04.11.2017 19:38 | Von Franko Koitzsch und Thomas Prüfer, dpa

HSV mit Jugend-Schwung aus dem Keller: 3:1 gegen VfB

Hamburg Lange mussten die Fans darauf warten: Nach zehn sieglosen Wochen hat der HSV wieder gewonnen. 3:1 heißt es am Ende gegen den VfB Stuttgart. Youngster Arp hat mitgeholfen, aber auch die Schiedsrichter.

Hamburgs Jann-Fiete Arp (2.v.l) feiert seinen Treffer zum 3:1.
Hamburgs Jann-Fiete Arp (2.v.l) feiert seinen Treffer zum 3:1. Bild: Christian Charisius

„Fiete, Fiete”, riefen die Fans in der Nordkurve des Volksparkstadions glücklich, als die Mannschaft des HSV direkt vor ihnen den Siegertanz darbot. Mit 3:1 (1:0) hatten die Hamburger den VfB Stuttgart bezwungen und damit nach acht sieglosen Spielen wieder drei Punkte eingefahren.

Der letzte Erfolg gelang am 25. August in Köln. Seither hatte es nur ein mageres Pünktchen gegen Werder Bremen gegeben. Nun feierten Mannschaft und Fans den 500. Heimsieg der Bundesliga-Geschichte.

Aaron Hunt (20. Minute), Ex-VfB-Profi Filip Kostic (65.) und Youngster Jann-Fiete Arp (69.) hatten die Hamburger Tore vor 54 976 Zuschauern erzielt. Für den Gegentreffer sorgte Daniel Ginczek per Elfmeter (55.). Dem starken HSV-Rechtsverteidiger Dennis Diekmeier war der Ball zuvor an die Hand gesprungen.

Die Stuttgarter verloren neben den Punkten auch Dzenis Burnic (13.). Der defensive Mittelfeldspieler wurde per Ampelkarte vom Platz gestellt, weil er nach einer Verwarnung Hunt in einem Zweikampf zu Fall gebracht hatte. „Das war nicht mal ein Foul”, echauffierte sich VfB-Trainer Hannes Wolf „Da sitzt jemand in Köln und darf nicht eingreifen.” Gemeint war der Videoassistent. „Die Gelb-Rote Karte war in dem Fall nicht richtig”, gestand Schiedsrichter Guido Winkmann im TV-Sender Sky. „Ich habe heute einen Fehler gemacht, da muss ich zu stehen, und das muss man auch mal zulassen.”

Auch HSV-Trainer Markus Gisdol glaubte, dass die Ampelkarte „ein Knackpunkt” des Spiels war. „Aber es war ein sehr verdienter Sieg.” Die Hamburger hätten mehr Tore erzielen können, vergaben ihre Möglichkeiten aber leichtfertig. „Man hat gemerkt, dass wir heute wollten”, sagte Diekmeier, der zwei Riesenchancen auf sein erstes Erstliga-Tor nicht nutzte. An zwei HSV-Treffern war er jedoch beteiligt. „Er war an allen Szenen beteiligt - Man of the Match”, meinte Gisdol.

Die Stuttgarter bestätigten ihren Ruf als auswärtsschwächste Mannschaft der Eliteliga. Der Aufsteiger, der daheim hinter dem FC Bayern München das zweitbeste Team stellt, hat seine sechs Partien in der Fremde allesamt verloren (3:13 Tore).

Der unter enormem Erfolgsdruck stehende HSV-Trainer Gisdol hatte nach der langen Sieglosserie auf die Jugend gesetzt und wurde belohnt. Der 17 Jahre alte Stürmertalent Arp stand erstmals in der Startelf an der Seite des 20 Jahre alten Mittelfeldspielers Tatsuya Ito. „Es ist schön, solche Talente zu haben”, sagte Gisdol.

Arp, der in der Junioren-Nationalmannschaft reihenweise trifft und in der Vorwoche gegen Hertha BSC sein erstes Bundesliga-Tor erzielt hatte, fand sich zunächst nur schwer gegen die kompromisslose VfB-Innenverteidigung zurecht. Seine stärkste Szene, als er zwei Gegenspieler aussteigen ließ, führte in der zweiten Halbzeit zu seinem zweiten Bundesliga-Tor.

VfB-Schlussmann Zieler war nicht der sicherste Rückhalt seiner Mannschaft. Beim Hunt-Freistoß gab er eine äußerst unglückliche Figur ab. Den um die Mauer gezirkelten Ball leitete Zieler an den Pfosten, vor dort sprang er ihm an den Fuß und schließlich ins Tor. „Den muss ich halten”, meinte der Schlussmann selbstkritisch.

Den Zuschauern im Stadion kam der Sieg wie eine Erlösung vor. In vier Heimspielen zuvor hatten sie nur Niederlagen und kein HSV-Tor gesehen. Das bis dato einzige Heimtor in dieser Saison stammte vom ersten Spieltag. Nach 462 Minuten war die Leidenszeit der Fans beendet - umso euphorischer fiel der Jubel aus. „Den Sieg haben unsere Fans verdient”, meinte Gisdol.

(Von Franko Koitzsch und Thomas Prüfer, dpa)

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