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„Merci“ – ein Name dankt ab

Von Brigitte Kramer Das Café Merci darf nicht mehr Café Merci heißen. Das hat das Oberlandesgericht festgestellt. Auf die Klügling Café & Konditorei Betriebs GmbH kommen für die Umbenennung Kosten in Höhe von 250 000 Euro zu. Der Name ändert sich, die Qualität soll bleiben. Anja Klügling vom Café Merci.	Foto: Hans Nietner Der Name ändert sich, die Qualität soll bleiben. Anja Klügling vom Café Merci. Foto: Hans Nietner
Kronberg/Bad Soden. 

Drei Jahre lang haben sich die juristischen Auseinandersetzungen hingezogen. Seit dem 8. Januar weiß Anja Klügling, dass ihr kein anderer Weg mehr bleibt, als den Namen „Merci“ für ihr Café in der Adlerstraße aufzugeben. Und nicht nur für ihre Patisserie, Boulangerie & ihren Traiteur in der Sodener Kurstadt, sondern auch in ihren drei Filialen in Bad Homburg, Kronberg und Eschborn.

Der Süßwarenhersteller und Produzent, die August Storck KG mit Sitz in Berlin und mehr als 5000 Beschäftigten, hat die 48 Jahre alte Sodenerin im Jahr 2011 vors Landgericht in Frankfurt gezerrt. Storck produziert Süßigkeiten wie „nimm 2“, „Toffifee“, „Dickmanns“ und eine Schokolade namens „merci“. Die Storck-Anwälte warfen Anja Klügling „Rufausbeutung einer etablierten Marke“ vor.

Die Sodenerin gewann den Prozess. Doch die Storck KG ließ nicht locker. Es kam zu einem zweiten Termin vor dem Oberlandesgericht. Dieses Mal wurde Anja Klügling „Verwechslungsgefahr und Namensverwässerung“ vorgeworfen. Auch dieser Termin ging gut für die Klügling Café & Konditorei Betriebs GmbH aus. Einsprüche folgten. Revision wurde eingelegt. Beim vierten Termin am Oberlandesgericht machte der Richter deutlich, dass er keine Revision mehr zulassen würde, und drängte die beiden Parteien zu einem Vergleich. Von seiner Seite kam der Vorschlag, die Kaffeehäuser in „Café Merci im Taunus“ umzubenennen und so die regionale Ausrichtung deutlich zu machen. Aber die Storck-Leute blieben stur: „Merci muss weg“, lautete ihr Statement.

David gegen Goliath

Dem David blieb im Kampf gegen Goliath nichts anderes übrig, als klein beizugeben. Ein neuer Rechtsstreit hätte sich womöglich noch Jahre hingezogen, befürchtet Anja Klügling. Nun bleibt ihr und ihrem Geschäftsführer Timo Herbst bis zum 9. Januar 2016 Zeit, um den Betrieb umzubenennen.

Mit allen Konsequenzen: Das Logo „Merci“ muss nicht nur vom Ladeneingang verschwinden. Es geht auch um den Schriftzug auf den Geschäftsautos, den Verpackungen, dem Geschirr. Am aufwendigsten werden der neue Auftritt im Internet, die Werbung und die Installation einer neuen E-Mail-Adresse, befürchtet Klügling. Sie rechnet mit Kosten für die Umfirmierung von mehr als 250 000 Euro.

Die Mutter zweier erwachsener Töchter atmet erst einmal durch. Die Entscheidung ist gefallen. „Jetzt können wir es anpacken“, sagt Klügling. „Step by step“ will sie die Dinge angehen. Im kommenden Sommer, werde ihre 23 Jahre alte Tochter Alina mit in das Geschäft eintreten. Auch die 21-jährige Tochter Eliza habe Interesse daran, dass der Betrieb in der Familie weitergeführt wird.

Leicht lässt sich Anja Klügling ohnehin nicht unterkriegen. Sie hat heftige Schicksalsschläge erlitten, seit sie am 1. Februar 1992 das Haus in der Sodener Adlerstraße unter dem Namen „Café Bonjour“ eröffnet hat. Als ihr Mann im Jahr 2006 unerwartet starb, gab sie dem Sodener Café den neuen Namen „Merci“. Ihr Mann habe die Affinität zur rustikal französischen Patisserie und Küche gehabt, sagt Anja Klügling, und sie entsprechend beeinflusst. Die Erinnerungen an die gemeinsamen Geschäfte in dem Sodener Café mit dem gleichen Namen wären zu heftig gewesen. 2006 hat Anja Klügling auch das Kurcafé im Alten Kurpark aufgegeben.

Doch was das Angebot in den übrigen Cafés anbetrifft, ist Anja Klügling in der französischen Richtung geblieben und hat sie weiter ausgebaut. Sie habe damals Konditoren, Patissiers und Bäcker aus Frankreich hergeholt.

60 Beschäftigte

Heute beschäftigt sie in ihren vier Filialen rund 60 Menschen. Alle Produkte, vom Petit fours bis zur Haustorte Forêt-Noire, vom französischen Bauernbrot bis zu Pralinen sowie kleinen warmen Gerichten, werden aus frischen und saisonalen Zutaten hergestellt. „Karotten für die Rübli-Torte werden noch mit der Hand gerieben“, versichert Klügling. Und französische Produkte für die Zubereitung, das Mehl fürs Gebäck, Butter oder Schinken werden in Straßburg eingekauft.

Wichtig ist der Café-Besitzerin und ihrem Geschäftsführer, dass sich keine Gerüchte verbreiten. Der Betrieb werde weiterlaufen, betont sie. Gleichgültig, unter welchem Namen. „Wenn wir irgendwann eine prickelnde Idee haben“, sagt Anja Klügling, „wird an der Tür etwas anderes stehen.“

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Das Café Merci darf nicht mehr Café Merci heißen. Das hat das Oberlandesgericht festgestellt. Auf die Klügling Café & Konditorei Betriebs GmbH kommen für die Umbenennung Kosten in Höhe von 250 000 Euro zu.
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24.01.2015
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Hochtaunus
Kronberg/Bad Soden

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