zusätzlich Bewegung in die Hintermannschaft der Frankfurter und damit Gefahr für Lukas Hradeckys Tor.

Dass die Bremer Taktik so gut auf das Spiel gegen die so selten praktizierte Viererkette passte, war schon erstaunlich. Mit der Rückkehr zur Fünferkette bekam Kovacs Team im zweiten Abschnitt einige dieser Probleme dann besser in den Griff – nur nicht das mit dem Spielaufbau. Dazu hatte Hradecky schon in unserem Interview vor der Partie klare Worte gefunden: „Wir wissen, woran wir noch arbeiten müssen und dass wir nicht Barcelona sind.“ Der Schlussmann der Eintracht überzeugte übrigens nicht nur vor und während des Spiels, er hatte auch nachher eine treffende Analyse und den passenden Vorschlag parat: „Man hat gesehen, dass wir im Moment mit Fünferkette besser sind. Man muss die Viererkette vielleicht wieder etwas öfter trainieren. Es hing aber auch vieles damit zusammen, dass wir in der ersten Halbzeit nicht in die Zweikämpfe gekommen sind und zu pomadig gespielt haben“, sagt er. Dem ist im Grunde nichts hinzuzufügen.

Roland Stipp ist seit mehr als 20 Jahren Mitarbeiter in der Sportredaktion der Frankfurter Neuen Presse und ständig in Sachen Fußball unterwegs, bei den Amateuren wie in der Bundesliga. Er steht außerdem als Trainer mit DFB-Lizenz selbst Woche für Woche an der Seitenlinie. Und er schaut für uns ganz genau hin, wenn die Eintracht spielt.

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