Eintracht Frankfurt

Voller Trainingsplatz trotz Länderspielwoche

Von THOMAS KILCHENSTEIN
Frankfurts Spieler feiern Sebastien Haller (M) nach dem 1:1 gegen Bremen.
Thomas Frey (dpa)/FNP

Der Frankfurter Trainer Adi Hütter hat seinen Recken trotz der unglücklichen Niederlage vom Wochenende gut eineinhalb Tage frei gegeben. Erst am späten Dienstagnachmittag müssen die Profis wieder auf dem Rasen stehen, die kleine Pause haben sie sich verdient nach dem „heroischen“ Einsatz gegen die in Überzahl agierenden Bremer.

Filip Kostic, Luka Jovic (Serbien), Taleb Tawatha (Israel) und Frederik Rönnow (Dänemark) sind dagegen mit ihren Nationalmannschaften auf Dienstreise, sie werden also eine gute Woche nicht in Frankfurt sein. Mijat Gacinovic, Ante Rebic und Carlos Salcedo, allesamt angeschlagen, hatten ihre Einladungen wegen diverser Blessuren kurzfristig stornieren müssen, Marco Fabián war nicht nominiert worden. Es wird also in dieser Länderspielwoche einiges los sein auf dem Trainingsplatz im Stadtwald, nicht wie in der vergangenen Saison, da allenfalls eine Handvoll Recken in der bundesligafreien Zeit zum Training erschienen war.

Und Adi Hütter kann seine Trainingsgemeinschaft sogar auffüllen. Die Jungs aus der Trainingsgruppe zwei, die nicht so genannt werden soll, aber eine war, kehren zurück in den Kreis der Etablierten. Aus der einstmals sieben Mann starken Fraktion der Aussortierten sind noch fünf übrig geblieben, Cavar ist kurz vor Transferschluss an den kroatischen Club NK Osijek ausgeliehen worden, Daichi Kamada ins belgische St. Truiden. Marco Fabián, der immer noch nach Mexiko transferiert werden kann, was er aber nicht will, Simon Falette, Branimir Hrgota, Marc Stendera und Nelson Mandela dürfen also wieder mitmachen.

Die sehr umstrittene und im Kern stillose Aktion der Frankfurter Eintracht, Druck auf Spieler auszuüben, sich einen neuen Club zu suchen, ist ziemlich im Sande verlaufen und hat den Hessen eigentlich außer schlechter Publicity nichts eingebracht. Es leuchtet auch kaum ein, warum Trainer Hütter bekundete, es habe „nichts mit der Qualität“ der delegierten Spieler zu tun, sondern lediglich damit, „genug Spieler“ bereits im Kader zu haben.

Gänzlich abstrus wurde es, als Sportdirektor Bruno Hübner kürzlich allen Ernstes behauptete, er glaube, „dass es für alle Beteiligten eine gute Geschichte ist und es auch positiv von den Spielern angenommen“ werde. Das war es definitiv nicht, stattdessen sank mit jedem Tag der Wert dieser ausgemusterten Spieler. Der „Kicker“ schrieb unlängst schon vom „Millionengrab“.

Kurios wird es nun, da Hütter durchaus Verwendung für den einen oder anderen der zurückgekehrten Söhne haben könnte. Gerade angesichts der schweren Verletzungen der Defensivkräfte Timothy Chandler (Knorpelschaden), Salcedo (Riss des vorderen Syndesmosebandes) und der Roten Karte von Jetro Willems könnte gerade Linksfuß Simon Falette noch einmal interessant werden. Der Franzose, der in der vergangenen Saison auf 28 Pflichtspiele kam und einer der beliebtesten Spieler innerhalb der Mannschaft ist, hat sich ja nichts zuschulden kommen lassen. Auch Fabián könnte angesichts der offensichtlichen Defizite im gestalterischen Mittelfeld der Eintracht eine Option sein – sofern Hütter und die Sportliche Führung über ihren Schatten springen können.

Der Ausfall von Innenverteidiger Carlos Salcedo, der wegen eines Risses des vorderen Syndesmosebandes im Sprunggelenk unters Messer muss und mindestens drei Monate ausfallen wird, wiegt natürlich schwer. Für den Mexikaner ist damit die Hinrunde gelaufen, auch alle Spiele in der Europa League wird er wohl verpassen. Den Verdacht, dass die Verletzung wohl schlimmer sein würde, hatte man schon am Samstag. Aber erst am heutigen Montag bestätigte eine MRT-Untersuchung die Befürchtung.

Die Verletzung hatte sich der 24-Jährige im Spiel gegen Werder Bremen zugezogen, als er schon nach zehn Minuten und nach einem derben Tritt von Davy Klaassen vom Feld geführt werden musste. In der Vergangenheit war Salcedo, der alle vier WM-Spiele der Mexikaner in Russland bestritten hatte, ohnehin schon zum Pechvogel avanciert: Zweimal hatte er sich in seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt die Schulter gebrochen. Nun fällt der Stopper, der seit 2017 22 Bundesligaspiele für die Hessen bestritt, erneut lange aus. Die Frankfurter verfügen somit nur noch über drei etatmäßige Innenverteidiger, nämlich David Abraham, Evan Ndicka und Marco Russ. Makoto Hasebe, der eigentlich im defensiven Mittelfeld zu Hause ist, ist kein gelernter Innenverteidiger. Allenfalls, wenn die Eintracht mit einer Dreierkette agiert hatte, hatte der Japaner den mittleren Part in der Kette begleitet. Am Samstag gehörte der 34-Jährige nicht einmal zum 18er-Kader, weil Hütter „keine drei Verteidiger“ auf der Bank sitzen haben wollte.

Trainer Hütter gehen nun in der ohnehin nicht gerade sattelfesten Defensive die Stammkräfte aus. Auf den Außenbahnen, links wie rechts, stehen lediglich Danny da Costa und Taleb Tawatha zur Verfügung. Dazu kommt, dass Kapitän Abraham noch nicht richtig in diese Saison gefunden hat und gerade im Bremen-Spiel anfangs arg wackelig wirkte. Hütter ist das nicht verborgen geblieben: „Er kann besser spielen.“ Er ist aber sicher, Abraham wieder hinzubekommen. Angesichts der personellen Ausfälle ist das auch zwingend erforderlich.

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