11.10.2017 03:30 | Markus Katzenbach

Eintracht Frankfurt: Wiedersehen in Hannover: Pirmin Schwegler schwärmt von der Eintracht

Hannover Bei Hannover 96 fühlt sich Pirmin Schwegler manchmal fast an beste Frankfurter Zeiten erinnert. Am Samstag sieht man sich wieder.

Schwegler mit Joselu
Schwegler mit Joselu Bild: imago

Wenn es um die Frankfurter Eintracht geht, gerät Pirmin Schwegler ins Schwärmen – obwohl sein Abschied nun schon eine Weile her ist. „Das ist ein besonderer Verein“, sagt der ehemalige Kapitän dann beispielsweise, und das hat er auch gesagt, als ihn Gelson Fernandes um Rat in seinem Wechselfall gefragt hat. Fernandes, dem alten Bekannten aus der Nationalmannschaft, hat Schwegler zugeraten, das Angebot aus Frankfurt anzunehmen. „Ich habe ihm viel Positives erzählt“, berichtet er vom Gespräch unter Eidgenossen, vor allem: „Ich habe ihm gesagt, dass es ihn emotional packen wird.“

Der eine oder andere rund um die Eintracht hätte es gerne gesehen, wenn Pirmin Schwegler in diesem Sommer selbst wieder in diese spezielle Frankfurter Stimmung eingetaucht wäre. Dazu kam es nicht. Stattdessen trägt der Schweizer Stratege seither die Farben von Hannover 96, auch am Samstagnachmittag, wenn sein alter Club in Niedersachsens Hauptstadt erwartet wird und die Wege sich wieder einmal für 90 Minuten Bundesliga-Fußball kreuzen. In seinen Frankfurter Zeiten war für die Eintracht dort wenig zu holen, daran erinnert er sich gut. „Das soll auch jetzt so bleiben“, sagt er nun lachend, da er auf der anderen Seite steht und gemerkt hat, „wie schön es ist, hier zu Hause zu spielen. Die Leute sind sehr verwurzelt mit dem Verein.“

Bei seinen Plänen für diesen Sommer wäre es für Pirmin Schwegler möglich gewesen, nach dem Vertragsende in Hoffenheim ein ganz anderes Umzugsziel auswählen. „Ich hätte auch nach Australien oder Amerika gehen können. Das hätte seinen Reiz gehabt“, erklärt er. „Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich hier noch nicht fertig bin.“ Gefreut habe er sich dann, dass die Gespräche mit den Verantwortlichen in Hannover so gut gewesen seien – weshalb er bald nach dem Wiederaufstieg dort anheuerte.

Bei der Eintracht wurde sein Name auch diskutiert. Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing, der in Schweglers Frankfurter Jahren von 2009 und 2014 zu einem Freund wurde, soll sich beispielsweise für eine Verpflichtung ausgesprochen, vor Sportvorstand Fredi Bobic aber den Daumen gesenkt haben. „Es war gar nicht so ein richtig großes Thema. Es müssen ja auch die Vereinsverantwortlichen überzeugt sein“, meint Schwegler dazu und ergänzt: „Ich bin selbst kein Fan von Rückkehraktionen.“ Schon eher, ergänzt er, wäre es „vor dreieinhalb Jahren möglich gewesen, mich hier zu behalten“.

Als das Interesse von 1899 Hoffenheim aufkam, habe er die Eintracht informiert, es gab ja auch eine Ausstiegsklausel in dem damals noch ein Jahr befristenen Arbeitspapier. „Ich habe aber gesagt: Ich würde meinen Vertrag liebend gerne verlängern“, berichtet Schwegler. „Das Interesse aber war nicht bei allen da.“ Ihm sei es damals wichtig, Sicherheit zu haben, mit einem langfristigen Vertrag, nicht nur einem nach einem Jahr auslaufenden. In Frankfurt vermisste er bei der damaligen Vereinsführung eine solche Form der Rückendeckung – weshalb er in den nahen Kraichgau zog.

