Eintracht Frankfurt

Wechsel von Marco Fabian geplatzt

Von Ingo Durstewitz
Symbolbild
Pressefoto Rudel/Robin Rudel (imago sportfotodienst)/FNP

Am Sonntag noch war Marco Fabian bestens gelaunt von Frankfurt Rhein-Main hinüber an den Bosporus gejettet. Am Flughafen in Istanbul empfingen den Eintracht-Spielmacher sogleich eine ganze Menge begeisterter Fans von Fenerbahce, und in den einschlägigen Sport-Talkrunden im Fernsehen diskutierten sich die Experten die Köpfe heiß, ob der mexikanische Nationalspieler dem Renommierklub aus Istanbul die gewünschte Hilfe sein könnte, um in der Meisterschaft und der Europa League die hohen Ziele zu erreichen. Die Unterschrift schien nur noch Formsache, der 29-Jährige sollte bei Fener einen Zweijahresvertrag mit üppigen Verdienstmöglichkeiten erhalten, 2,5 bis drei Millionen Euro. 

Am Montagmittag dann die Rolle rückwärts. Fabian wird nicht beim türkischen Vizemeister anheuern, Fenerbahce nahm Abstand von einer Verpflichtung, das Risiko sei einfach zu groß: Der Mittelfeldmann war nämlich durch den obligatorischen Medizincheck gerasselt. Fabian, der seinem vermeintlich neuen Klub sofort bei Twitter gefolgt war, verweigerte Fenerbahce daraufhin umgehend die Gefolgschaft im Sozialen Netzwerk. Wirrwarr auf allen Ebenen.

Der Rücken, das ist dem technisch beschlagenen Mittelfeldmann bewusst, ist seine Schwachstelle. Vor mehr als zwei Jahren begannen die Schmerzen an der Wirbelsäule, in der Saison 2016/17, gerade in der Rückrunde, konnte er nur noch mit Schmerzmitteln spielen, biss sich durch, auch weil Trainer Niko Kovac ihn darum gebeten hatte. „Ich habe viele Spritzen in meinen Rücken bekommen und habe Tabletten genommen. Irgendwann ging es nicht mehr. Ich konnte einfach nicht mehr“, sagte er der FR. 

Fabian ließ sich in den USA an den Bandscheiben operieren, vor ziemlich genau einem Jahr, zudem stellten die Ärzte einen kleinen Bruch in der Lendenwirbelsäule fest, den sie entsprechend behandelten.   „Es war ein komplizierter Eingriff“, sagte der Akteur. „Das hat mich auch verunsichert.“ 

Schädliche Entwicklung

Im Januar dieses Jahres stieg er wieder ins Mannschaftstraining ein, am 4. Februar kam er in Augsburg zu seinem ersten Kurzeinsatz in der vergangenen Saison, es sollten sechs weitere Spiele und ein Tor folgen, beim 1:4 in Leverkusen. Beim Pokalsieg gegen die Bayern stand er zwar im Kader, kam aber nicht zum Zug. Kovac war mit den Leistungen des Mexikaners nicht zufrieden, im Saisonendspurt kam er kaum noch zum Einsatz. Fabian wirkte auch nicht 100-prozentig fit. 
Für den lebenslustigen Spieler ist die Absage von Fenerbahce ein herber Rückschlag, es wird nun sicher nicht leichter, einen neuen Arbeitgeber zu finden. Fabian aber will die Eintracht verlassen und noch mal einen gut dotierten Vertrag ergattern, und die Sportliche Leitung der Frankfurter würde ihn gerne abgeben, auch wenn Trainer Adi Hütter da gewiss nicht die treibende Kraft ist. 

Für den Marktwert und eine entsprechende Entschädigungssumme ist die jüngste Entwicklung schädlich. Schon die Entscheidung, den Regisseur ohne Not in die Trainingsgruppe zwei abzukommandieren, darf getrost als Schnapsidee gewertet werden, als nicht nachvollziehbare Maßnahme, und das versehrte Kreuz des Profis wird einen Wechsel eher torpedieren denn forcieren. Fabian, der auch bei Besiktas Istanbul im Gespräch war, ist nunmehr schwer vermittelbar. 

Vielleicht bleibt er ja jetzt in Frankfurt, sein Vertrag läuft noch ein Jahr. Im Supercup gegen die Bayern gehörte er immerhin noch der Startformation an. Drei Tage später wurde er aussortiert. 

Ingo Durstewitz