01.11.2017 03:00 | sid,mka

Nach Debüt in Frankfurt: SV Werder Bremen: Interimstrainer Florian wer?

Bremen Das Debüt in Frankfurt könnte schon wegweisend sein: Florian Kohfeldt ist bei Werder Bremen vorerst zwar nur Interimsnachfolger des entlassenen Trainers Nouri, hat aber durchaus Chancen, beim SV Werder zur Dauerlösung aufzusteigen.

Zum Chef befördert: Florian Kohfeldt (links), damals noch Co-Trainer, im August 2016 mit Werder-Stürmer Max Kruse
Zum Chef befördert: Florian Kohfeldt (links), damals noch Co-Trainer, im August 2016 mit Werder-Stürmer Max Kruse Bild: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst)

Gäbe es ein Gruppenfoto der vielbeschworenen Werder-Familie, Florian Kohfeldt stände wohl irgendwo in der dritten Reihe, wahrscheinlich noch zur Hälfte verdeckt. Und doch bekommt der 35-Jährige in Bremen die Chance, den nach zehn Spielen noch sieglosen Tabellenvorletzten wieder aus dem Bundesliga-Keller zu führen.

Zwar werden nach wie vor die üblichen Verdächtigen für die Nachfolge des am Montag beurlaubten Alexander Nouri ventiliert – Bruno Labbadia, Marcel Koller, Holger Stanislawski, vielleicht sogar Torsten Lieberknecht, gar das zuletzt in Frankfurt und Hannover weniger überzeugend auftretende Werder-Urgestein Thomas Schaaf, der einst auch vom Bremer Nachwuchs in die erste Klasse befördert worden war. Auch Lucien Favre soll angefragt werden, Gerüchten zufolge. Und dennoch gilt der bisherige Drittliga-Coach der grün-weißen U23 als Favorit.

„Ich gehe ohne Voreindrücke in diese Woche. Jeder Spieler hat die Chance, sich bei mir zu empfehlen. Ich erwarte daher im Training eine hohe Intensität“, sagte Kohfeldt vor der ersten nicht-öffentlichen Übungseinheit am Reformationstag bei Werder-TV. Dass Kohfeldt Abstiegskampf kann, bewies er in der vergangenen Saison, als ihm mit Werders Nachwuchs der Last-Minute-Klassenerhalt gelang. Und auch in dieser Spielzeit hielt der junge Coach seine Mannschaft bislang über dem Strich.

Baumans Überlegungen

Nun soll er vor der Länderspielpause im Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt am Freitag zwei Etagen höher die sportliche Wende einleiten. Das würde auch Kohfeldts Job-Chancen steigern. Dass seine Vorgänger Viktor Skripnik und auch Nouri, die ebenfalls aus dem Juniorenbereich hochgezogen wurden, letztlich keinen dauerhaften Erfolg hatten, ficht Werder-Geschäftsführer Frank Baumann bei seiner vorläufigen Entscheidung für Kohfeldt als Interimscoach nicht an: „Florian hat bei uns eine sehr hohe Wertschätzung. Er spielt bei unseren Überlegungen für eine Dauerlösung zweifellos eine wichtige Rolle“, erläuterte er nach der vorläufigen Beförderung.

Natürlich hofft man an der Weser, dass sich Kohfeldt als ähnliches Trainerjuwel entpuppt wie Thomas Tuchel und Julian Nagelsmann, die ebenfalls als Nobodys in die Liga kamen und sich schnell als Erfolgstrainer etablierten. Mit ihnen gemein hat Kohfeldt jetzt schon die eigene, eher limitierte Fußballerkarriere. Es reichte zum Oberliga-Torwart bei Werder Bremen III – unter Skripnik übrigens.

Nagelprobe in Frankfurt

„Eigentlich wusste ich schon nach meinen ersten beiden Trainingseinheiten in Bremen, dass es mit einer Spielerkarriere als Profi nichts wird“, sagte Kohfeldt einmal, der auch als Trainer außerhalb von Bremen bislang kaum bekannt ist. Florian wer? Dabei stellte er während seiner Ausbildung zum Fußballlehrer als Jahrgangsbester 2015 sogar Tuchel und Nagelsmann in den Schatten. Ihnen blieb diese Auszeichnung in der Hennes-Weilweiler-Akademie in Hennef verwehrt.

Kohfeldts wegweisende Nagelprobe ist das Debüt in Frankfurt, auch wenn Baumann abwiegelt: „Unsere endgültige Entscheidung hängt nicht von diesem Spiel ab.“ Aber ein Remis oder gar ein Sieg wären wichtige Pluspunkte für eine Weiterbeschäftigung Kohfeldts – als Bundesliga-Chefcoach.

Einen Plan für diese Reise hat der Neu-Trainer bereits. „Frankfurt ist eine sehr aggressive Mannschaft, die uns nicht viel Zeit lassen wird. Da müssen wir Lösungen schaffen“, erklärte er. „Da müssen wir sehen, wie wir hinter die Kette kommen, um nicht zu sehr in die Breite zu spielen“, nannte er als Aufgabe für die wenigen Trainingstage. Spieler aus seiner U23 will er dafür nicht mit nach oben nehmen. Zum einen, weil der den Profikader für gut genug hält. Und zum anderen, um seinen Talenten nicht mit einem verfrühten Einsatz möglicherweise eine Karriere zu verbauen. „Wir sollten nicht den Fehler machen, mit einer kurzfristigen Aktion eine langfristige Entwicklung zu gefährden“, umschrieb Florian Kohfeldt diese Gefahr – was für ihn auch in eigener Sache gilt.

(sid,mka)

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