Eishockey

Die Löwen stehen vor der neuen Zweitliga-Runde

Von Markus Katzenbach
Einen Schritt voraus: Löwen-Kapitän Adam Mitchell (links) lässt sich den Puck nicht vom Krefelder Garrett Noonan klauen.
Jan Huebner (Jan Huebner)/FNP

Am Tag nach der insgesamt doch gelungenen Generalprobe wurmte Franz Fritzmeier nur ein Umstand. „Es ist ein bisschen schade, dass wir nicht gewonnen haben“, haderte der Sportdirektor der Frankfurter Löwen mit dem Ausgang des späten Sonntagnachmittags. Das war den Gästen aus Krefeld vergönnt, im Penaltyschießen. Gegen einen eine Klasse höher angesiedelten DEL-Vertreter freilich war auch eine solche knappe Niederlage eher ein Achtungserfolg für den Eishockey-Zweitligisten – und eine gute Lagebestimmung für den Start in die neue Saison am Freitagabend gegen den ESV Kaufbeuren, ebenfalls daheim in der Eissporthalle am Ratsweg. „Man ist nie fertig“, sagte Trainer Matti Tiilikainen mit gebotener Zurückhaltung zum Stand der Bauarbeiten am neuen Löwen-Gebilde, aber immerhin: „Wir sind gut in der Zeit.“

Die letzte Woche der Vorbereitung bot noch einmal Lackmus-Tests in rascher Taktung, mit drei Duellen gegen erstklassige Clubs in sechs Tagen. Die zwar allesamt verloren gingen, Selbstvertrauen aber konnte man doch daraus gewinnen. Was Fritzmeier besonders gefallen hat: „Wir standen nicht da wie das Mäuschen vor der Schlange, wie das oft so ist gegen höherklassige Gegner, sondern haben versucht, selbst das Spiel zu machen.“

Beim 1:3 in Köln am Dienstag hielten die Frankfurter so lange mit, beim 4:7 am Freitagabend boten sie in Mannheim ein solches Spektakel, dass die alten Rivalen von den Adlern voller Lob waren über den Löwen-Mut zum Mitspielen. Und nach dem 3:4 inklusive Penaltyschießen gegen Krefelds Pinguine hob Fritzmeier hervor: „Die Jungs haben nicht bloß die Scheibe rausgeschossen, sondern die Situationen spielerisch gelöst. “

Für Tiilikainen war dieses letzte das „vielleicht beste“ von den drei DEL-Duellen. „Vergleichen mit unseren ersten Tests vor vier Wochen haben wir große Schritte gemacht“, urteilt der Headcoach: „Es gibt noch viele Dinge, an denen wir arbeiten müssen. Aber die Grundlagen sind da.“

Die Spitzenspieler liefern

Die wichtigsten ihrer Vorstellungen haben die neuen Trainer um Tiilikainen der ebenfalls runderneuerten Mannschaft schon ziemlich nahe gebracht. Als eine Einheit aufzutreten vor allem, in Offensive und Defensive. Beispielsweise auch, dass man versucht, den Puck möglichst rasch wieder zu erobern, wenn man ihn verliert. Und weiß, wann man den geordneten Rückzug anzutreten hat, falls das nicht klappt. Oder dass die Unordnung des Gegners genutzt werden soll, hat man ihm mal das Spielgerät abgejagt.

„Das Talent der Spieler ist das eine. In der Vorbereitung haben wir aber auch Spielstrukturen entwickelt, da sind wir auf einem sehr guten Weg“, meint Fritzmeier. Gegen Krefeld zeigte sich der Fortschritt im Feilen an Lauf- und Passwegen ebenso wie die Qualität einzelner Hauptdarsteller. Kein Zufall, dass Carter Proft, Kapitän Adam Mitchell und Mathieu Tousignant die Frankfurter Tore schossen: „Die Spitzenspieler müssen liefern, das brauchst du“, sagt Fritzmeier.

Auf die nach dem großen Umbruch das Sommers anfangs noch vielen offenen Personalfragen gibt es zumindest vorläufige Antworten – manchmal überraschende. So hat sich in der ersten Sturmreihe neben Mitchell und Tousignant vorläufig der junge Mike Fischer festgespielt, als Vertreter des noch ein paar Wochen ausfallenden Antti Kerälä. Wobei die Karten nächste Woche wieder neu gemischt werden könnten, wenn Brett Breitkreuz ins Training zurückkehren soll. „Er war einen Monat nicht auf Schlittschuhen. Mal sehen, ob er gleich wieder spielen kann“, meint Tiilikainen.

Ein Vorgeschmack

In der ersten Verteidigungsreihe hat sich derweil wohl ein Pärchen gefunden, fürs Erste: Max Faber und Dan Spang. Auf dem Platz neben Tim Schüle in zweiter Reihe wechselten sich zuletzt Dalton Yorke und Kevin Maginot ab. „In Mannheim haben wir gesehen, dass wir das Tempo und die Härte mitgehen können. Das müssen wir in die Saison mitnehmen“, fordert Schüle, einer der wenigen Verbliebenen aus dem enttäuschenden Vorjahr. Die Generalprobe gegen Krefeld wiederum bot einen Vorgeschmack auf das, was die Löwen erwartet: Als Außenseiter der ersten Klasse legten die Pinguine am Sonntag ähnlich viel Wert auf die Verteidigung wie es wohl die meisten Zweitligisten gegen die Frankfurter Favoriten tun werden.

„Das war schon ein Bollwerk, dass man erstmal knacken muss. Aber wir haben es immer wieder geschafft“, hält Franz Fritzmeier fest. Die schweren Tests sind vorbei, jetzt wartet eine andere Aufgabe, die leichter klingt als sie vielleicht ist: „Wir müssen die Qualität auch in der Liga abrufen“, mahnt er. „Auch wenn es gegen Kaufbeuren und nicht nach Mannheim geht.“

Markus Katzenbach