Kaum noch alte Kollegen

Trotz des nicht ganz freiwilligen Abschieds sind die Erinnerungen bestens. „Es war alles drin war. Abstieg, Aufstieg, Europapokal. Es war meine intensivste Zeit, in der ich viel mitgemacht und aus der ich viel mitgenommen habe“, sagt der 30-Jährige. Unvergessen ist vor allem der Höhenflug von Armin Vehs Aufsteigern in der Saison 2012/2013 bis in die Europa League, unter Anleitung von Kapitän Pirmin Schwegler. Ein wenig fühlt sich der defensive Mittelfeldspieler in Hannover gerade daran zurückerinnert. „Es wäre vermessen, jetzt vom Europacup zu sprechen. Aber auch hier gibt es einen großen Zusammenhalt“, meint er. „Damals hatten wir vielleicht das Glück, dass die Bundesliga noch nicht so extrem ausgeglichen war wie jetzt.“

Bei der aktuellen Eintracht finden sich nach den großen Umbrüchen kaum noch alte Kollegen. Alexander Meier, Marc Stendera und Marco Russ zählt er auf. Was er dieser Mannschaft zutraut? „Da steckt schon viel Qualität drin. Aber entscheidend ist, dass eine Hierarchie da ist. Um das zu beurteilen, bin ich zu weit weg“, sagt Schwegler und denkt noch einmal an den Frankfurter Aufschwung mit Trapp und Meier, Jung, Rode oder Aigner: „Unsere Mannschaft damals hatte schon extrem viele Identifikationsfiguren, das war schon etwas Besonderes, auch das, was wir erreicht haben.“

Damals spielte sich die Eintracht in einen Rausch, zwischenzeitlich lief alles fast von alleine. In dieser Saison indes sind fast alle Spiele hart umkämpft, bei der Eintracht und den meisten anderen Klassenkameraden und auch in Hannover, kaum gibt es mal mehr als ein Tor Unterschied. „Es wird nicht hergeschenkt“, sagt Schwegler und warnt: „Wir hatten das Glück, einen tollen Start gehabt zu haben, und sind von daher sehr gefestigt. Man ist aber nie davor gefeit, dass es auch mal andere Phasen gibt.“

Lob für den Landsmann

Zwölf Punkte hat Hannover geholt, zwei mehr als die Eintracht. „Es hat extrem gut angefangen, fast noch besser als erhofft“, freut sich Schwegler. Einmal musste er mit schmerzendem Knie aussetzen, sonst stand er in allen Partien auf dem Platz und ist rasch als Führungskraft anerkannt worden. Seine Fähigkeiten als Balleroberer und -verteiler sind unbestritten – gerade im Aufbau sind seine Werte besser als die von Fernandes oder Jonathan de Guzman, die in Frankfurt seine Rolle spielen.

Amtsübergabe: Als Kapitän verließ Pirmin Schwegler (rechts) die Eintracht 2014 nicht ganz freiwillig, und nach einem Jahr mit Torwart Kevin Trapp als Spielführer übernahm dann Alexander Meier offiziell die Binde. Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst)
Amtsübergabe: Als Kapitän verließ Pirmin Schwegler (rechts) die Eintracht 2014 nicht ganz freiwillig, und nach einem Jahr mit Torwart Kevin Trapp als Spielführer übernahm dann Alexander Meier offiziell die Binde.

Im 96-Mittelfeld wiederum steht Schwegler Marvin Bakalorz zur Seite, der 2013 auch ein halbes Jahr in Frankfurt sein Glück versuchte. „Er hat sich hervorragend entwickelt“, lobt er. „Ich habe ihm damals schon mehr zugetraut, aber es war schwer, sich fest zu spielen.“

Zu der Verpflichtung von Fernandes indes gratuliert der Schweizer Landsmann der Eintracht. „Es gibt keinen Zweiten wie Gelson. Er ist immer positiv. Am Anfang habe ich bei der Nationalmannschaft gedacht: Der spinnt doch, der ist jeden Tag gut drauf“, erzählt Pirmin Schwegler. „Aber so ist er, und das hilft einem. Ich hoffe, er erlebt eine ähnlich tolle Zeit bei der Eintracht.“ Wie er sie selbst hatte.

Gut möglich, dass er eines Tages doch zurückkehrt. Vielleicht ja nach der Profikarriere. „Es gibt schon die Überlegung, dass wir uns dann im Frankfurter Raum niederlassen. Meine Frau ist Frankfurterin, ich habe viele Freunde dort, viele schöne Erfahrungen gemacht“, sagt Pirmin Schwegler. „Vielleicht ist für mich ja beruflich eine Zukunft in Frankfurt möglich. Mal sehen, was da für Angebote ins Haus flattern.“ In der alten Heimat ist er auch jetzt immer mal wieder, wenn es die Zeit zulässt – und wenn ein Haarschnitt nötig wird. „Ich habe immer noch meinen Friseur in Frankfurt“, sagt Pirmin Schwegler und lacht: „Ich habe noch keinen anderen gefunden.“

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