23.10.2017 03:00 | Michael Helms

Regionalliga Südwest: FSV Frankfurt schlägt Hessen Kassel 4:1

Frankfurt Der FSV Frankfurt hat einem Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt in der Fußball-Regionalliga Südwest eine schmerzhafte Niederlage zugefügt. Die Bornheimer besiegten den hessischen Rivalen aus Kassel überraschend deutlich mit 4:1.

Der FSV Frankfurt obenauf: Mateo Andacic und Leon Bell Bell (oben)
Der FSV Frankfurt obenauf: Mateo Andacic und Leon Bell Bell (oben) Bild: Reinhard Roskaritz (www.bild-pressehaus.de)

Die vier eingefleischten Anhänger des FSV Frankfurt, die seit einem Vierteljahrhundert ihrem Verein die Treue halten, trauten ihren Augen nicht. Eine Viertelstunde vor dem Anpfiff des Heimspiels gegen den KSV Hessen Kassel nahm ein Mann einige Reihen vor ihnen Platz, den viele am Bornheimer Hang für den Absturz des ehemaligen Zweitligisten verantwortlich machen: Clemens Krüger.

Erstmals nach seinem Rücktritt als Geschäftsführer der FSV Frankfurt Fußball GmbH Ende März verfolgte der gebürtige Berliner mal wieder einen Auftritt seines ehemaligen Clubs vor Ort. An seiner Seite saßen einträchtig die ehemaligen Präsidiumsmitglieder Julius Rosenthal, Ludwig von Natzmer und Wolfgang Kurka, die bei einem Großteil der FSV-Fans auch nicht wohl gelitten sind, weil man sie für den finanziellen Kollaps des Frankfurter Stadtteilclubs mitverantwortlich macht. Aber trotz dieser aus ihrer Sicht recht unangenehmen Begegnung verbrachten die vier Sympathiesanten des FSV Frankfurt einen unterhaltsamen Nachmittag, der aus sportlicher Sicht einiges zu bieten hatte. Was in erster Linie daran lag, dass die Frankfurter Mannschaft vor der Pause eine überzeugende Leistung ablieferte, während die Gäste aus dem Nordhessen schon fast Arbeitsverweigerung betrieben.

„Das war beschämend, ich kann mich bei unseren mitgereisten Fans nur entschuldigen“, sagte Kassels Trainer Tobias Cramer. Der gefrustete Fußball-Lehrer wechselte nach den ersten 45 Minuten – da lag sein Team schon mit 0:3 im Hintertreffen – auf einigen Positionen, um ein höheres Debakel zu verhindern. Was teilweise gelang, denn im zweiten Durchgang traf nur noch der Frankfurter Mateo Andacic, als er in der 58. Minute das 4:1 erzielte und so die Nerven der FSV-Fans beruhigte. Denn nach einem haarsträubenden Fehler von Torhüter Marco Aulbach war Kassel durch Sebastian Schmeer aus heiterem Himmel das 1:3 gelungen (55.), die junge Mannschaft der Bornheimer schien ins Wanken zu geraten.

„In dieser Phase waren wir viel zu nachlässig, da müssen wir uns noch entwickeln. Es kann ganz schnell gehen, dass es dann eben doch noch mal 3:3 steht. Deswegen war es umso wichtiger, dass wir da das 4:1 haben folgen lassen. Da war dann der Deckel drauf und die Mannschaft hat sich endlich belohnt“, lautete das Fazit von FSV-Cheftrainer Alexander Conrad, der den in der Vorwoche verpflichteten Vito Plut in die Startformation beordert hatte.

Eine Maßnahme, die sich auszahlen sollte, auch wenn der Stürmer aus Slowenien sich nach dem Schlusspfiff recht selbstkritisch präsentierte. „Meine Statistik heute war gut, mein Spiel kann noch besser werden“, sagte der 29-Jährige, der bei den Bornheimern einen Vertrag bis zum Saisonende erhalten hat. Gegen Kassel gelang Plut per Abstauber das 3:0 (38.), beim 4:0 hatte er die Vorarbeit geleistet. Die auffälligsten Frankfurter Spieler an diesem Tag aber waren Andacic und Robert Schick. Der junge Andacic (19), treibende Kraft im zentralen Mittelfeld, bereitete mit einem herrlichen Pass die schnelle Führung durch Schick vor, der in der dritten Minute mit einem knallharten Schuss von der Strafraumkante aus das 1:0 erzielte. „Der Robert hat diese Raketen eben im Fuß“, lobte Conrad seinen Flügelspieler, der in der 22. Minute bewies, dass er auch noch gefühlvoll flanken kann. Nach seiner maßgerechten Hereingabe traf der aufgerückte Abwehrchef Nestor Djengoue per Kopf zum 2:0, was auch Clemens Krüger Beifall klatschend begleitete. Krüger und das ehemalige Präsidium verließen übrigens zehn Minuten vor dem Abpfiff das Stadion, in dem sie viele nicht mehr sehen wollen. Ein ursprünglich angedachtes Vereinsausschlussverfahren gegen Rosenthal und seine früheren Vizepräsidenten wurde von den Verantwortlichen des FSV mittlerweile ad acta gelegt.

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