30.10.2017 03:30 |

Eintracht Frankfurt: Taktiktafel: Wenn der Torwart den Ball nicht los wird

Frankfurt Ein geordneter Spielaufbau gehörte beim Rhein-Main-Duell in Mainz ganz offensichtlich nicht zum Plan von Eintracht Frankfurt. Schade, findet unser Mitarbeiter Roland Stipp.

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Ja, Mainz 05 ist seit den Zeiten von Jürgen Klopp eine Mannschaft, die das sogenannte „Spiel gegen den Ball“ zu einem Teil ihrer Kultur gemacht hat. Die Mainzer waren sogar mit die ersten, die das in der Bundesliga im heute bekannten Stil praktizierten. Dass der gegnerische Spielaufbau gelenkt wird, um beispielsweise Ballgewinne fernab des eigenen Tores zu ermöglichen, ist allerdings inzwischen schon so lange Normalität, dass auch etliche Gegenmaßnahmen zum fußballerischen Allgemeingut gehören. Und ehrlich gesagt wurde zuletzt auch nicht mehr so unendlich furchteinflößend Pressing gespielt von den Nullfünfern wie in vergangenen Jahren. Trotzdem traute sich die Eintracht entweder nicht, ihr Spiel in Mainz von hinten heraus geordnet zu eröffnen – oder sie hatte von Anfang an einen anderen Plan.

Besonders auffällig war die Frankfurter Verweigerung eines Spielaufbaus in der Nähe des eignen Tores, wenn Schlussmann Lukas Hradecky den Ball hatte. Die Herren aus der Dreierkette – Carlos Salcedo, David Abraham und Simon Falette – würdigten ihren Keeper in solchen Situationen schlicht keines Blickes. Und auch aus dem Mittelfeld signalisierte kaum einmal jemand Interesse, den Ball abholen zu wollen. Und so spazierte Hradecky bis zu 14 (!) statt der erlaubten sechs Sekunden mit dem Spielgerät in den Händen durch den eigenen Strafraum, ehe er es hoch und weit nach vorne drosch.

Auch im Ballbesitz bei Freistößen oder nach Rückpässen machte die Eintracht kaum Anstalten, sich in die gegnerische Hälfte zu kombinieren. Meist hielten sich dann nur drei Frankfurter im hinteren Spielfelddrittel auf, und so wussten die Mainzer: Großes Interesse daran, den Ball via Passspiel nach vorne zu transportieren, hat der Gegner gar nicht – sonst hätte er mehr Personal investiert, hätte in Ballnähe Überzahl und damit Anspielstationen geschaffen. Stattdessen waren das Ziel offenbar Diagonalpässe in die Räume auf den Flügeln, etwa auf Höhe der Mittellinie. Klar, dort waren im Mainzer 4-3-3-System theoretisch die dünner besetzten Zonen. Als effektiv erwies sich dieser Plan nicht, auch weil die Mainzer immer wieder sehr schnell dorthin schoben, wo der Ball landete.

Mehr als zwei Spieler musste Mainz also gar nicht nach vorne schicken, um die Eintracht zu einem unkontrollierten Spielaufbau zu zwingen – oder ihr dabei zuzuschauen. So war es für sie leicht, hinten und im Mittelfeld die Überzahl zu halten. Und die nutzten die Gastgeber dafür, um im Zentrum Präsenz zu zeigen (siehe Grafik). Ein geordnetes Übergangsspiel war für die Eintracht deshalb schwierig. Das mag irgendwie zu ihrem Plan gehört haben, war aber weder ansehnlich noch effektiv.

Roland Stipp ist seit mehr als 20 Jahren Mitarbeiter in der Sportredaktion der Frankfurter Neuen Presse und ständig in Sachen Fußball unterwegs, bei den Amateuren wie in der Bundesliga. Er steht außerdem als Trainer mit DFB-Lizenz selbst Woche für Woche an der Seitenlinie. Und er schaut für uns ganz genau hin, wenn die Eintracht spielt.

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